Magyar László szerk.: Orvostörténeti közlemények 133-140. (Budapest, 1991-1992)
TANULMÁNYOK — ESSAYS - Kapronczay, Károly: Ungarisch—polnische Kontakte auf dem Gebiet der Medizin
Finkenstein, Lisznek, Galizien; Albert Kowalsik, Krakau, Galizien; 1868/69: János Ebner, Zolkicw, Galizien; 1869/70: Jakab Bierer, Lemberg, Galizien; 1870/71: Stanislaw Kalewski, Zips; 1871 /72: Miklós Davida, Stragow, Galizien; Miklós Tetienbaum, Kolomea, Galizien; 1872/73: Leo Dornhelm, Przemysl, Galizien 47 . In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und zur Zeit der Jahrhundertwende realisierten sich die ungarisch —polnischen medizinischen Kontakte im Budapester Königlichen Arzteverein, der eine medizinwissenschaftliche Gesellschaft von gutem Ruf war. Diese Gesellschaft wurde im J. 1837 von den praktizierenden Ärzten in Pest und Buda im Interesse der fachlichen Weiterbildung und nicht zuletzt zur Pflegung des kollegialen Geistes gegründet. Diese Gesellschaft wurde in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts das höchstrangige medizin-wissenschaftliche Forum der Ärzte. Der medizinische Ärztekorps der Universität hielt sich anfangs fern von dem Ärzteverein, aber in den Jahren nach der Niederwerfung des Freiheitskampfes und zur Zeit des österreichischen Despotismus wurde eben dieser Kreis ein Forum für János Balassa und seine Runde. Hier wurden zum Aufschwung der ungarischen Medizinwissenschaft Pläne geschmiedet, hier bekam Ignaz Semmelweis seine Unterstützung, als das zeitgenössische medizinische und wissenschaftliche Leben unverständlich seiner Entdeckung entgegen stand. Beispiele lassen sich reichlich zitieren. Es soll bloß Czermak eine Erwähnung finden, der im Interesse der Verteidigung des Prinzips seines Kehlkopfspiegels auch in der Diskussion der Priorität eine Stellung nahm. Die Ärztegesellschaft hatte immer nur einen einzigen Gesichtspunkt vor Augen, und das war die reine Wissenschaftlichkeit — aber vor der Interessenvertretung der Ärzte verschloß sich die Gesellschaft. Diese ungarische Gesellschaft spielte in der Herausbildung des organisatorischen Rahmens für die Gesellschaften der einzelnen Zweige der Medizinwissenschaft eine enorme Rolle. Schon in den Jahren des Despotismus nahm der Ärzteverein Kontakte mit medizinwissenschaftlichen Gesellschaften Europas auf, die besonders nach dem Ausgleich ( 1867) von der hiesigen Medizinwissenschaft erst richtig eingeschätzt werden konnten. Solcher Kontakt wurde mit den Krakauer und Warschauer medizinwissenschaftlichen Gesellschaften aufgebaut. Zum Teil war auch das eben der Grund, daß sich der Ärzteverein mit relativ vielen polnischen Außenmitgliedern rühmen konnte. Als erster wurde der bereits erwähnte Felix Sokolski, schon im Jahre 1845 in seine Reihen aufgenommen. Da er der Präsident der Warschauer Medizinwissenschaftlichen Gesellschaft war, konnte der Kontakt in Richtung Warschau erweitert werden. Er wurde im Jahre 1871 nach Budapest eingeladen, wo er einen augenheilkundlichen Vortrag hielt. An seinen Tod erinnerte sich der Ärzteverein, am 14. Oktober 1891, auf seiner Großversammlung des Jahres. 48 Der Budapester Königliche Ärzteverein rief in seine Reihen der Ehrenmitglieder im September 1906 Boleslaw Wiecherkiewicz, den Professor der Krakauer Universität. Er nahm an der Weihe des SemmelweisDenkmals teil und war ein ausländisches Mitglied der Semmelweis Ehrenkommission. Ein hervorragendes Ereignis dieser Jahre war der 1909 in Budapest organisierte IX. Internationale Medizinische Kongreß, der auch aus Warschau eine ansehnliche Delegation nach Ungarn lockte. Insgesamt waren es 26 polnische Ärzte, die sich an den Arbeiten beteiligten, Vorträge hielten und sich auch in der Organisation behilflich machten. Der Budapester Königliche Arzteverein wählte die folgenden polnischen Kollegen in die Reihe seiner Ehrenmitglieder: Theodor Heryng, Wysokowicz Wladyslaw, E. Jürgens, Alexander Pawlowski aus Kiew, Jan Repchewski aus Sanktpeterburg. An diesem Kongreß konnte der bekannte polnische Chirurg und Professor der Krakauer Universität Mikulicz nicht mehr teilnehmen, den der Ärzteverein noch 1901 in seine Reihe der Ehrenmitglieder aufnahm. Vorher war er öfters in Budapest: er nahm an dem Budapester Internationalen medizinischen und demographischen Kongreß teil, wo er auch einen Vortrag hielt. Er war ein asländisches Mitglied außer dem Arzteverein auch der Gesellschaft der Ungarischen Chirurgen 49 . Die ungarisch —polnischen medizinischen Kontakte dieser Periode sollen mit einigen interessanten Einzelheiten geschlossen werden, welche die Breite dieser Kontakte charakterisieren. József J. Szalay (1802—1876) war zwar kein Arzt, sondern ein ungarischer Staatsbeamter in Galizien, der auf seinem 47 Hőgyes, E.: a. a. O. 48 Semmelweis Medizinhistorisches Facharchiv. Archiv des Budapester Königlichen Arztevereins. 1891 49 Siehe Anm. 48