Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 46-47. (Budapest, 1968)
TANULMÁNYOK - Regöly-Mérei Gyula: Etikai és morális elemek Semmelweis életművében (Német nyelven)
Klinik sprach für sich selbst. Vernunft und Verantwortlichkeit sprachen neben der neuen Methode. Bekennzeichnend ist der Unterschied der Denkart zwischen Semmelweis und Scanzoni. Semmelweis beobachtete in Wien und Pest, trotz dem Chlorwasser, einige Fälle des Kindbettfiebers. Auch Scanzoni hatte solche Erfahrungen. Semmelweis suchte jedoch nach dem „warum", und fand auch den Grund der erwähnten Infektionen (die Hand wurde nur beim Eintritt ins Krankenzimmer, nicht aber zwischen der Untersuchung der benachbarten Frauen gereinigt; ein andermal: zerfallener Krebsherd oder eine Caries im Kniegelenk usw.). Das veranlasste Semmelweis, seine Lehre über die Aetiologie zu erweitern: „Das Kindbettfieber ist demnach keine Krankheitspecies, das Kindbettfieber ist eine Varietät der Pyaemie" — schreibt Semmelweis [9], — „Das Kindbettfieber ist demnach dieselbe Krankheit, welche bei Chirurgen, bei Anatomen, welche nach chirurgischen Operationen entsteht, das Kindbettfieber ist demnach dieselbe Krankheit wenn männlichen oder weiblichen Individuen ein zersetzter Stoff in den Kreislauf gebracht wird" [9]. Weiterhin: „Träger der zersetzten Stoffe ist übrigens nicht bloss der untersuchende Finger, sondern alle Gegenstände, welche mit zersetzten Stoffen verunreinigt sind ... ; diese Gegenstände müssen daher vor ihrer Inberührungbringung — desinfiziert oder ausser Verwendung gesetzt; hieher gehören Instrumente, Bettwäsche, Schwämme, Leibschüsseln etc. etc." [9]. Scanzoni hingegen teilte die Wöchnerinnen in zwei Gruppen ein: je nach dem, ob Waschungen mit Chlorwasser verwendet wurden, oder nicht. Da er Fälle beobachtete, bei welchen trotz NichtVerwendung von Chlorwasser kein Kindbettfieber entstand, hielt er diese Methode für überflüssig [9, 10], obschon das Ausbleiben der Infektion damit verbunden war, dass Scanzoni und seine Ärzte zu dieser Zeit vom Seziersaal fernblieben. Die kurze Analyse legt den Unterschied der beiden Denkarten dar, die an Scanzoni gestellte Frage bietet aber einen Einblick in die Moralität von Semmelweis : „Ist das gewissenhaft solche Experimente zu machen?" [9]. Eine grosse Entdeckung ist nicht nur das Lebenswerk, sondern auch das Lebensziel des Entdeckers. Ein bedeutender Teil der grossen Ärzte oder Entdecker erreichten schon zur Lebszeiten die vollkommene Anerkennung, wie z> B. Jenner, Pasteur, Koch, Lister, Domagk, Flemming und andere. Es kommt aber auch vor, dass die Genugtuung nur die Nachzeit bringt, und das war der Fall bei Semmelweis. Der Inhalt einer Entdeckung kennzeichnet ihre Grösse und Dauer; das Feststehen bei einer wissenschaftlichen Wahrheit ist wieder eine moralische Eigenschaft des Entdeckers. Die Moralität eines Entdeckers oder Forschers besteht aus mehreren Komponenten. Das edelste dieser ist bestimmt die Menschenliebe, denn Forschung der Krankheiten ist auch „unermüdlicher Dienst an der Menschheit" . Semmelweis schreibt auch in diesem Sinne [9] : „... ich wünsche es im Interesse der Menschheit, dass alle Betheiligten aus denselben die Ueberzeugung schöpfen mögen, welche ich daraus geschöpft". Der Zeitgenosse, sein Freund Markusovszky berichtet folgendes [17]: „Als er in Pest seinen ersten Vortrag hielt, waren davon alle Anwesenden tief gerührt,