CS. SÓS ÁGNES: ZALAVÁR—KÖVECSES AUSGRABUNGEN 1976—78 . ANHANG. ISTVÁN VÖRÖS KNOCHENFUNDE / Régészeti Füzetek II/24. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 1984

VII. ANHANG

massen von der „Fleischbank" (22 St) und der Hufbeine lässt es als wahrscheinlich erscheinen, dass das Töten der Tiere und ihre „küchenfertige" Aufbereitung in Kövecses nicht auf dem erschlossenen Gebiet vor sich ging. Das Schlachten und Tranchieren der grossen Schlachttiere erfolgte wohl - zu dieser Annahme berechtigt die mittelalterliche Praxis - an einem zu diesem Zweck ausersehenen, abgesondertem Orte. Unter den Gründen hierfür dominierten Gesichtspunkte der tierischen und menschlichen Hygiene. Bei der Bewertung des so häufigen Vorkommens der Rumpfknochen von Rindern ist der Umstand zu be­rücksichtigen, dass beim Tranchieren der Tiere - zur Erleichterung des Transports und der Zubereitung in der Küche - das von der Wirbelsäule abgetrennte Kernfleisch sowie der rechte und linke Teil des Brustkorbes mit dem mittleren Rippenteil und dem darauf befindlichen Fleisch zusammen vorbereitet wurde (Vörös 1980). In einem so vorbereiteten Zustand dürfte das Rindfleisch auch nach Kövecsessziget gekommen sein. Das Fleisch aus den erwähnten Körperregionen des Rindes gehört, was den Konsum betrifft, auch heute in die erstklassige Kate­gorie. Auch die Knochen der fleischigen Gliedmassen sind zusammen mit dem für den Genuss bestimmten Fleisch nach Kövecses gekommen. Wenn man in den verschiedenen Zeitaltern und auf verschiedenen Gebieten die Verteilung der Rinderkno­chen nach Regionen und deren Abweichung von der theoretischen (Standard) Verteilung prüft, kann man folgende interessante Feststellungen machen: Auf der Insel Kövecses dominieren im sekundär angehäuften Küchenabfall aus dem 9. Jh. (21 Objekte) und aus dem 11—12. Jh. (4 Objekte) die Reste der Knochen der fleischigen Gliedmassen sowie Kopfteile. Die Menge der Knochen von fleischigen Gliedmassen (C.) beträgt fast das 2,5-3-fache; die Knochen der Kopfregion (A). das 2,5-6,0-fache; die Knochen der Rumpfregion (B.) liegen unterhalb (9. Jh.) bzw. etwas oberhalb (11.-12. Jh.) der Standardverteilungswerte (Tab. 7). Im 9. Jh. kommen mehr, im 11.—12. Jh. weniger Knochen von den trok­kenen Gliedmassen (D.) vor. Die Zahl der Hufbeine (E.) ist die gleiche: je 3 Stück (!) in beiden Zeitspannen und an beiden Orten und somit verschwindend klein. Im Tierknochenmaterial der primär angehäuften Küchenabfallgrube E/2 ist die Menge der Knochen aus der Rumpfregion (B.) in absoluten Zahlen ausgedrückt die grösste (331 St, 87,349), jedoch im Verhältnis zur Standardverteilung beträgt die Knochenanhäufung nur das 1,5-fache. Das relative Verhältnis der Knochen von den trockenen Gliedmassen (C ) und von der Kopfregion (A) ist dagegen beinahe gleich, bleibt aber - allerdings nur minimal - unter dem des Standards. Zahl und relatives Verhältnis der Knochen von den trockenen Gliedmassen (D.) und der Hufbeine (E.) ist extrem gering (Tab. 7). Die sekundär angehäuften Küchenabfall-Tierknochen - also in einem bereits verlassenen Siedlungsteil ange­häufte Tierknochen - stammen auf Kövecses von „Mahlzeiten" her, wogegen die primär angehäuften Küchen­abfall-Tierknochen - also das Knochenmaterial der Küchenabfallgrube des bewohnten Siedlungsteiles — aus der „Küche" stammt. Auf Kövecses-sziget wurde mehr als die Hälfte der Rinder (59,259) noch vor ihrer Geschlechtsreife gesch­lachtet (Tab. 5), was im Falle der Rinder primäre Fleischnutzung bedeutet. Die voll entwickelten Tiere wurden zur Erhaltung des Bestandes, bzw. zur Gewinnung von Milch und Dünger (? ) gehalten, die Ochsen dürften haupt­sächlich zu Zugtieren gedient haben. ín Kövecses beträgt die von den 27 Rindern erzeugte - nach Lebensaltergruppen kalibrierte (Vörös Manu­skript II.) Nutzfleischmenge 5 750 kg, 67,41%der gesamten Fleischmenge. Daneben dürfte auch die Menge an Talg und Häuten bedeutend gewesen sein. Von dem Rinderkadaver im Grab 50. wurde nichts verzehrt. 4.2.2. Kleinwiederkäuer Auf Kövecses-sziget sind 109 Stück Knochenreste von 20 Exemplaren Kleinwiederkäuern zum Vorschein gekommen (Tab. 5). Aus der anatomischen Verteilung (Tab. 6) der Kleinwiederkäuer-Knochen und aus der Ver­teilung nach Körperregionen (Tab. 8) lässt sich feststellen, dass die meisten Knochenreste 53 Stück, aus der Rumpfregion ( B.) und aus der Region der fleischigen Gliedmassen (C.), 33 Stück stammen. Darauf folgen mit glei­cher Menge - je 10 Stück - die Knochen der Kopfregion (A.) und der trockenen Gliedmassen. Hufbeine (E.) feh­len auf dem erschlossenen Gebiet. Das für den Genuss bestimmte Fleisch kam von den Rücken-Schulter-, Schulter-Oberarmstücken und von den zum Teil entknochten Teilen der Hinterkeulen. Die ans Tageslicht gekommenen zeugopodia der Gliedmassen sind „Nebenprodukte" des Tranchierens. 60% der Kleinwiederkäuer wurde noch vor dem Erreichen der Geschlechtsreife geschlachtet (Tab. 5), ihr kill off pattern zeigt primäre Fleischnutzung an. In Kövecses-sziget betrug die von 20 Kleinwiederkäuerexempla­ren erzeugte - nach Lebensaltergruppen kalibrierte (Vörös Manuskript II.) - Nutzfleischmenge 467,50 kg nur 127

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