Palla Ákos szerk.: Az Országos Orvostörténeti Könyvtár közleményei 13. (Budapest, 1959)
Dr. RAFFY ÁDÁM: Vesalius és kora
suchen, verfügt er schon über gründliche tieranatomische Kenntnisse. Jakobus Sylvius war in dieser Zeit Professor der Anatomie an der Pariser Universität. Ein berühmter Mann, der färbige Stoffe in die Blutgefässe injiziert, um deren Ablauf und Anastomosien nachzuweisen. Auch in der Sprachwissenschaft hervorragend bewandert, stammen viele termini technici der Anatomie von ihm; er hatte sogar auch eine französiche Sprachlehre geschrieben. Als Schüler des Professors Sylvius wohnte Vesalius zum erstenmal der Sezierung einer menschlichen Leiche bei. Das war zu jener Zeit eine Seltenheit, durften doch nur Leichname der Verbrecher auf elen Seziertisch gebracht werden, und selbst das war blos zwei-dreimal im Jahre der Fall. Der Abscheu, den man damals den Sezieren entgegengebracht hatte, war eine logische Folge des Glaubens an die Auferstehung, denn wie sollte ansonsten der Unversehrtheit beraubte Körper im Augenblick der Auferstehung zum Leben erweckt werden? Die Sezierung dauerte im Allgemeinen vier Tage. Am ersten Tag wurde der Bauch, am zweiten der Brustkorb, am dritten der Schädel, am vierten die Extremitäten demonstriert, in der Regel vor der grossen Öffentlichkeit. Der junge Vesalius wich nicht von der Seite seines Meisters, Meisters, in seiner freien Zeit wühlte er stundenlang in den aus alten Gräbern zusammengetragenen Knochenhügeln des Skt. Innozenz-Friedhofes herum, oder auf dem Richtplatz, dem Montfaucon heute Buttes-Chaumon genannt. Mit verschlossenen Augen, blos des Tastsinns sich bedienend erkannte er jeden Knochen. Das führt ihn schon frühzeitig zu einer wichtigen Entdeckung: er findet die arteriae spermaticae, und beschreibt die vena azygos. Vesalius steht damals im 21. Lebensjahr. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Paris kehrt er nach Löwen zurück. Hier ereignet sich der berühmte Leichendiebstahl vom Galgen und die noch berühmtere Entdeckung des Corpus luteum gelegentlich des Sezierens einer 18jährigen Mädchenlei che. Von Löwen begibt Vesalius sich nach Padua am eine der damals berühmtesten Universitäten. Hier promoviert er