Varga Benedek szerk.: Orvostörténeti közlemények 149-157. (Budapest, 1996)

KRITIKÁK / REVIEW ESSAYS - Schultheisz Emil: Bildende Kunst und Medizinhistoriographie. Überlegungen zu dem Buch von Mária Vida: Kunst und Medizin in historischen Ungarn

ging auch nach der türkischen Eroberung keineswegs in Vergessenheit, weder in den von Türken besetzten Gebieten, noch im Westen bzw. im Norden des Landes. Die Kosmas und Damian Verehrung muss sehr stark gewesen sein. Wenn hier von Kos­mas und Damian als Schutzpatrone dfer Arzte gesprochen wird, so sind damit bis Ende des 15. Jahrhunderts die Patrone der akademischen Arzte und Wundärzte (Kosmas mit dem Uringlas, Damian mit der Salbenbüchse oder Salbenspatel) gemeint. Erst am Ende der Ba­rockzeit wurde Damian auch zum Heiligen der Apotheker, wie Ackernecht (1954) überzeu­gend nachgewiesen hat. Es scheint neben der Verehrung der Aztheiligen, der Hl. Elisabeth von Thüringen im einstigen ungarischen Reich seit jeher eine besondere Bedeutung zugekommen zu sein. Die mit 15 Jahren dem Landgrafen Ludwig — er wurde ein Opfer des Kreuzkrieges — vermählte Elisabeth zeigte eine oft fast unverständliche Liebe zu den Armen, Bedrängten, Ausgestosse­nen. Mitleid und Krankheit wird Ihr zum Auftrag. Dabei war die Krankenpflege als soror in saecula, besonders die Pflege der Aussätzigen, der Elisabeth keineswegs das, was so oft der mittelalterlichen Caritas unterstellt wird — eine bloss asketische Demutsübung um facere poenitentiam. Sie nimmt am Schicksal des Einzelnen in seiner auch geistig seelischen Not Teil. Da die Hl. Elisabeth sich sehr früh von der „Bettheiligen" zur Lepraheiligen entwickelte, haben bildliche Darstellungen derselben seit Virchow immer wieder zu medizinhistorischen Untersuchungen gedient. Im ungarischen Raum ist eine nicht geringe Zahl von verschiede­nen Darstellungen der Hl. Elisabeth, der Tochter des ungarischen Königs Andreas II. be­kannt. Besonderes Interesse erwecken drei Altarbilder aus Oberungarn aus den Jahren 1474/77, welche die Hl. Elisabeth in ihren verschiedenen helfenden Diensten zeigen: beim Pflegen eines Kranken, beim Baden eines Leprösen. Sehr bemerkenswert ist das dritte Ge­mälde „Die Vision der Hl. Elisabeth", wo Altar und Krankenbett neben der Hauptfigur den gleichen bzw. gleichwertigen Platz einnehmen. Dies folgt dem Grundsatz baulicher An­ordnung des Mittelalters, dass sich der Krankensaal der den Kathedralen angeschlossenen Hospitäler in eine nach Osten gerichtete Kapelle fortsetzt — wie es eigentlich für alle Hos­pitäler des Mittelalters selbstvereständlich war. Die Patienten sollten von ihren Betten aus den Altar sehen um an der Handlung der heiligen Messe teilnehmen können. Auch in dem neuen Krankenhaustyp in dem „Grosshospital" — seit dem 14. Jahrhundert in Europa erbaut — blieb nach wie vor die optische und akustische Verbindung zwischen Bett und Altar ent­scheidend. Deshalb konnten z.B. die westlich der Kapelle liegenden profanen Hallen mit ih­ren der Wand entlang aufgereihten Betten nicht beliebig erweitert werden. Erst in den nach 1500 erbauten Krankenhäusern brach die optische Verbindung ab (Jetter, 1973). Während die frühen klösterlichen Formen des Spitals in erster Linie an den Regeln des Benedikt von Nur­sia orientiert waren, dann aber auch aus den clunezianischen Reformen wichtige Impulse be­zogen, war es für die bischöflichen SpitaalStiftungen vor allem die Regel zu „vita canonica" des Aachener Konzils 816, die richtunggebend waren. Auch die hier veröffentlichten, gekonnt ausgewählten und aufschlussreich kommentierten Bilder können als Grundlage weiterer medizinhistorischer Forschungen in dieser Richtung dienen. Die Bauordnungen des Hoch- und Spätmittelalters sind vom medizinhistorischen As­pekt kaum erforscht. Die Domspitäler bedürfen noch gründlicher Untersuchung, wie auch die Hospitäler für Pilger ein riesiges Wissensgebiet darstellen, das für die Medizingeschichte bisher nur wenig ergiebig war. Die Einbeziehung des religiösen und magischen, der überirdischen Kräfte in therapeuti-

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