Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 86. (Budapest, 1979)

KISEBB KÖZLEMÉNYEK - ELŐADÁSOK - Münchow, Wolfgang: Albrecht von Graefe (1828—1870) emlékére (német nyelven)

seiner Ernennung 1857 zum Professor extraordinarius folgte erst 1866 das Ordinariat und es vergingen noch weitere zwei Jahre, bis ihm die vollen Rechte eines Lehrstuhl­inhabers zuerkannt wurden. Dazwischen lag die Wiederholung seiner Habilitation, denn eigenartigerweise waren in der Berliner Universität die Unterlagen aus dem Jahre 1852 nicht mehr aufzufinden. So mußte Albrecht von Graefe im Jahre 1867, also 15 Jahre nach seiner Habilitation, eine neue Habilitationsschrift der Berliner medizi­nischen Fakultät einreichen [3]. Wir kennen heute nicht mehr die Schuldigen, die ge­gen ihn intrigiert und im Hintergrund gewirkt haben. Aber die ständigen Querelen, verbunden mit einem Übermaß an Arbeit — Albrecht von Graefe mußte nicht nur seine eigene, sondern auch die Universitätsklinik versorgen, Vorlesungen und Staats­examina abhalten — haben seinen körperlichen Verfall beschleunigt. Mindestens seit 1856 war ihm bekannt, daß er an einer Lungentuberkulose litt, die jenerzeit als kaum heilbar galt. Im Jahre 1861 war es zu einem Blutsturz mit lebensbedrohlichem Zustand gekommen, aus dem er sich nur langsam wieder aufrichten, von dem er sich aber nie völlig erholen konnte. Als erfahrener Arzt wußte er seinen Zustand einzuschätzen,, nahm aber nie auf sich selbst Rücksicht. So nötig er für sich selbst Hilfe brauchte, so hat er sich dennoch bis in die letzten Lebenstage für seine Patienten eingesetzt, wie wir aus seinen letzten Briefen entnehmen können [14]. Am 20. Juli 1870 endete mor­gens um 3.00 Uhr sein arbeitsreiches, sein erfülltes und dennoch oft sehr schweres. Leben. Wenn wir uns heute, 150 Jahre nach seinem Geburtstag am 22. Mai 1828, an Al­brecht von Graefe erinnern und seine Ausstrahlung bis in unsere Zeit deuten wollen,, dann zeichnen sich zwei Faktoren ab. Der erste umfaßt die in der Geschichte der Augenheilkunde bleibenden wissenschaftlichen Leistungen. Dabei denken wir nicht nur an die vordergründigen, die von ihm erdachten Operationsmethoden, die Instru­mente und die Entdeckungen mit dem Augenspiegel, sondern wir erinnern uns ins­besondere an die zahlreichen jungen Ärzte, welche, von ihm ausgebildet, die Augen­heilkunde in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts auf eine Höhe getra­gen haben, die in bezug auf Diagnostik und Therapie kein anderes Spezialfach auf­zuweisen hatte. Und von diesem Blickpunkt, aus historischer Sicht, können wir die späte akademische Anerkennung Albrecht von Graefes keinesfalls mehr als Unglück für die Augenheilkunde ansehen. Denn hierdurch hatte er sich auf der Höhe seines­Schaffens auf die Ausbildung interessierter Ärzte konzentrieren können und brauchte seine Kräfte vorerst nicht in der durch Bürokratie und Querelen belasteten akade­mischen Tätigkeit zu verzetteln. Die vermeintliche Zurücksetzung hat Albrecht von Graefe zum einflußreichsten Mitbegründer der modernen Augenheilkunde gemacht. Der zweite Faktor ist die menschliche Seite seiner Persönlichkeit. Mit seiner ärzt­lichen Haltung, seiner ständigen Einsatzbereitschaft für jeden kranken Menschen ohne Ansehen der Herkunft und des Standes, also einem sozialpolitischen Engage­ment in einer Zeit, als die arbeitende Bevölkerung noch nicht durch Krankenkassen und Versicherungsgesetzgebung gesichert war, ist uns Albrecht von Graefe bis heute ein Vorbild geblieben. Der tiefe ärztliche und humanistische Geist, den wir bei ihm verkörpert finden, wirkt bis in unsere Tage und wird auch in Zukunft wirksam blei­ben.

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