VÉRTES LÁSZLÓ: UNTERSUCHUNGEN AN HÖHLENSEDIMENTEN / Régészeti Füzetek II/7. (Magyar Nemzeti Múzeum - Történeti Múzeum Budapest, 1959)
I. EINLEITUNG
4, Die Morphologie ist uns also einerseits eine wichtige Stütze. Doch kann sie infolge der fast immer und überall vorhandenen Ausnahmen auch in gefährliche Sackgassen führen, umso eher, da es über die paläolithisehen Funde fast allgemein gesagt werden kann, dass abgesehen von den Funden der Gebiete mit klassischer Entwicklung, wie Frankreich, Spanien, Mähren und die Ukraine, die ein reiches und typologisch sozusagen eindeutiges Material liefern, die Ausnahmen die Regel bilden, und man es meistens mit nicht so gut umschriebenen, unsicher standardisierten, lokal entwickelten Funden zu hm hat. In der Praxis kann diese Erscheinung ein Grad erreichen, dass Werkzeuginventare in einigen Fällen nur ganz unsichere Andeutungen auf die entsprechende Kultur des Palaolith-Systems geben, und als einziger Ausweg „die Rückkehr zu den geologischen Schichten" f 49. S.20) bleibt. Die infolge der neueren Ausgrabungen und Sammlungen sich rapid anhäufenden Funde haben, anstatt die früher als unanfechtbar betrachteten typologischen Systeme zu bekräftigen, diese scheinbar umgestossen. Es anstand also ein Bild, das, da es keine entsprechende Übersicht gewährte, keine engeren Gesetzmässigkeiten aufzuweisen schien. Als sich jedoch ein Überblick zu gestalten begann - und dies geschah erst in der neuestenEntwicklungsphase der sich mit dem Paläollthikum beschäftigenden Wissenschaften, eigentlich erst in den letzten Jahren - wurden auf einmal neue Gesetzmässigkeiten klar, die wie verallgemeinernd vielleicht als Erkennung der Fazies-Werte bezeichnen können. Charackterisbscherweise äusserten sie sich zu allererst in einer geographischen Anschauungsweise Í 11 51 in der Erkenntnis dessen, dass die geomorphologischen und klimatischen Gegebenheiten, wie auch die von ihnen bedingten faunistischenund floristischen Verhältnisse, die Erscheinungsformen der Adaptions fähigen menschlichen Kultur stark beeinflussen, und diesen sogar eine, den Bedürfnissen entsprechende zweckmässige Form zu geben vermögen. Diese Anschaungsweise , um ein logisches Kettenglied weiterentwickelt, veranlasste z.B. K.J. NARR zur Behauptung, dass die Kulturströmnungen oder Bewegungen von Menschengruppen sich nicht unbedingt nit Werkzeugtypen oder Typengruppen decken (115,S.58).Erbrachte diese Erkenntniss mit den konkreten Erscheinungsformen der Typen in Zusammenhang, und beschrieb deren „Leitformen" nach ihrer räumlichen und zeitlichen Verbreitung ( 115 . S.60). Der obige Satz, die Bedingtheit des Werkzeuginventars einer gewissen archäologischen Kultur von den Herrschenden Verhältnissen der Umgebung, von Raum und Zeit, kann auch umgedreht werden: gLeiche Verhältnisse können in genetisch verschiedenen Kulturen analoge Erscheinungen hervorbringen (siehe 12 2).