Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 194-195. (Budapest, 2006)

TANULMÁNYOK — ARTICLES - NEMES, Csaba: Beiträge zur Wechselbeziehung der deutschen und ungarischen Heilkunde im historischen Kontext

Hugo Preisz (1860-1940) begann seine bakteriologischen Experimente in Deutschland, Belgien und Frankreich und bewies die Identität der menschlichen und tierischen Tuberkulosenbazillen. Preisz bestätigte auch - gegen Metschnikoffs Auffassung - die Thesen von Richard Pfeiffer über die Rolle der Immunseren in der Phagozytose. Sein Flauptwerk über die Bakteriophagen erschien 1925 in Jena. László Detre (Deutsch 1874­1939) arbeitete zunächst in Wien mit Karl Landsteiner zusammen. Von Detre stammt der Terminus technicus „Antigen" (nach einer Andekdote in der Pester Cafeterie Abbázia erfunden), von Landsteiner der Fachausdruck „Antikörper" . Leo Liebermann (1852-1926) studierte in Wien und Innsbruck und begründete dann die biochemische und immunchemische Schule in Ungarn. Er war der erste, der das Komplement synthetisch herstellen konnte. Emil von Behring besuchte ihn in Budapest und war entzückt von seinen immunchemischen Methoden. József Tomcsik (1898-1964), dem Schüler von Hugo Preisz gelang erstmals den Haptencharakter mancher Antigene nachzuweisen. Er und Ferenc Faragó (1905-1950) führten in Ungarn als in erstem Land der Welt die Diphtherie­Schutzimpfung ein. Faragó beging 1950 im kommunistischen Gefängnis Selbstmord, Tomcsik verließ aber Ungarn noch 1943 und wurde "Nachfolger des Hygieneprofessors Robert Doerr in Basel, der übrigens ebenfalls aus Ungarn stammte. Zuletzt soll hier unter den ungarischen Immunologen Tamás Marschalkó (1862-1915) erwähnt werden. Marschalkó arbeitete in Breslau bei Albert Ludwig Neisser (1955-1916), wo er die Umwandlung der Lymphozyten in Plasmazellen entdeckt hatte. Seitdem werden die Plasmozyten nach ihm benannt. Liebermanns Schüler, Ferenc Hutyra (1860-1934) und József Marek (1868-1952) verfaßten auf der 1789 gegründeten königlich ungarischen Veterinärhochschule ein Werk über Diagnostik der Haustiere (Lehrbuch der klinischen Diagnostik der inneren Krankheiten der Haustiere, 1912), das in Jena beim Gustav Fischer Verlag 7 Auflagen erlebte. Dessen spätere Ausgabe, ein zweibändiges Werk auf 2700 Seiten (Spezielle Pathologie und Therapie der Haustiere, Jena 1938) wurde außerdem ins Englische, Italienische, Spanische, Polnische, Russische und Chinenische übersetzt. Nach Béla Issekutz' Beurteilung der begabteste Pharmakologe Ungarns, Miklós Jancsó d. J. (1903-1966) arbeitete als Stipendiant im Berliner Robert Koch Institut. Jancsó untersuchte wie der größte Pathologe des Jahrhunderts, Ludwig Aschoff (1866-1942) die Funktion des sog. retikuloendothelialen Systems. Jancsó klärte als erster den Mechanismus der Speicherung von Arzneien und Bakterien in diesen Entgiftunszellen auf (1928/29), und wies nach, daß unter Histaminwirkung die Endothelzellen der Gefäßintima innerhalb einiger Minuten zu solchen Speicherzellen umgewandelt werden (1941). Diese und die Entdeckung der intrazellulären Wirkung des Arsenobenzol Salvarsan begründeten seine internationale Reputation. Auch sein wichtigstes Werk erschien in deutscher Sprache (Speicherung, Stoffanreicherung in Retikuloendothel und in der Nieren, 1955). Frigyes Verzár (1886-1979), Begründer der Lehre über die Altersleiden, die Gerontologie, leitete schon 1919 den Physiologischen Lehrstuhl an der Debrecziner Universität und im Auftrag des Kultusministers Klebelsberg das Biologische Forschungsinstitut in Tihany, als 1930 dem Ruf nach dem Basler Physiologischen Lehrstuhl gefolgt ist. Das in Basel von ihm nach seiner Emeritierung ins Leben gerufene Forschungsinstitut für Gerontologie blieb bis heute das Zentrum dieses neuen klinischen Faches. Und die Verzár'sche Zeitschrift Gerontologie, das wichtigste Organ der Internationalen Gerontologischen Gesellschaft, deren erster Generalsekretär ebenfalls Verzár war.

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