Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 86. (Budapest, 1979)
KISEBB KÖZLEMÉNYEK - ELŐADÁSOK - Münchow, Wolfgang: Albrecht von Graefe (1828—1870) emlékére (német nyelven)
herantraute \ vor clem sein souveräner Spott und sein geistreicher Sarkasmus still hielt, der einzige, vor dem er in Ehrfurcht die Fahne senkte. »Graefe! Sie sind kein Mensch!« rief Lassalle einmal über die ganze Gesellschaft, »Sie sind ein Heiliger, und mit Heiligen streite ich nicht!« Ja, Albrecht v. Graefe war ein Heiliger, dessen Andenken gesegnet sei für alle Zeit" [ 12]. Wenn Philippi noch 50 Jahre nach seinem Erlebnis in dieser Form schwärmen konnte, dann ist zu verstehen, daß sich zeitgenössische Schriftsteller des Sujet „von Graefe" bemächtigt und es nicht nur in einigen reichlich ausgeschmückten Reportagen in den jenerzeit gerade aufkommenden illustrierten Familienblättern „Gartenlaube" (1857, S. 188), „Daheim" (1865, S. 509), „Über Land und Meer" (1869, S. 27) dargestellt, sondern auch als Vorbild für Romanfiguren genommen haben. Letzteres leider nicht in der klassischen, wohl aber in der vielgelesenen Trivialliteratur dieser Zeit. Die „Marlitt" (Pseudonym für Eugenie John, 1825—1887) verwendete die Figur des edelmütigen, adeligen Augenarztes mit dem Johanneskopfe genauso, wie der Capitain Ramon Diaz de la Escosura in dem in Kolportageheftchen vertriebenen „Waldröschen, oder: die Verfolgung rund um die Erde". Hinter dem tönenden Pseudonym verbarg sich kein anderer als Karl May (1842—1912) aus Hohenstein-Ernstthal mit seinem Erstlingswerk. Eines Zitates wert ist lediglich der Roman „Hinter blauen Brillen" von Friedrich Wilhelm Hackländer (1816—1877). Die blaue Brille kennzeichnete jenerzeit den Augenkranken, Hackländer schilderte das Leben in der Klinik des bekannten Berliner Augenarztes, dessen Namen er nicht zu nennen brauchte, da ihn sowieso ein jeder kannte: „Obgleich das Haus, in welchem sich die Klinik befand, ein ziemlich großes Gebäude war, genügte es doch nur den bescheidensten Anforderungen, und es war schwer zu begreifen, warum sich nicht der Staat oder die Stadt in s Mittel legte, um dem berühmten Arzte ein, seinem Weltruf angemessenes Gebäude zur Verfügung zu stellen. Wenn aber der Augenklinik in der jetzigen Gestalt das Stattliche, Geräumige , Luftige, theilweise sogar Bequeme fehlte, so hatten dagegen die engen Räume, die schmalen Corridors und Treppen, bei denen allerdings zur Lüftung und Reinigung das Möglichste gethan wurde, den Vortheil, alle Bewohner traulicher zu umschließen, und gaben mehr das Bild eines Familien-Zusammenlebens, als einer Anstalt, wo Fremde aus allen Theilen der Welt auf's Zufälligste zusammentrafen" [5]. Die Berliner Augenklinik wurde tatsächlich von Patienten aus aller Welt aufgesucht, sofern sie die nötigen finanziellen Mittel und Reisemöglichkeiten hatten. Aber darüber hinaus zog sie zahlreiche junge Ärzte an, die sich in der Augenheilkunde weiterbilden ließen. Exakte Aufzeichnungen sind zwar nicht erhalten, aber es wird geschätzt, daß etwa ab 1856 jährlich 300 junge Ärzte die Klinik aufgesucht und sich später stolz als „Graefe-Schüler" bezeichnet haben. Die herben kritischen Worte Hackländers sind aber ungehört verklungen : weder der preußische Staat, noch die Stadt Berlin haben für das von Albrecht von Graefe unterhaltene Klinikum eine wesentliche Unterstützung gegeben. Es erfolgte lediglich seine Ernennung zum zweiten „Stadtarmenaugenarzt". Dieser Titel war mit einem Gehalt von 300 Thalern verbunden, umgerechnet 1080 Mark, aber wohlgemerkt im Jahr. Albrecht von Graefe hat sehr unter der anfangs fehlenden und dann spät einsetzenden Anerkennung seiner wissenschaftlichen und ärztlichen Leistungen gelitten. Nach