Magyar László szerk.: Orvostörténeti közlemények 133-140. (Budapest, 1991-1992)
TANULMÁNYOK — ESSAYS - Kapronczay, Károly: Ungarisch—polnische Kontakte auf dem Gebiet der Medizin
seiner Verordnung gleich am Anfang das medizinische und ärztliche Personal der polnischen Flüchtlinge einschalten wollen. Es gab auch eine sondere Anordnung, der gamäß alle polnische Ärzte in die Evidenzhaltung der IX. Abteilung des Innenministeriums kommen sollten, und dementsprechend Ärzte in verschiedene Lager geschickt werden können. In den ersten Wochen sah es noch so aus, als könnte die vorher bekanntgegebene Verordnung von dem Ungarländischen Ausschuß des Polnischen Roten Kreuzes vollzogen werden und mit seiner Hilfe die Gesundheitspflege der polnischen Lager, sowie ihre ärztliche Versorgung organisiert werden. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß besonders wegen des sehr verzweigten Aufgabenbereiches schon im Oktober 1939 die IX. Abteilung des Innenministeriums dem Roten Kreuz vorschlug, daß für diese Angelegenheit eine Sondersektion ins Leben gerufen werde. In diesem Sinn kam am 3. November 1939 — ebenfalls innerhalb des Ungarischen Roten Kreuzes — die endgültige Form der Gruppe Polnischer Arzte zustande, die die Sicherstellung des bürgerlichen und militärischen sanitären Dienstes organisierte. Die Ausrüstung und Versorgung der Medikamente wurde — außer der Mithilfe des Innenministeriums — vom Ausschuß des Polnischen Roten Kreuzes vollzogen. 60 Wichtig war, daß zur Aushilfe des sanitären Dienstes der Ausschuß eine Schwesterschulung veranstaltete, und versah eine ausgedehnte gesundheitliche Aufklärung. Was den organisatorischen Aufbau betrifft, ist wichtig, daß zur Erfüllung der Rot-Kreuz-Aufgaben die ungarländischen bürgerlichen und militärischen Lager in acht Bezirke aufgeteilt wurden. Der an der Spitze stehende Rote-Kreuz-Beauftragte war verpflichtet Hilfs-, Datensammlungs- und humanitäre Aufgaben auf sich zu nehmen. An der Spitze dieses ganzen Apparates standen vier Abteilungsausschüsse (Hilfsdienstlicher, Aufklärungs-, Datensammlungs- und Medizinischer Ausschuß). Beim medizinischen Dienst war wesentlich, daß an der Spitze der Medizinischen Abteilung der Professor Kazimierz Ruppert stand, der diese breit angelegte Aufklärungsarbeit und die Schwesterschulungen leitete (15—30 Schwestern in einer Gruppe, auf einer 3—6 monatigen Ausbildungszeit). Er war der fachliche Vorsteher der etwa 90 polnischen Rot Kreuz-Schwestern. Die Aufklärungsarbeit wurde z. T. mit Hilfe von Flugblättern und in Studien auf polnisch verfaßten Schriftenmaterialien vollzogen, aber auch die Polnische Katholische Freie Universität organisierte gesundheitserzieherische und hygienische Vorträge 61 . Die Leitung des tatsächlichen sanitären Gesundheitswesens und die medizinische Versorgung war die Aufgabe der Gruppe der polnischen Arzte, der anderen polnischen Sektion, die innerhalb des Ungarischen Roten Kreuzes funktionierte, und an deren Spitze General Dr. med, Jan Srzednicki-Kollataj gestellt wurde. Schon im Oktober des Jahres 1939 ist ein Aufruf in dem Blatt Wisci Polskié bekanntgegeben, daß auf ungarischen Boden geflüchtete Ärzte sich zur Aufnahme des Dienstes zu melden haben, und sich an der Arbeit der Gruppe Polnischer Ärzte beteiligen sollen. Auf diesen Aufruf meldeten sich etwa 100 zivile- und Militärärzte — obzwar die Aufzeichnungen und Meldungen der nach Ungarn geflüchteten Ärzte über eine viel höhere Zahl, beinahe 5000 Ärzte sprechen. Die Organisationsarbeit wurde auch dadurch verleichtert, daß das ungarische Innenministerium den zum Dienst gemeldeten polnischen Ärzten ein höheres Tagesgeld und eine freie Bewegung in ganz Ungarn ermöglichte. Die Gruppe Polnischer Arzte begann im November 1939 auch offiziell ihre Tätigkeit, und hat ihre erfolgreichen Unternehmungen dem General Dr. SrzednickiKollataj zu verdanken, der fachlich, wie in Dienstangelegenheiten ein Vorgesetzter der bürgerlichen und militärischen Lager war. Nach festgesetzten organisatorischen Vorschriften mußten für die größeren zivilen und militärischen Lager — ihrem Personal bestand gemäß — ein oder mehrere polnische Ärzte sichergestellt werden. Die kleineren und nah zueinander gelegenen Lager hatten einen polnischen kreisärztlichen Dienst bekommen. Zu ihrer Tätigkeit gab das ungarische Innenministerium der Gruppe Polnischer Arzte im Sinne der oben erwähnten Verordnung die Wirkungserlaubnis. Uber die unentgeltliche medizinische Versorgung hatten die ungarischen medizinischen Behörden die Aufsicht. Die Organisation der sanitären Einrichtungen der Lager war dagegen ein Verdienst der Gruppe Polnischer Arzte. Die Herausbildung der endgültigen Formen dieser Organisation wurde bis zum Sommer 1940 fertiggestellt, in einem jeden Lager funktionierten Ärzte, es gab Krankenzimmer und Apotheken. Dem Personal der einzelnen Organisationen hat die Gruppe 60 Kapronczay: a. a. O. 61 Ungarisches Landes Archiv, P. 1614. Lengyel Vörös Kereszt Magyarországi Kirendeltségének iratai (Schriftenmaterial des Ungarländischen A usschusses des Polnischen Roten Kreuzes)