Magyar László szerk.: Orvostörténeti közlemények 133-140. (Budapest, 1991-1992)
TANULMÁNYOK — ESSAYS - Kapronczay, Károly: Ungarisch—polnische Kontakte auf dem Gebiet der Medizin
Die Organisation der ungarisch —polnischen wissenschaftlichen Kontakte ist vor allem mit dem Namen von Gergely Sanoki verbunden, der zu den herorragenden Persönlichkeiten des vorher erwähnten Várader Kreises gehörte. Auch er war ein Student der Krakauer Universität. Als Probst von Wieliczka besuchte er Italien, ab 1437 machte er Bekanntschaft mit dem Humanismus und nahm einen Kontakt mit den dortigen Ungarn auf. Bald danach kam er als Sekretär des Königs I. Wladislaus nach Ungarn, wohin er seinen Herrn begleitete. Sanoki kehrte auch noch nicht nach der Niederlage bei Várna (1444) in seine Heimat zurück, sondern blieb als Erzieher des Matthias Hunyadi hier. Er stand auch bald im Kontakt mit János Vitéz, und fühlte sich im Várader Bischofshof wie zu Hause, wo „alle Gespräche die Nützlichkeit, oder die praktische Wahrheit vor Augen hielten". Sanoki bekannte sich — dem Geist der Krakauer Universität gemäß — zur Priorität des Empirismus der rein spekulatieven Meditation gegenüber. Es ist unverleugbar, daß im Denken und in der Weltanschauung von Sanoki die Keime des Humanismus vorhanden waren, es darf angenommen werden, daß er sich eben deshalb so heimisch im Várader Bischofshof von János Vitéz fühlte, wo sich Männer ähnlichen Denkens versammelten. Diesen Kreis versuchte er zu erweitern indem er die polnischen Doktoren der Medizin Stanislau Plrszewski und Marcin z Przemysl nach Várad einlud, später auch Martin Bylica z Olkuszu (Bylicai Márton), den berühmten polnischen Arzt und Astronomen. Dieser Tätigkeitskreis vermehrte sich zur Zeit des Königs Matthias Hunyadi (1458—1490), als das Wirkungsbereich nach Esztergom (Gran) verlegt wurde. Hier entwickelten sich die organisierten mittelalterlichen Formen der internationalen wissenschaftlichen Zusammenwirkung. Die in Plan genommene Pozsonyer Universität benötigte ausländische Fachexperten. Matthias beauftragte 1465 János Vitéz mit der Organisation, aber der König selbst bemühte sich auch mit Einladungen von namhafter Professoren (Mathematiker, Astrologen, Arzte, Philosophen usw.). Die Academia Istropolitana zeigte sich in ihrem Grundriß als eine wahrhaftige humanistische Universität. Zur Organisation wurde Vitéz beauftragt. Ihm ist zu verdanken, daß von den eingeladenen Persönlichkeiten Johannes Müller —Regiomontanus und Martin Bylica nach Ungarn kamen. 14 Bylicas Tätigkeit in Ungarn war die Fortsetzung der Bestrebungen von Gergely Sanoki. Seine ungarischen Kontakte datierten sich von früher, da er schon in Krakau das Vertrauen der ungarischen Studenten genoß. In Bologna knüpften ihn freundschaftliche Bände zu Janus Pannonius, dem ungarischen Dichter, der seine Gedichte in lateinischer Sprache verfaßte. Bylica kam nach Ungarn, weil er zum Professor der Pozsonyer Universiät vorgesehen war. Neben jener Tatsache, daß er an der Pozsonyer Universität Philosophie und Astrologie vorlas, bekleidete er auch die Stelle des Hofarztes. Matthias sah Bylicka gern, nicht nur deswegen, weil er aus dem Stand der Sternen dem König ein langes leben prophezeite, sondern weil er auch als Arzt gewünscht war. Dlugosz erwähnt, daß er es war, der im Jahre 1480 vor dem Öslerreich-Feldzug den König aus einer ernst erscheinender Krankheit heilte. Er stand neben dem König, als er Wien eroberte, und eben er war es, der im Interesse der Wiener Universität vermittelte, deren Professoren er von früher gut kannte. In Ungarn ist er vor allem als Astronom bekannt geworden, seine ärztliche Praxis übte er nur im Königshof und in der Umgebung des Königs aus. Seinen Ruhm konnte er sogar dadurch bewahren, und nicht beflecken, daß er mit den Verschwörern des Königs Matthias in Verbindung gerat, so daß er nicht einmal seine Hofpositionen verlor. In der von Matthias gegründeten Budaer Universität bekleidete er auch wichtige Positionen: wahrscheinlich hat er auf den Wunsch Matthias die geographische Lage der ungarischen Städte verfertigt, und machte Pläne zur geographischen Aufnahme des Landes. Neben all seinen Tätigkeiten begleitete er den König auf dessen Heerzüge und betätigte sich auch als Feldarzt. Nach den zeitgenössischen Quellen stand er auch am Sterbebett Matthias'. Er verstarb als Budaer Pfarrer im Jahre 1493 und vermachte in seinem Testament seine wertvollen Geräte der Krakauer Universität 15 . Zu dieser Zeit betätigten sich auch andere polnische Ärzte in Ungarn — obzwar wir über ungarische Ärzte, die in Polen gewirkt hätten, keine, Informationen besitzen. Eine Ausnahme bildet Gergely Kassai (Gregor von Kascha), der durch seine chirurgische Praxis als „Balneator" bekannt wurde, und im Jahre 1405 in Krakau bürgerlich anerkannt wurde. 14 Kapronczay, Károly: Magyar—lengyel kapcsolatok a XV. században (Ungarisch— polnische Kontakte im XV. Jahrhundert). Orvosi Hetilap, 1982. S. 1867—1870 15 Siehe Anm. 14