H. Kolba Judit szerk.: Führer durch die historische Ausstellung des Ungarischen Nationalmuseums 2 - Von der Staatsgründung bis zur Vertreibung der Türken - Die Geschichte Ungarns im 11.-17. Jahrhundert (Budapest, 1997)

SAAL 6 - Das in drei Teile zerrissene Ungarn Die Zeit der Türkenbesetzung (2. Hälfte 16.-17. Jahrhundert) (Ibolya Gerelyes)

52. Türkischer Ledermantel, 16. Jh. Jahrhunderts erscheinen im Besitz ungari­scher Aristokraten- und Adelsfamilien die damals auch in Europa schon modischen türkischen Teppiche, Stickereien und Prunk­waffen. Die schönsten Stücke aus der klas­sischen Periode osmanischer Goldschmie­dekunst stellen jene mit Türkisen bzw. in­krustierten Nephriten verzierten Pallasche, deren einer der Tradition nach Miklós Zrínyi (1620-1664), dem Banus von Kroatien, einem berühmten Feldherrn und Dichter, gehört haben soll (Abb. 51), während den anderen Graf János Esterházy am Anfang des vergangenen Jahrhunderts dem National­museum schenkte. Da die Gebetsteppiche des 17. Jahrhunderts zumeist aus der west­anatolischen Stadt Usak, am zahlreichsten in protestantischen Kirchen Siebenbürgens er­halten blieben, werden sie weltweit als sie­benbürgische Teppiche betrachtet. Die ausge­stcllten Stücke wurden aus Wollfaden in Knotentechnik gefertigt. Ein herausragendes Werk der osmanischen Textilkunst ist die aus Samt genähte, mit Goldfaden bestickte Pfer­dedecke vom Beginn des 17. Jahrhunderts. Am Anfang des 16. Jahrhunderts entstand der applikationsverzierte, bestickte Reiter-Leder­mantel, den der Tradition nach ein Vorfahr der Familie Almássy in der Schlacht bei Mohács erbeutete (Abb. 52). UNGARISCHE UND TÜRKISCHE VERTEIDIGUNGSLINIEN - GEGNERISCHE GRENZBURGENSYSTEME Die Verteidigung gegen das Vordringen der Osmanen beruhte auf dem sog. Grenzbur­gensystem. Dieses war anfanglich eine im­provisierte, mehrfach wechselnde und nach Norden ausweichende Linie, die erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu ei­nem echten „System" wurde. Der Verteidi­gungsgürtel von der Adriaküste bis nach Szatmár war in sechs Oberhauptmann­schaften geteilt und unterstand ab 1556 dem Wiener Hofkriegsrat, wobei die unmit­telbare Leitung beim Oberkapitän des je­weiligen Gebietes lag. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden nach Plänen italienischer Ingenieure die größeren Bur­gen im sog. alt- und später neuitalienischen Stil umgebaut. Die ausgestellten Stiche zeigen bedeuten­dere Burgen bzw. herausragende Kriegs­ereignisse. Das 1543 verlorengegangene frühere kirchliche und Herrscherzentrum Esztergom bekam eine wichtige strategische Funktion als Vorposten des „türkischen" Buda und blieb mit einer kurzen Unter­brechung bis 1683 in türkischer Hand. Die „Tor des Oberlandes" genannte Burg Eger stellt der Stich eines unbekannten Kupfer­stechers vom Anfang des 17. Jahrhunderts dar. Bis 1596 trotzte die Burg den osmani­schen Belagerungsstürmen. 1552 hielt die 2000 Mann starke ungarische Burgbesat-

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