H. Kolba Judit szerk.: Führer durch die historische Ausstellung des Ungarischen Nationalmuseums 2 - Von der Staatsgründung bis zur Vertreibung der Türken - Die Geschichte Ungarns im 11.-17. Jahrhundert (Budapest, 1997)
SAAL 6 - Das in drei Teile zerrissene Ungarn Die Zeit der Türkenbesetzung (2. Hälfte 16.-17. Jahrhundert) (Ibolya Gerelyes)
57. Mit Nephriten verzierter türkischer Pallasch, 17. Jh. abweichenden Eßsitten und Speisen verweisen die glasierten Fußschüsseln und Schälchen aus gebranntem Ton. Mit den Türken zusammen kamen in großer Zahl Südslawen ins Land, teils als Muslime der ersten Generation, teils als Aushilfsformationen. Und die balkanische Dorfbevölkerung flüchtete vor den Osmanen in die durch die Grenzkämpfe entvölkerten südungarischen Gebiete. Dementsprechend wurden die für sie typischen Gegenstände und Gebrauchsartikel vor allem in Südtransdanubien bzw. im Südteil der Tiefebene gefunden. Südslawisch sind auch die Schatzfunde, welche die ausgestellten türkisch-balkanischen Schmuckstücke enthielten: die aus Silber minderer Qualität verfertigten Kopfund Kleiderverzierungen mit Anhängern sowie die ungewohnt großen Ohrringe. Eindeutig auf balkanische, genauer auf serbische Werkstätten und kirchlichen Gebrauch verweisen die mit Heiligenbildern und altslawischen Aufschriften in kyrillischer Schrift verzierten Silbertassen, die auch in osmanisch-türkisehen Werkstätten entstanden sein konnten. So war wahrscheinlich das Werk eines osmanischen Meisters das im ersten Teil des Saales ausgestellte Schälchen mit dem Namen György Fräters und der Jahreszahl 1537 (Abb. 50). Auf türkischen Einfluß hin mochte auch ein ungarischer Meister die zur Zeit des Fünfzehnjährigen Krieges (1593-1606) vergrabene Tasse gefertigt haben, die ihr einstiger Besitzer bei Makó zusammen mit zwei gotischen Silberbechern versteckt hatte. Durch Vermittlung der vermögenderen Schichten der Eroberer erschienen auch in Ungarn - neben den einfachen alltäglichen Gebrauchsgegenständen - die orientalischen Luxusgüter, aus dem fernen China importierte feine Porzellanschalen und -fassen, die ebenfalls aus China stammenden und in Europa als Kostbarkeit geltenden besonders schönen grünglasierten Seladon-Gefäße sowie auch die Erzeugnisse der syrischen Töpferei. Letztere sind durch einen türkisglasierten Topf vertreten. Auch die Erzeugnisse zweier herausragender Zentren der osmanischen Keramikerzeugung gelangten in das ungarische Erobemngsgebiet: die in ganz Europa berühmten und beliebten Fayencegefäße aus Iznik und Kütahya. Eines ihrer schönsten Stücke ist die um 1570 fabrizierte Fayenceschale aus Iznik, in deren Blumen, den mit roter Farbe gemalten Rosen und Tulpen, man beliebte Motive der späteren ungarischen Volkskunst wiedererkennen kann. Seit der ersten Hälfte des 16.