Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 14. (Budapest, 1959)

Ákos Palla: Sibilla unguentaria im Lichte der neuesten Forschung

Die Bronzplatte mit der Inschrift Sibilla ist 82 mm hoch, 118 mm breit und cca 1 mm dick, sowohl die Vorder- wie auch die Rückseite ist mit einer dünnen ungleichmässigen scliwarzgrünen Krustenschichte bedeckt. Mehrfache Ätzspuren an den Kanten sind auf der Rückseite mehr sichtbar. Der Text besteht aus an­tiqua Buchstaben, von der ersten Linie, die Grösse nicht einhal­tend, von Zeile zu Zeile kleiner, in jeder schrumpfen die Buch­staben immer mehr zusammen. Dies zeugt davon, dass eine un­geübte Hand die Zeichen eingekerbt hat undzwar fehlerhaft, das ist auch an den nachgestochenen Ausbesserungen klar zu er­kennen. Die ganze Ausführung deutet auf einem ungeübten Laien hin. Der Einschnitt ist bald seicht, bald tief, sogar bei der Teilausführung einzelner Buchstaben. Es ist möglich, dass die Tafel nach durchgeführtem Einschnitt poliert wurde, weil man auf diese Weise die Oberfläche von Splittern frei und gleich­massig zu machen wünschte. Das mag wohl die Ursache auch dessen gewesen sein, dass im Wort Sibilla der obere Bogen des Buchstaben ,,B" fehlt, was ausschliesslich dem Umstand zuzu­schreiben ist, dass dieses Wort auch ansonsten mit grösster Sorgfalt ausgeführt wurde. Die ganze Ausführung ist mangelhaft und zeugt von der Inanspruchnahme eines nicht fachlichen Hilfs­mittels. Den lateinischen Text und die Abkürzungen prüfen wir nun aus dem Grunde, um etwa den neueren Sinn festzustellen, und überdies, um in die Gedankenwelt und Denkart Einblick zu ge­winnen, die in der Zeit der Entstehung der Bronzetafel galten. Ein Gegenstand, oder eine geistige Schöpfung aus dem II-III. Jahrhundert kann selbstverständlich den Werken späterer Zeiten ähnlich sein, aber nicht aus ihrem Ideenkreis sich nähren. Im kai­serlichen Rom hatte man noch nicht über Elektrizität Gespräche geführt, auch die Flugschrift war, oder ein bronzenes Aushänge­schild der Kurpfuscher unbekannt. Auf eine so zeitbeständige Weise vermochte ein Kurpfuscher seine Ware noch nicht an­bieten. Wenn auch eine oder die andere Vorbedingung schon vorhanden gewesen wäre, das Zeitalter aber machte sie nicht notwendig. Der Text als Annonce, oder die Angabe des Wohn-

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