Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 14. (Budapest, 1959)
Ákos Palla: Sibilla unguentaria im Lichte der neuesten Forschung
ortes war also dem Zeitalter vorgreifend nicht zeitgemäss. Eine Tatsache, die im XVIII. Jahrhundert wohl vorkommen kann, in Pannonién aber ungewöhnlich, unbegründet gewesen wäre. In der Gedankenwelt des III. Jahrhunderts mag schon vieles gekeimt haben, was in seinen Auswirkungen bis heute herangereift war, das ist aber eine Folge der Entwicklung. Unsere Tafel steht wurzellos allein, sie führt eine Sprache, wie ein wandernder „Olejkar" oder Steinschneider (Lithotomus) des XVIII. Jahrhunderts. Sie teilt Name, Rang, Ware und Standort mit, woran die Menschen dazumal noch nicht gedacht hatten. Über den Sinn nur soviel. Prüft man die Abkürzungen, erscheint das letzte Glied der vierten Zeile - die Bezeichnung IMPE - als vollauf befremdend. Im römischen Reich war das nicht üblich. Weder bei Steinschnitten und Inschriften, noch hinsichtlich der Münzprägung ist uns ähnlisches bekannt. Die Abkürzung des Wortes IMPERATOR erschient überall in der Form IMP und nicht als Text erweitert: IMPE. In unserem Fall darf mit Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass die Einteilung der Buchstaben nur auf diesem Wege symmetrisch zu gestalten war und ihre Zahl deshalb vermehrt wurde. In Rom, im römischen Zeitalter hätte man sich eine solche Schlamperei nicht erlaubt. Der im letzten Jahrhundert bei uns in Ungarn geläufige und allgemein bekannte Titel „tekintetes" (deutsche: wohlgeboren) wurde stets mit „TEK" verkürzt und niemand Hess es sich einfallen, dieses Wort - der etwaigen Symmetrie wegen mit TEKI abzukürzen oder zu gravieren. Das wäre ein lächerlicher Unsinn gewesen, ebenso, wie im III. Jahrhundert die Abkürzung IMPE. Auch altungarisch völkische Grabaufschriften bieten in ihren Abkürzungen keine Analogie hierfür, der Unterschied im Bildungsgrad schliesst das aus. In Ungarn war des Schreiben und Lesens im XI-XIII. Jahrhundert nur die Geistlichkeit kundig. In unserem Fall dient Pannonién des III. Jahrhunderts als Beispiel, wer dort und damals des Schreibens kundig war, dem waren auch die bezüglichen Regeln bekannt. Diese nicht anzuwenden, wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Wer aber des Lateinischen zwar kundig, aber an die zeitgenös-