Kemenczei Tibor: Studien zu den denkmälern skythisch geprägter alföld gruppe (Inventarta Praehistorica Hungariae 12; Budapest, 2009)
Der Fundstoff - Keramik
wurde, versuchte János Harmatta die Zeichen der Schüssel aus dem Grab 53 von Tiszavasvári - Dózsatelep (Taf. Ill, 19) und die Zeichen der Tasse (Taf. 50, 5) unter den Grabfunden des Gräberfeldes von Nyíregyháza - Közvágóhíd als Schrift zu deuten. In den nordpontischen Steppen versahen auch die sarmatischen Töpfer handgeformte Tongefäße mit verschiedenen eingeritzten, eingravierten Zeichen. 890 Die meisten dieser Zeichen wurden als Tamga, d. h. Zeichen für die Bezeichnung von Eigennamen, Sippennamen bestimmt. Damit kann aber nur ein einziges Gefäß von der Ungarischen Tiefebene verglichen werden (Tiszavasvári - Dózsa-telep Grab 53: Taf. 111, 19), die anderen Zeichen dürften lieber einen magischen, kultischen Hintergrund gehabt haben. Die mit Zeichen versehenen scheibengedrehten Gefäße bilden eine Sondergruppe im skythenzeitlichen Keramikmaterial der Tiefebene. Die meisten sind Krüge, es gibt nur zwei Schüsseln darunter (Tápiószele Grab 54 Taf. 82, 3; Törökszentmiklós - Surján: Taf. 126, 6). Die Zeichen befinden sich entweder auf dem, oder unter dem Henkel, bzw. am Boden der Krüge. Fast alle wurden nach dem Ausbrennen eingraviert, eingeritzt. Eine Ausnahme bildet die Schüssel aus dem Grab 54 von Tápiószele, deren Zeichengruppe vor dem Ausbrennen gefertigt wurde. Eingravierte Zeichen auf scheibengedrehter Keramik kommen im Fundmaterial der griechischen Kolonialstädte aus dem 6.-4. Jh. v. Chr. im nördlichen Küstengebiet des Schwarzmeers in großer Anzahl vor. Diese sind griechische Inschriften, bzw. Buchstaben. Von diesen Zeichen findet man auf den skythenzeitlichen Gefäßen der Tiefebene die Zeichen in Form von A, X und V, W. 891 Das bedeutet natürlich nicht, dass sie auch den gleichen Sinn gehabt haben. Beachtenswert ist aber die Tatsache, dass die skythenzeitliche scheibengedrehte Keramik der Tiefebene letzten Endes griechischen Ursprungs ist. Unter den Funden der im Waldsteppengebiet am Mittleren Dnjestr freigelegten frühskythischen Siedlungen, Bestattungen gibt es auch solche scheibengedrehten Gefäße, deren Form mit der der scheibengedrehten Keramik der Alföld-Gruppe identisch ist. Das frühskythische Fundmaterial beider Gebiete weist außerdem weitere zahleiche Übereinstimmungen auf. Deshalb kann man die Vermutung für richtig erklären, wonach die aus den griechischen Kolonialstädten (Olbia, Histria, Tyras) entstammte Technik des Scheibendrehens zur Bevölkerung der Tiefebene aus der mittleren Dnjestrgegend gelangte. 892 Es ist also möglich, 891 TOLSTOV 1953, 16. Nr.13, 52. Nr.73: O'lvia 54. Nr.77: Berezan, 90. Nr. 144, 91. Nr.146: Nimpheon usw; JAJLENKO 1980, 97. Taf. 2; KRYIZINCKIJ - BUJSKICHdass auch der Brauch der Bezeichnung der scheibengedrehten Gefäße griechischen Ursprungs ist. Unter den Zeichen auf den scheibengedrehten Kiiigen der Tiefebene soll das Hakenkreuz eine kultische, magische Bedeutung gehabt haben, genauso wie auf der handgemachten Keramik. Die Deutung der anderen Zeichen kann man nur raten. Vielleicht dürften sie den Namen, die Sippe des Besitzers bezeichnet haben. Darauf kann man aus den Funden des Grabes 402 von Tápiószele schließen, unter diesen Fundstücken gibt es nämlich zwei Kilige mit dem gleichen Zeichen versehen (Taf. 86, 8-9). Nur auf einem scheibengedrehten Krughenkel (Szentes-Vekerzug Grab 14: Taf. 64, 15) gibt es solche Zeichen, die für Schrift gehalten wurden. Wie oben schon erwähnt wurde, ist die Abbildung, die als Grund für die Lesung veröffentlicht wurde, mit den auf dem Fundstück sichtbaren eingravierten Zeichen nicht identisch, also die Frage der Lösung blieb offen. Besonders interessante Motivgruppe befindet sich auf der Seite der Schüssel aus dem Grab 54 von Tápiószele (Taf 82, 3). Den Sinn des komplizierten, auf keinem anderen skythenzeitlichen Gefäß vorgekommenen Zeichens kann man nicht deuten. Es ist unwahrscheinlich, dass das kaum sichtbare Linienzeichen ein Verzierungselement gewesen wäre. Unter den Keramikfunden der Alföld-Gruppe kommen scheibengedrehte Krüge in besonders großer Anzahl vor. Diese Tatsache zeugt davon, dass die Besitzung, die Benützung dieses Gefäßtyps sich viele Leute leisten konnten. Unter den Krügen kommen auch Exemplare ganz ausgezeichneter Qualität vor, die sind aber nicht markiert. Ebenso keine Zeichen befinden sich auf wertvolleren, größeren scheibengedrehten Gefäßen, wie auf Schüsseln (bis auf zwei), Vasen, Amforen, Töpfen, Urnen. Daraus kann man mit Recht darauf schließen, dass das Zeichen auf den einzelnen Krügen kein Meisterzeichen des Töpfers gewesen ist. Viel wahrscheinlicher ist, dass diese Zeichen auf den Besitzer des Kruges, oder auf seine Zugehörigkeit zu irgendeiner Gemeinschaft hinweisen. Man kann nicht feststellen, ob die Bezeichnung während des Bestattungsritus erfolgte, oder ein solcher Krug aus dem Besitz des Verstorbenen dem Grab beigegeben wurde, der schon früher bezeichnet worden war. Die hier erörterten Gefäße wurden nicht auf Grund der vollständigen Ermessung der skythenzeitlichen Keramikfunden der ungarischen Tiefebene ausgewählt. Offensichtlich kommen auch in dem noch nicht BURAKOV — OTRESKO 1989, 85. Abb. 32; COJOCARU 2002, 214 f. Taf. 3-4. 892 SMIRNOVA 1999, 193-219; ROMSAUER 1991,358-367.