Varga Benedek szerk.: Orvostörténeti közlemények 149-157. (Budapest, 1996)

KRITIKÁK / REVIEW ESSAYS - Schultheisz Emil: Bildende Kunst und Medizinhistoriographie. Überlegungen zu dem Buch von Mária Vida: Kunst und Medizin in historischen Ungarn

Leonhart Fuchs und Peter Foreest die Elephantiasis bzw. Lepra Araborum et Graecorum genau unterscheiden. Der leteztere sagt von der Elaphantiasis Graecorum sehr richtig „quam christicolae leprám vulgo apellant". Rudolf Virchow hat nach seiner Norwegen-Reise einen Aufsatz über die Geschichte der Lepra veröffentlicht (1860. Ein Jahr später — nach einem Besuch der Münchener Pinako­thek, wo er ein Bildnis der Hl. Elisabeth, zu deren Füssen drei Lepröse um Almosen bet­teln, gesehen hatte — gibt er eine vergleichende Beschreibung der Hauteffloreszenzen die er in Norwegen sah und die, die am Bild zu beobachten sind („Ein Aussatz-Bild des älteren Holbein" 1861.). Seitdem mehren sich Aufsätze über differentialdiagnostische Erwägun­gen zu den Hauteffloreszenzen dargestellt auf dem Sebastiansaltar von Hans Holbein d.Ä. Die Deutung der Lepradarstellungen, die moderne dermatologische Interpretation medizin­historischer Quellen ist ein interessantes und bei weitem nicht erschöpftes Forschungs­feld. Während die grossen Leiden Pest und Lepra, wenn auch in stark geringerer Zahl, fort­dauern, jedoch aus Europa abzogen, ist die quasi epidemisch auftretende, zur Massenvergif­tungen in der Bevölkerung führende Ergotismus aus der Welt verschwunden. Der Ergotis­mus hat einen so intensiven Niederschlag in der bildenen Kunst gefunden, wie sonst wohl keine andere Krankheit. Man denke an die Werke von Mathias Grünewald, Hieronymus Bosch, Peter Brueghel d.Ä. Aus dem ungarischen Gebiet wird hier u.a. ein Altarbild aus der Schule des ungarischen Meisters Mateöci (15. Jh.) präsentiert. Alle zeigen den Hl. Antonius mit den Attributen T-Stab, Glocke, Flamme. 1676 wurde das Mutterkorn als Ursache der „epidemischen"Gangrän erkannt (Dodart). Die Benennung ,,ignis sacer" findet sich in der lateinischen Literatur erstmalig bei Lucretius (De rerum natura VI. 660). Nach Lucretius gebrauchen Celsus und Plinius d.Ä. den Terminus ,, ignis sacer". Die beim Ergotismus auftretenden Hautrötungen — und ähnliche Hauteffloreszenzen — veranlassten den Leibarzt des Kaisers Gratianus (4. Jh.n.Chr.) Priscianus im Zusammen­hang mit dieser Krankheit den Ausdruck Erysipelas zu gebrauchen. Im Frühmittelalter kon­kurrierten mehrere Begriffe in der Benennung der Symptome dieses Leidens. Zuerst sprach man von Seuche oder auch Pest ganz allgemein, später meist von ,, ignis sacer" nicht zuletzt durch den im Mittelalter vielgelesenen Vergil (Georgica, III. 565—566). Cassius Felix (4. Jh.) verwendete in der Folge die beiden Termini ignis und erysipelas als Synonima, so dass auch in diesem Falle eine ziemliche Konfusion entstand. Die Sache wird umso komplizierter, als noch im 16. Jahrhundert weitere Synonima er­scheinen, so z.B. bei Gersdorff ignis persicus und pruna (Feldtbuch der Wundarzney, 1517). Die Gleichsetzung von Erysipel und ignis sacer reichte bis in das 19. Jahrhundert. Eine Übersetzung von Lucretius ins Englische verwendet gar 1931 Erysipel wo bei Lucretius ignis sacer steht (G. Barger. 1931). Systematisch durchgeführte Forschungen sollten Eponymik und bildliche Darstellung für die kunst- bzw. medizinhistorische Differentialdiagnostik klären, wie auch die immer wieder auftauchende ,,Transplantations" — Interpretation beim Ergotismus — Gangrän. Bei den Christen des Mittelalters erhält diese ,,Seuche" den Charakter einer sozialen Geissei. Wegen der „feurigen" Schmerzen wurde die Krankheit auch ,, ignis infernalis "be­nannt. Einem Bericht aus dem Jahre 1105 ist zu entnehmen, dass man auch dieses Leiden als himmlische Strafe ansah, so kam es zur Name , Jgnisjudicidis". Aus den Schriften, der Kir­chenväter aus dem 5. Jahrhundert wissen wir, dass der Hl. Antonius und seine Jünger Hautkranke gepflegt und geheilt sollen, auch wurde er um Hilfe gegen das heilige Feuer an-

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