Varga Benedek szerk.: Orvostörténeti közlemények 149-157. (Budapest, 1996)

KRITIKÁK / REVIEW ESSAYS - Schultheisz Emil: Bildende Kunst und Medizinhistoriographie. Überlegungen zu dem Buch von Mária Vida: Kunst und Medizin in historischen Ungarn

gerufen., Hieraus entsprang im 11. Jahrhundert die Bezeichnung ,,Antoniusfeuer", bei Hans Gersdorff m seinem ,,Feldtbuch der Wundarzney" auch ,,sanct Antonien feür". Sicher lässt sich sagen, dass die durch Mutterkornvergiftung aufgetretenen Seuchen, Massenvergiftungen eine der Hauptursachen für die Gründung des Antoniten-Ordens waren. Dessen erstes Haus in Ungarn mit Hospiz und Krankenhaus wurde 1288 von König La­dislaus IV. gegründet. Schon Anfang des 14. Jahrhunderts sind in mehreren ungarischen Städten Klöster und Krankenhäuser des Ordens zu finden. Die Tatsache, dass das Verschwin­den des Ergotismus weniger den Ärzten zu verdanken ist, als einer gewandelten Agrartech­nik, mag von einer Überschätzung ärztlicher Einflussmöglichkeiten schützen. Hungersnot, Tod und Krankheit waren allgegenwärtige Begleiter des täglichen Lebens im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, Angesichts der epidemischen Krankheiten war die Medizin von geringem Nutzen. Das findet seinen Niederschlag in den mannigfaltigsten Wer­ken der bildenden Kunst. Den ganzen Problemkreis Seuche und Kunst systematisch in den Griff zu bekommen, die verschiedenen Gattungen einordnen, scheint eine immense Aufgabe zu sein. Das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit ist viel zu kompliziert, um mit monokau­salen Erklärunsmuster der Wechselwirkung Seuche und Kunst gerecht zu werden. Ein weites Arbeitsfeld für Medizinhistoriker, trotz einer fast unüberblickbar reichen Literatur. Ob es sich um „ärztliche Kunst", Chirurgie, Zahnheilkunde, Votivbilder, Krankheit und Heilung, oder Pharmazie handelt, die künstlerischen Erscheinungsformen der heilenden Heiligen, der Arzt — Heiligen, haben ihren festen Platz in der Medizin- und Kunstge­schichte. Dies ist übrigens ein ganz spezielles Forschungsfeld der Autorin. In zahlreichen Aufsätzen veröffentlichte Forschungsergebnisse erläutern die Symbolk und Problematik der Beziehung der Kranken zu den Heiligen, der Heiligen als Krankheitshelfer und Schutzpat­rone der Ärzte in den verschiedenen Darstellungen. (Cf. Medizinische Praxis und Iko­nographie der hei [tätigen Heiligen in dere ungarländisehen Malerei des 13—14. Jahrhun­derts (1979). Die heilige Elisabeth und die Betreung der Aussätzigen; Der Kosmas- und Damian-Kult am ungarischen Beispiel 11. bis 18. Jahrhundert (1985); Ars Sacra Medica (1985) u.a.m.). Einige der Heiligen übten zu Lebzeiten selbst den Arztberuf aus — etwa das Brüderpaar Kosmas und Damian oder Panteleimon, einst Leibarzt des römischen Kaisers Maximilian. Das erste Auftreten der Heiligen Kosmas und Damian in Ungarn manifestierte sich vom 14. Jahrhundert an in Kirchen an verschiedenen Orten des Landes. Dann trat eine Pause im 16. und 17. Jahrhundert ein, durch politische und kriegerische Wirren bedingt. Kosmas und Damian wurden auch zu Schutzheiligen der bis heute fortlebenden medizi­nischen Fakultät der Universität, damals in Nagyszombat (gegründet von der Kaiserin­Königin Maria Theresia — 1769), wiewohl auch der medizinischen Fakultät der Universität Wittenberg. In einer gotischen Periode der medizinischen Ikonographie begegnet man Darstellungen in Ungarn, welche hohen künstlerischen Wert haben. Nach deren Höhepunkt im 15. Jahr­hundert folgt eine Epoche der Werke von eher volkskünstlichem Karakter; Kultausbreitung und Volksdevotion laufen parallel. Im 18. Jahrhundert folgt ein neuer Aufschwung mit einer eher schematisch-einförmigen Gestaltung. Allerdings kann festgestellt werden, dass der durch die barocke Kunst neugeborene Kosmas- Damian-Kult dem kulturellen Programm der Gegenreformation völlig entsprach. Die Kosmas und Damian-Verehrung war, unbeschadet ihrer frühzeitigen Begünstigung in der lateinischen Liturgie, auch im Karpatraum, besonders in Ungarn überall verwurzelt. Sie

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