Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 86. (Budapest, 1979)

TANULMÁNYOK - Antall József: Az egészségügyi felvilágosítás és egészségnevelés Magyarországon a 18—19. században (német nyelven)

2. in von Ärzten verfassten Populärwerken, die gewöhnlich ein individuelles Unter­nehmen und kein Ergebnis einer institutionellen Arbeit darstellten; 3. in von Ärzten entworfenen und verfassten behördlichen Verordnungen und in zu derer Popularisierung dienenden Ergänzungsschriften. Die Kalender genossen in Ungarn eine überaus große Popularität und bildeten beinahe die einzige Lektüre der einfachen Schichten und der Dorfbevölkerung. Eine besondere Bedeutung kam diesen Schriften dadurch zu, daß sie das Volk in seiner Muttersprache (ungarisch, deutsch, ja sogar slowakisch) lesen konnte. Der erste Kalender in ungarischer Sprache ist im Jahre 1575 erschienen. Im 16—17. Jahr­hundert waren die Kalender von Lőcse (Leutschau, Levoca) besonders volkstümlich. Sie enthielten Ratschläge nicht nur für den Aderlaß, sondern auch für allgemeine Gesundheitserziehung. Die Bedeutung des aufgeklärten Absolutismus kam dann im 18. Jahrhundert auch dadurch zum Ausdruck, daß 1756 der Statthalterrat verordnete, alle den Aderlaß betreffenden und einige eventuell schädlichen Ratschläge wegzulas­sen, und geeignete, wirklich aufklärende Gesundheitsmahnungen einzuführen. So haben die Kalender auch noch im 19. Jahrhundert in der Gesundheitsaufklärung der am meisten zurückgebliebenen Volksschichten eine Rolle gespielt. Da es in Ungarn nur wenige Ärzte gab, und auf dem Gebiet eines ganzen Komitats nicht selten nur ein-zwei Diplomärzte tätig waren, wurde die Sachkenntnis durch Chirurgen und anderes Sanitätspersonal niedrigerer Ausbildung vertreten, während der Einfluß der Quacksalber, der Olejkars (olearii, Ölträger) und der Volksmedizin im allgemeinen sehr stark geblieben ist. Es gab aber Dörfer, die auch diese vermissen mußten. Deshalb kam der Geistlichkeit eine sehr wichtige Rolle zu, weil sie kraft ihrer Bildung und auf die Gläubigen ausgeübten Wirkung die Bevölkerung am besten beeinflußen konnte. Joseph II. hat die diesbezügliche Tätigkeit der Gesitlichen gerade unterstützt, um die Epidemien wirksam bekämpfen zu können. Es ist charakteri­stisch, daß der lutheranische Geistliche István Balogh (1802) und der katholische Pfarrer Károly Jenovay (1838) in ihren Predigten, die auch im Druck erschienen sind, die Pockenimpfung popularisiert haben. (Es ist hier zu bemerken, daß man in mancher therapischen Methode oder Arzneimittel der Volksmedizin die konservierten und folklorisierten Kenntnisse der Medizin früherer Epochen entdecken kann, die eben durch Vermittlung der „medicina pastoralis" verbreitet worden sind.) In der Aufklärungstätigkeit spielte die medizinische Populärliteratur eine sehr wichtige Rolle. Zwar kein Arzt, so ist doch hier der hervorragende ungarische Wis­senschaftler, Descartes' Nachfolger, János Apáczai Csere (1625—1660) zu erwähnen, der seine Ausbildung in den Niederlanden erhalten und in seine Enzyklopädie auch medizinische Themas aufgenommen hat. Die medizinische Fachsprache bereicherte er mit ungarischen Fachausdrücken. Der echte große Popularisator war aber Ferenc Pápai Páriz (1649—1725), der durch sein mehrmals herausgegebenes Werk „Pax Corporis" (Kolozsvár, 1690) eine wahrhafte Bibel der ärztlich begründeten Gesund­heitserziehung und -aufklärung gegeben hat. Er hatte die Absicht, ein Werk zu schaffen, das auch der Landwirt, der keinen Arzt zur Beratung hinzuziehen kann, zur Heilung seiner Dienstleute zu benutzen vermag, oder die armen Kranken selbst für ihre Genesung gebrauchen können. Die „Pax Corporis" stellte auch eine der grundlegenden Nachschlagwerke der Geistlichkeit dar. Ihre Fachmäßigkeit

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