Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 186-187. (Budapest, 2004)

TANULMÁNYOK — ARTICLES - MAGYAR László András: Die siebenbürgische "Vampir-Krankheit". - Az erdélyi "vámpírbetegség"

Die Vampir-Phantasien erklärt Tallar mit den Auswirkungen des Magensaftes auf die Nieren (sie!) und folgt damit in theoretischer Hinsicht der iatrochemischen Richtung. Die Seuche sei - seiner Meinung nach - eine endemische, keineswegs epidemische Krankheit. Die Ursachen der Krankheit sind nicht kausal, sondern zufällig, in deren Reihe die schlechte oder „thalische" Luft als die erste und wesentliche Ursache genannt wird. Danach folgt eine sehr interessante Zusammenfassung siebenbürgisch-rumänischer volksmedizini­scher Heilverfahren. Anschließend kehrt der Autor zur Frage des Vampirismus zurück. Die Zeichen des Vampirismus - schreibt er - seien die folgenden: - Auf dem Grabhügel des Vampirs seien runde Löcher zu finden. - Der Mund des Leichnams sei blutig. - Sein Körper befinde sich in gutem Zustand, da sich seine Haut sowie Finger- und Fussnägel stets erneuern. - Das Blut des Vampirs heile die sogenannte Vampir-Krankheit und andere Seuchen. - Ein weiteres Zeichen für ein mutmaßliches Vampir-Grab sei die Tatsache, daß eine schwarze Stute nicht daran vorbeigeführt werden könne. Tallar versucht zu all diesen Leichnamerscheinungen eine rationelle Interpretation zu geben und wiederholt dabei meist die iatrochemischen Erklärungen früherer medizinischer Dissertationen. Was die schwarze Stute betrifft, so habe er selbst mehrmals Experimente gemacht und in jedem Falle erwies es sich, daß die ganze Geschichte ein Irrglaube war. Er macht die Bemerkung, daß im Banat außer den Deutschen auch die serbische Bevölkerung von der Krankheit völlig verschont blieb. Tallar führt diese Tatsache auf den viel verzehr­ten „Türkischen roten Pfeffer", d. h. Paprika zurück, den die Serben als gesunde Nahrung schätzten. Am Rande sei doch hinzugefügt, daß die rote Paprikaschote in Ungarn des 18. Jahrhun­derts noch nicht den Status eines „National-Gewürzes" besaß. In der Zusammenfassung seiner Schrift behauptet Tallar mit Nachdruck, daß der Vam­pir-Glaube eindeutig ein Märchen sei. Er berichtet, daß er selbst „im Dorfe Klein-Dikwan" coram omnium blamable Experimente mit einem „lebendigen" und seit zwei Jahren fasten­den Vampir gemacht habe, um den Irrglauben des Volkes zu beseitigen. Leider geht Tallar nicht weiter darauf ein, wie ein „wirklicher" Vampir aussieht, da der Bericht an dieser Stelle sehr lückenhaft wird. Tallar schließt sein Werk mit dem folgenden Sprichwort: „Was die Augen sehen, betrügt das Herz nicht." Tallars Schrift ist wahrscheinlich die ausführlichste Beschreibung des rumänischen Vampir-Aberglaubens sowie der sogenannten siebenbürgischen Vampir-Krankheit. 24 Ihr medizinhistorischer Wert wird durch jene Tatsache nur noch erhöht, daß der Autor ein geschulter und intelligenter Chirurg war, der die Vampir-Vorstellung nicht nur zurückwies und verurteilte, sondern diese auch mit Interesse untersuchte und sie somit für die Nach­welt bewahrte. 4. Das Großfürstentum Siebenbürgen stand im 18. Jahrhunder unter habsburgischer Oberhoheit. Weil der Kaiser seinen Wohnsitz in Wien hatte, wurde die Verwaltung des Königreichs Ungarn - im Name des Königs - vom Statthalterrat (Consilium Locumtenen­24 Die nicht mit der in Kisolova und bei Medvedia beschriebenen identisch war.

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