GARAM ÉVA - PATAY PÁL - SOPRONI SÁNDOR: SARMATISCHES WALLSYSTEM IM KAPRATENBECKEN / Régészeti Füzetek II/23. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 2003
III. Sarmatcnzeitliche Funde des Csörsz-Grabens (É. Garam)
tigten Gefásses von roter Farbe (Abb. C; Taf. 21). Auf dem Rand und auch auf den Seitenteilen sind die Spuren von dunkel ziegelfarbener Malerei mit breitem Pinselstrich - Bogen, oberflächlich gezeichnetes "S" Motiv und Tannenbaum-Muster — zu sehen. Der Durchmesser des Gefásses betrug - nach der Messung von A. Vaday - 29 cm. Es dürfte folgende Form gehabt haben: geradlinig geschnittener Rand, darauf folge ein steiler Flals und eine kurze, senkrechte Schulter, die sich in einem gedrungenen, grossen Bauch fortsetzte. Das Gefäss hatte wahrscheinlich mehrere Henkel. Dieser grosse, bemalte Gefásstyp ist im Material des Barbaricum ziemlich fremd. Ähnliche Stücke, allerdings auch nicht in grosser Zahl, sind uns von den dakischen und von den südlichen Gebieten her bekannt und sie werden von D. Protase und O. Brakner auf das 2-3. Jahrhundert datiert. 9 6 ZUSAMMENFASSUNG Das Bild, das uns das Material der fünf Durchschnitten des Wallsystems zeigt, ist eindeutig: das zum Vorschein gekommene Fundmaterial stammt aus dem 2-3. Jahrhundert. Es muss aber bemerkt werden, dass unsere Kenntnisse nicht ausreichen, die Funde innerhalb engerer Grenzen zu datieren. Die Erforschung der Sarmatenzeit ist nämlich in den vergangenen Jahrzehnten in den Hintergrund getreten. In jüngster Zeit hört man aber von vielversprechenden Ergebnissen. A. Vaday und M. Kőhegyi stellen Fundmaterial zur Verfügung, dessen kritische Bekanntgabe der sarmatenzeitlichen Forschung sicherlich liber den toten Punkt hinweghelfen wird. Zwecks weiterer Bewertung des Fundmaterials und der historischen Fragen habe ich in Kenntnis der bisherigen Alterbestimmungen (von M. Párducz) das aus authentischen Gräberfeldern stammende sarmatenzeitliche Fundmaterial untersucht und kartiert. Die Fundorte befinden sich mit Ausnahme von 4 kleineren Gräberfeldern auf der inneren, also auf der südlichen, bzw. westlichen Seite des Csörsz- bzw. Teufelsgrabens, also des Wallsystems. Wenn man die Trasse der Wälle auf der von M. Párducz veröffentlichten vollständigen, d. h. auch die Streufunde bezeichnenden Karte einzeichnet, fällt es auf, wie wenig Fundorte sich auf der Nordseite der Trasse befinden. Es ist hier von als Streufunde zum Vorschein geratenen Gelassen die Rede, die auf der Linie Miskolc-Nyíregyháza-Debrecen ans Licht gekommen sind. Ihrem Typ nach gehören sie zu der von M. Párducz zwischen 270 und 350 datierten Gruppe Kiszombor-Ernőháza, stammen nicht aus späterer Zeit als die Wende des 3^4. Jahrhunderts, d. h. sie sind ebenso alt, wie das Material der Durchschnitte. Von den Hügelgräbern aus der späten Sarmatenzeit sind die auf der Aussenseite der Trasse liegenden zum grossen Teil ohne Beigaben (Rakamaz, Nagykálló, Oros). Das Material aus den das reichste Fundmaterial enthaltenden Hügeln von Geszteréd - das unserer Meinung nach nicht mit den Sarmaten in Verbindung gebracht werden kann — wartet auf erneute Bearbeitung durch fachkundige Forscher. Die Daten zeigen also, dass das Längswallsystem der Tiefebene das Gebiet umgibt, das im 2-3. Jahrhundert das Wohngebiet der Sarmaten war. Zu ähnlichen Schlüssen gelangte auch J. Gy. Szabó, als er die Geschichte des Komitates Heves zur Zeit der Völkerwanderung erforschte. 9 7 Er stellte fest, dass der Csörsz- Graben von der Donau bis zur Stadt Hatvan die Grenze des Siedlungsgebiets der Sarmaten bildet. Weiter östlich, auf der Nordseite des Walles findet man auch in 8-10 km Entfernung sarmatische Fundorte. Auch er ist jedoch der Meinung, dass wir beim heutigen Stand unseres Wissens das Material dieser Fundorte nur auf Jahrhunderte genau bestimmen können. Mit dem Sturz des römischen Reiches und mit der Ankunft neuer Völkerstämme (Hunnen, Germanen) im Kaipatenbecken änderten sich im 5. Jahrhundert die Machtverhältnisse von diesem Gebiet. Das Ergebnis der Jahrzehnte lang geleisteten gewaltigen Erdarbeit blieb aber bestehen und war bereits zum geographischen Faktor geworden. Die Untersuchungen von J. Gy. Szabó haben ergeben, dass der Wall auch für das Leben und das Wohngebiet späterer Völker (Gepiden, Frühawaren) zu einem bestimmenden Faktor wurde. Die Grenze von Gepidien gegen Siebenbürgen fällt von der Theiss bis zur Maros mit der äusseren Linie des Walles zusammen 9 8 und die Bewertung des Fundmaterials scheint zu bestätigen, dass die Grenze des gepidischen Siedlungsgebietes auch im Norden der Csörsz-Graben bildete. Die Änderungen in den Machtverhältnissen in den Jahren 567-568 hat das Wallsystem wieder überstanden. Die aus den Machtkämpfen siegreich hervorgegangenen Awaren hatten einen Schutzwall nicht nötig, da aber der Erdwall ungefähr das Gebiet umgrenzte, das der Lebensweise der Awaren entsprach, dürfte es nur natürlich gewesen sein, dass die frühawarzeitlichen Siedlungen sich der Linie des Walles anpassten. 9 9 Diese Annahme von J. Gy. Szabó scheinen auch 9 6 Protase 1976 Taf. 10. 2, Taf. 16. 7-8. Taf. 47. 2; Brukner 1981 41, 159, Taf. 106. 17, Taf. 107, 30. 9 7 Szabó 1970 30-37. 9 8 Szabó 1970 32. 9 9 Szabó 1970 33. 55