Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 194-195. (Budapest, 2006)
TANULMÁNYOK — ARTICLES - NEMES, Csaba: Beiträge zur Wechselbeziehung der deutschen und ungarischen Heilkunde im historischen Kontext
Korányi, neben Fernand Vidal (1862-1929) und Franz Volhard (1872-1950) einer der größten Kliniker und Nephrologen des 20. Jahrhunderts, erwarb seine viel bewunderte Technik in der experimentellen Medizin im Straßburger Physiologischen Institut bei Leopold Goltz, seine umfassende internistische Ausbildung beim Neurologen und Endokrinologen Hans Curschmann in Berlin und die bakteriologische Methoden bei August von Wassermann in Bamberg. Mit der Labormedizin - damals als selbständiges Fach noch im Anfangsstadium -, wurde er auf der Inneren Klinik seines Vaters Frigyes Korányi von Tolcsva (1827-1913) betraut, von dem er sich auch seine phänomenale Treffsicherheit in der physikalischen Diagnostik aneignete. An seinen Namen knüpt sich die Etablierung der funktionellen Diagnostik in der Inneren Medizin. Korányi's Sammelwerk, die 1903 erschienene zweibändige Physikalische Chemie und Medizin galt lange als Standardwerk der Labormedizin. Die bescheidenen Erfolge, die Korányi mit der von ihm initiierten Benzoltherapie bei Leukämie aufweisen konnte, haben die Zeitgenossen allerdings überbewertet, als sie dieses Verfahren in Deutschland mit der Röntgentherapie als ebenbürtig erklärten. Aus dem Kreis der ungarischen Pädiater darf János Bókay d. J. (1858-1937) nicht unerwähnt bleiben, der 1909 die identische Ätiologie von Windpocken und Gürtelrose durch den gleichen Viruserreger bewiesen hatte. Bókay führte in Ungarn die O'Dwyersche Methode (1880) der Intubation der Luftröhre in der Behandlung des diphtherischen Krupps ein und veröffentlichte seine vorzüglichen Ergebnisse in deutscher Sprache (Die Lehre von der Intubation, 1908), in einer Zeit, in der dieses Verfahren durch die Arbeiten von Franz Kuhn in Kassel gerade erprobt (1900-1911), aber noch lange nicht in der klinischen Anästhesie etabliert wurde. Ivády Gyula (1914-1994) verdanken wir die Heilung der Pneumocystis carinii verursachte Pneumonie im Säuglingsalter mit Pentamidin. Seine Erfolge mit diesem Chemotherapeutikum erlangten allerdings erst dann eine weltweite Aufmerksamkeit, als man die Vergesellschaftung dieser Lungenentzündung mit der HIVInfektion erkannte. Die theoretischen Grundlagen der Isotopendiagnostik verdanken wir ebenfalls einem ungarischen Forscher. György Hevesy (1885-1966) arbeitete 1913 in Wien mit F. Paneth zusammen, obwohl als sie das Prinzip der in vivo Markierung vitaler Gewebe und Organe mit Radionukliden, also die Spurensuche krankhafter Herde im Körper mit Indikatoren ausarbeiteten, die Isotope noch gar nicht bekannt waren. Inzwischen nahm Hevesy den Ruf nach Freiburg an, war jedoch im Jahre der Entdeckung der künstlichen Isotope (1934) bereits in Kopenhagen, so daß er die Methode der Aktivationsanalyse, wofür er 1943 den Nobelpreis für Chemie erhielt, nicht mehr in Deutschland ausgearbeitet hatte. Die chirurgischen Pioniere der Pester Universität im 19. Jahrhundert haben wir bereits erwähnt. Pólya Jenő (1876-1945) modifizierte die Billroth'sche Magenresektion durch verbesserte Versorgungstechnik der sog. „Jammerecke". Hümer Hühl (1868-1940) und der Ingenieur Péter Fischer konstruierten 1905/07 die erste Magen-Nähmaschine, die seit 1910 durch ein Weltpatent geschützt ist. Dieses erste Modell hatte dann Aladár Petz (1888-1956) Chefchirurg in Győr weiter verbessert (1920). Beide Typen sind heute mehrfach modifiziert und unter anderen Namen wie z. B. Autosulure T. M. für maschinelle Naht bei Magen-, Darm- und Rektumresektionen weltweit im Gebrauch. Wahrscheinlich nirgendwo waren ungarische Forscher des letzten Jahrhunderts erfolgreicher als in der Etablierung der neuen klinischen Wissenschaft der Immunologie.