Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 86. (Budapest, 1979)

KISEBB KÖZLEMÉNYEK - ELŐADÁSOK - Münchow, Wolfgang: Albrecht von Graefe (1828—1870) emlékére (német nyelven)

KISEBB KÖZLEMÉNYEK —ELŐ ADÁSOK ALBRECHT VON GRAEFE (1 828 - 1 870) IN MEMÓRIÁM WOLFGANG MÜNCHOW „D arüber, daß es sich bei Albrecht von Graefe um einen ganz ungewöhnlichen Menschen handelte, waren sich alle einig, die ihm begegnet sind. Sein Johanneskopf, die schlanke Gestalt, die ganze äußere Erscheinung boten den Eindruck eines makel­losen Menschen. Der Klang seiner Stimme, das hervorragende Rednertalent, seine menschliche Güte und die immer gleichbleibende freundliche Hinwendung zu kranken Menschen, die stets unbeeinflußt vom sozialen Rang blieb, wirkte bezaubernd. Dazu kam, daß er schon in sehr jungen Jahren sich hohen Ansehens und eines weltweiten Rufes erfreuen durfte. Wie sehr er nur für seine Kranken gelebt hat, davon zeugen die Berichte auch seiner Assistenten, die vor allem sein ganz persönliches Interesse für jeden einzelnen Kranken besonders hoch bewertet haben. Wenn er um Mitternacht regelmässig in der Klinik von Bett zu Bett ging, um nach den Kranken zu sehen, die am Tage operiert worden waren, dann muß sein Erscheinen etwas Überirdisches gehabt haben. Einen liebenswürdigeren Arzt als Albrecht von Graefe kann man sich nach allem, was wir von ihm wissen, nicht vorstellen." Diese in unserer nüchternen Zeit etwas enthusiastisch anmutenden Ausführungen über Albrecht von Graefe stammen nicht aus dem vergangenen Jahrhundert, sie sind wenig mehr als 10 Jahre alt und wurden von dem Medizinhistoriker Heinz Goerke niedergeschrieben [2], sie drücken aber auch die Empfindungen des Verfassers dieser Betrachtung aus. Denn kaum jemand, der sich intensiv mit dem Leben und Wirken Albrecht von Graefes beschäftigte, kann sich der Faszination entziehen, die noch heute seine Persönlichkeit ausstrahlt, mehr als 100 Jahre nach seinem frühen Tode. Zu seiner Zeit war Albrecht von Graefe in Deutschland, in vielen Staaten Europas und auch in Übersee ein berühmter, geachteter und sehr populärer Augenarzt. Diese Popularität, die ihn von anderen zeitgenössischen und bekannten deutschen Ärzten mit Abstand abhob, hat verschiedene Ursachen, denen wir nachgehen wollen. Der erste, wenn auch nicht entscheidende Grund der Popularität, waren seine Herkunft, seine Familie und Erziehung. Der Vater Carl Ferdinand von Graefe (1787—1840) hatte in der Fachwelt einen guten Namen. Bereits in sehr jugendlichem Alter, mit 23 Jahren, war ihm der erste Lehrstuhl für Chirurgie und Augenheilkunde an der mit der Gründung 1810 bereits sehr geachteten Universität Berlin verliehen worden [10]. Im nationalen Befreiungskrieg 1813/1814 hatte er sich als preußischer Generalchirurg und Verantwortlicher für das Lazarettwesen zwischen Weichsel und Elbe, insbesondere aber während und nach der Belagerung der Festung Torgau und der Eindämmung und Beherrschung der darin ausgebrochenen schweren Epidemie

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