Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 83-84. (Budapest, 1978)

FÓRUM - Szakvélemények és hozzászólások Semmelweis kórtörténetéhez (magyar és német nyelven)

PROF. KÁROLY FARKAS, PATHOLOGE Das zur Verfügung gestellte Material beinhaltet keine Angaben, die irgendjemanden veranlassen können, seine bisherige Auffassung — wenn nur nicht aus anderen Gründen — zu ändern. Die Angaben sowohl in der Krankengeschichte, als im Sek­tionsprotokoll weisen tatsächlich darauf hin, daß die Krankheit, die den Tod ver­ursachte, Sepsis, Pyämie war. Es ist höchstwahrscheinlich, daß sie aus der Finger­verletzung, bzw. aus der damit zusammenhängenden Osteomyelitis oder Gangrän entstanden ist. Wir haben keinen Grund zu vermuten, daß die Quelle der Sepsis in der Irrenanstalt — z. B. infolge der brutalen Abbindung — zustandekam. Semmelweis dürfte seit mehreren Wochen eine subklinische Sepsis gehabt haben, die unter Einfluß der nicht eben idealen Umstände in der Anstalt manifest wurde. Es ist bekannt, daß die chronische Osteomyelitis — wie sie früher öfters, aber manchmal auch heute noch vorkommt — einen solchen Herd bedeutet, aus dem die Dissemination endlich zum klinischen Bild der Sepsis führen kann. Es ist auch bekannt, daß in solchem Zustand eine bis zum Delirium gesteigerte Psychose auftreten kann. D. h. Semmelweis' Geisteszustand kann nicht eindeutig der Geisteskrankheit zugeschrieben werden. Wie leicht auch immer ist die Sepsis bzw. Pyämie zu beweisen, so schwer ist auf­grund der zur Verfügung stehenden ob klinischen oder pathologischen Befunde zu begründen oder zu widerlegen, ob und an welcher Geisteskrankheit Semmelweis gelitten hat. Kurz und gut: Die pathologisch-histologischen Daten sind ungenügend irgend­welche Geisteskrankheit sowohl zu beweisen, als auch zu widerlegen! Die einzige, als sicher annehmbare Angabe stellt die im Sektionsprotokoll beschriebene Atrophie der Frontallappen dar. Einerseits aber verfügen wir über keine nähere Angabe davon, in welchem Maße sie vorhanden war, anderseits ist die Veränderung nur in Kenntnis der klinischen-psychiatrischen Daten als ein Beweis für eine bestimmte klinische Diagnose (paralysis progressiva, Pick-Atrophie usw.) zu interpretieren. Im vorliegen­den Fall weichen die Wertungen der psychiatrischen Daten zu stark voneinander ab. Auch die histologischen Untersuchungen bieten keinen geeigneten Stützpunkt an. Alles in allem: Aufgrund der klinischen, pathologisch-anatomischen und histo­pathologischen Daten ist keine bestimmte Geisteskrankheit beweisbar. Wenn es einmal aber so ist, so scheint es sinnlos, einem Menschen — wer auch immer er sei, und selbst wenn ihm daraus kein Schaden mehr zukommt — eine gewisse Krankheit zuzu­schreiben. Obwohl es keine solche Krankheit gibt, welche den Wert des Semmelweis­schen Lebenswerkes vermindern könnte. Ich halte die Stellungnahme dieser Konferenz für richtig: es ist eigentlich ein psychosomatisches (organisches) Syndrom anzunehmen, das entweder eine explo­sionsartige, bis zum Delirium gesteigerte Manifestation der subklinischen Sepsis (chronica osteomyelitis), oder progressive Paralyse, Pick-Atrophie, oder eine andere exklusive Geisteskrankheitsform gewesen sein kann.

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