H. Kolba Judit szerk.: Führer durch die historische Ausstellung des Ungarischen Nationalmuseums 2 - Von der Staatsgründung bis zur Vertreibung der Türken - Die Geschichte Ungarns im 11.-17. Jahrhundert (Budapest, 1997)
SAAL 6 - Das in drei Teile zerrissene Ungarn Die Zeit der Türkenbesetzung (2. Hälfte 16.-17. Jahrhundert) (Ibolya Gerelyes)
zung unter István Dobó erfolgreich der fünf Wochen dauernden türkischen Belagerung stand. Das auf dem Stich von Gaspar Bouttas dargestellte Győr hatte außerordentliche Bedeutung als Vorposten von Wien. Nur vier Jahre lang, von 1594 bis 1598, war es in türkischer Hand. Mathias Zündt schuf die Darstellungen der fast gleichzeitig - Anfang September 1566 - an den Feind gefallenen beiden Grenzburgen mit Schlüsselstellung: des Südtransdanubien schützenden Szigetvár und des den südlichen Teil des Gebietes jenseits der Theiß bewachenden Gyula. Auf dem Stich von Kalló aus dem Jahre 1665 ist ein typisches Beispiel der im neuitalienischen Stil umgebauten Burgen mit vier Bastionen zu sehen. In den Jahrzehnten nach der verlorenen Schlacht bei Mohács stieg die Bedeutung der in den Grenzburgen dienenden leichtbewaffneten Husaren erheblich an. In einem Schaukasten sind einige typische Stücke der Bewaffnung der Grenzburgenbesatzungen ausgestellt: Husarenhelm, Kettenhemd, Husarenschild und Säbel. Der mit einer osmanischen Klinge versehene Pallasch des Kapitäns von Kanizsa György Thury (1520? - 1571) wird als Beutestück an den Besitzer gelangt sein. Der lange Krieg an der Jahrhundertwende, der mit wechselndem Kriegsglück ablaufende Fünfzehnjährige Krieg (1593-1606), vermochte die Kraft des Türkischen Reiches nicht zu brechen. Die Ausstellung kann diese hochbedeutsame Serie von Ereignissen an der Jahrhundertwende nicht detailliert schildern, verweist aber an einigen Punkten auf sie. Mit seinen persönlichen Gegenständen -seinemHalbharnisch (Abb. 53) und seinem Säbel - steht der ungarische Heerführer des Fünfzehnjährigen Krieges, Graf Miklós Pálffy, im Mittelpunkt. An hervorgehobenem Platz ist der Goldpokal (Abb. 54) ausgestellt, den ihm die Stände Niederösterreichs aus Dank für die Rückeroberung der von den Türken besetzten Stadt Győr im Jahre 1598 geschenkt haben. DÖRFER UND MARKTFLECKEN IM TÜRKENGEBIET Die Türkenbesetzung und die immer wieder aufflammenden Kämpfe verursachten in den ersten Jahrzehnten keine bleibende Schädigung des mittelalterlichen Siedlungsnetzes: Ein großer Teil der verlassenen Siedlungen wurde damals noch sehr bald wiederbevölkert. Die Dorfbevölkerung war auch unter den kriegerischen Verhältnissen um die Fortsetzung ihrer Landwirtschaft und Viehzucht bemüht. Daß ihr dies erfolgreich gelang, zeigt die Tatsache, daß Ungarn, genauer dessen besetzter Teil, in den 1580er Jahren der Welt größter Fleischexporteur war. Der ständige Fleischmangel Mitteleuropas förderte die Entwicklung einzelner Marktflecken im besetzten Gebiet und vor allem die Herausbildung einer kapitalstarken Kaufmannsschicht. Das Gewerbe dieser Städte konnte allerdings nur die Grundansprüche befriedigen. Ein Einbruch dieser relativ günstigen Wirtschaftsprozesse und die Vernichtung zahlreicher mittelalterlicher Dörfer erfolgte erst am Ende des Jahrhunderts, zur Zeit des Fünfzehnjährigen Krieges. Die früheren Türkenkriege hatten ein bis zwei Jahre gedauert und sich nicht auf das ganze Land erstreckt. Der Fünfzehnjährige Krieg und der mit ihm gleichzeitige Bocskai-Aufstand betrafen fast das gesamte Landesgebiet und stellten für die Bewohner eine gewaltige Belastung dar. Im königlichen Ungarn wurden 25% der Hufenleibeigenenhöfe für lange Zeit oder für immer verwüstet, und im Türkengebiet mußten die Bewohner sehr vieler Siedlungen mindestens einmal fliehen, mal vor den Osmanen, ein anderesmal vor den Truppen der Habsburger. Der Kupferstich von Drégelypalánk vom Anfang des 17. Jahrhunderts zeichnet mit den dicht nebeneinanderstehenden, vielfach doppelstöckigen Häusern ein etwas idealisiertes Bild von dem Marktflecken mit bescheidener Bevölkerungszahl. Nach Zeug-