Kemenczei Tibor: Studien zu den denkmälern skythisch geprägter alföld gruppe (Inventarta Praehistorica Hungariae 12; Budapest, 2009)

Der Fundstoff - Keramik

untersuchten Keramikmaterial mit Zeichen versehene Stücke vor. Aber auch auf Grund der teilweise ausge­führten Analyse kann man schon feststellen, dass un­ter den Funden der einzelnen Gräberfelder die be­zeichneten Gefäße in unterschiedlicher Anzahl vor­kommen. So zum Beispiel unter den 61 freigelegten Gräbern von Tiszavasvári - Dózsa-telep kam nur in einem einzigen Grab derartiges Gefäß vor, in den 54 Bestattungen von Tiszavasvári - Csárdapart nur in neun Gräbern. Die große Zahl der Gräber (455) be­gründet die große Zahl (19 Stück) der bezeichneten Keramik im Gräberfeld von Tápiószele, aber auch im Vergleich dazu sind die gezeichneten Krüge im Gräberfeld von Szentes - Vekerzug (in drei von 151 Gräbern) und im Gräberfeld Józan von Szabadszállás (in sechs Bestattungen von 199) wenig. In Alsótelkes wurde in den 184 Gräbern kein einziges bezeichnetes Gefäß gefunden. 893 Aber in diesem Gräberfeld gibt es auch wenige scheibengedrehte Krüge, Aus dem in Chotin in der Kleinen Tiefebene freigelegten 455 Gräbern 894 wurde kein bezeichnetes Keramikfund­stück publiziert, aber die Ursache dafür kann auch in der Unachtsamkeit des Forschers liegen. Die Gesamt­heit dieser Angaben zeugt davon, dass die Bezeich­nung der Keramik in den einzelnen Gemeinschaften in unterschiedlichem Verhältnis üblich war. Der Ur­sprung des Brauchs der Bezeichnung und der Sinn der Zeichen sind heute noch nicht festzustellen. Die Zeichen konnten auf irgendeine Weise mit der verstor­benen Person verknüpft worden sein. Die Anwesen­heit solcher Personen in den einzelnen Gemeinschaf­ten konnte zahlenmäßig unterschiedlich gewesen sein, darauf weist die Zahl der aus ihren Gräberfeldern zum Vorschein gekommenen bezeichneten Keramik hin. Mit dem Zeichen versehene Tongefäße kamen aus Körperbestattungen-, Urnengräbern, bzw. aus Brand­schüttungsbestattungen gleicherweise zum Vorschein. Aber die meisten Gräber waren Brandbestattungen. Im Gräberfeld von Tiszavasvári - Csárdapart gab es nur in einer Körperbestattung ein Gefäß dieser Art (Grab 20), es befanden sich dort auch noch fünf Urnengräber (4.9.15.29.48), und drei Gräber (17.36.47), die zu den Brandschüttungsbestattungen gehörten. Dasselbe zahlenmäßige Verhältnis der Be­stattungstypen gilt auch für das Gräberfeld von Tápiószele typisch. Es gibt nur einige Bestattungen, deren Beigaben vom Durchschnitt abweichen, hervorragen. So z.B. das Grab 402 von Tápiószele mit einer Eisenaxt (Taf. 86, 3-10) das Grab 31 von Szentes - Vekerzug mit seinen goldenen Gewandbesätzen, mit bronzenem Armring mit Schlangenkopfenden (Taf. 71, 1-9), das Grab 29 von Tiszavasvári - Csárdapart mit einem ver­goldeten Haarring, mit Armring aus Bronze, mit Glas­und Bernsteinperlen (Taf. 119, 1-10). Deshalb ist es anzunehmen, dass das mit Zeichen versehene Tonge­fäß schon an und für sich auf die Wichtigkeit der Rolle der bestatteten Person in der Gemeinschaft hinwies. Während der etwa drei Jahrhunderte der Skythen­zeit veränderte sich der Formbestand der Töpferpro­dukte in der Tiefebene wesentlich nicht, so wird die genauere Datierung der mit verschiedenen Zeichen versehenen Tongefäße nur auf Grund anderer Grab­beigaben möglich. Diese bestimmen das Alter der aus dem Gräberfeld von Szentes - Vekerzug zum Vor­schein gekommenen scheibengedrehten Krüge. Das Henkelfragment aus der Bestattung 14 (Taf. 64, 14) kann mit den anderen Bestattungen ungefähr gleich­altrig sein, es mag also aus der frühen Skythenzeit ge­stammt haben. Das gleiche Alter soll der aus dem Grab 31 zum Vorschein gekommene Krug haben (Taf. 71, 4), und zwar auf Grund der drei goldenen Ge­wandbesätze, während der Krag aus dem Grab 134 durch die Tasse mit graphitiertem Gittermuster (Taf. 77, 8) vom späten Hallstatttyp, mit der er zusammen aufgefunden wurde, in die zweite Hälfte des 6. even­tuell auf das 5. Jh. v. Chr. datiert wird. 895 Die über die geometrischen Zeichen auf Töpferpro­dukten der Alföld-Gruppe Gesagten zusammenfas­send kann man feststellen, dass das Hakenkreuz, das rautenförmige Zeichen auf den handgeformten Ge­fäßen aus dem Waldsteppengebiet des skythischen Kulturkreises gestammt haben sollte, und vermutlich die Glaubenswelt zur Quelle, zum Hintergrund ihrer Darstellung diente. Die Bedeutung, den Sinn der eingeritzten Zeichen auf den Henkeln, auf dem Bauch, am Boden der scheibengedrehten Krügen, Schüsseln kann man zwar nicht erläutern, aber man kann soviel mit Sicherheit feststellen, dass ihre An­wendung eines der typischen Merkmale der Alföld­Gruppe ist. 893 PATAY - Kiss 2001-2002, 127. Abb. 26. 895 KEMENCZEI 2001-2002, 69. 894 DUSEK 1966.

Next

/
Oldalképek
Tartalom