Kemenczei Tibor: Studien zu den denkmälern skythisch geprägter alföld gruppe (Inventarta Praehistorica Hungariae 12; Budapest, 2009)

Der Fundstoff - Keramik

diese Zeichen Schrift-, Eigentumszeichen gewesen sein sollten. Von ihrem Ursprung, ihrer Bedeutung konnte sie aber keine Erklärung geben. 878 Danach beschäftige sich Erzsébet Marton mit der Frage der auf skythenzeitlichen Gegenständen befind­lichen eingeritzten Zeichen. In ihrem Aufsatz publi­zierte sie die eingravierten Zeichen auf der Henkel­scherbe eines scheibengedrehten Gefäßes aus der Be­stattung 14 von Szentes - Vekerzug (Taf. 64, 14), sowie am Griff des Bronzespiegels vom Typ Olbia aus Makkfalva (Ghindari) in Siebenbürgen. Sie nahm an, dass diese Zeichen Schriftzeichen gewesen sein dür­ften. 879 Die Erklärung, die Deutung der Bedeutung der in den oben angeführten Aufsätzen veröffentlichten Zeichen sind mit dem Namen von János Harmatta verknüpft. In seinem Aufsatz analysierte er die Schriftzeichen der skythischen Funde des Steppenge­bietes, und er stellte fest, dass die Skythen die hierog­lyphisch - hethytische Schrift übernommen und der uriranischen Sprache entsprechend umgestaltet hatten. Daneben lernten die Skythen auch die altaramäischen Buchstaben, die altaramäische Schrift kennen. Ihre Schriftdenkmäler kamen nicht nur in der ganzen Step­pengegend, sondern auch auf der Großen Ungarischen Tiefebene und auch in Siebenbürgen zum Vor­schein. 880 Von diesen untersuchte János Harmattá die folgenden Funde: Handgemachte Henkeltasse, bei den Bauarbeiten von Nyíregyháza - Közvágóhíd aus einem skythen­zeitlichen Grab zum Vorschein gekommen (Taf. 50, 5). Die eingeritzten Zeichen an der Schulter der Tasse bestehen der Erklämng von János Harmatta nach aus 16 Schriftzeichen des altaramäischen Alphabets. Er deutete die Zeichen folgendermaßen: „Schenke ein, bringe Trinkopfer dar, trinke nach Wunsch, iß dich voll". Die Richtigkeit dieser Lesung ist aber umstrit­ten, weil János Harmatta von den Zeichen an der Schulter der Tasse eine nicht ganz genaue Abbildung veröffentlichte. Eine richtige Zeichnung davon wurde von Irina Lengyel publiziert. 881 Die auf dem Bruchstück des Henkels von einem scheibengedrehten Gefäß aus der Bestattung 14 des Gräberfeldes von Szentes - Vekerzug (Taf. 64, 14) be­findlichen doppelten, eingeritzten Zeichenreihen sind die Benennungen von uriranischen Hohlmaßen. Das Stück hat aber eine an mehreren Stellen abgesprun­gene, abgewetzte Oberfläche, deshalb kann man da­rauf nicht so viele Zeichen beobachten, wie es auf der Abbildung zur Erklärung der Zeichen angegeben wurde. Die eingeritzten Zeichen am Boden des unteren Teils der handgeformten Schüssel, die in der Brand­bestattung 53 des Gräberfeldes von Tiszavasvári ­Dózsa-telep gefunden wurde (Taf. 111, 19), bedeuten der Lesung von János Harmatta nach entweder einen iranischen Personennamen, oder aber weisen auf die Funktion der Schüssel hin: „Lebenserquicker". Aber auch in diesem Fall stimmen die auf dem Gegenstand wirklich sichtbaren Zeichen mit den aufgelösten Zeichen nicht überein. Was die Frage der Stichhaltigkeit der Lesung der obigen Zeichen betrifft, kann man soviel feststellen, dass die auf den angeführten Tongefäßen befindlichen eingeritzten Zeichen mit den veröffentlichten Ab­bildungen, die die Lösung belegen sollten, nicht ganz identisch sind. Auf diese Weise können diese Funde ohne jeden Zweifel nicht beweisen, dass in der Un­garischen Tiefebene in der Skythenzeit die uriranische Schrift bekannt war. Eingravierte, eingeritzte, offen­sichtlich nicht als Verzierungselement verwendete Zeichen kann man aber auch auf anderen skythen­zeitlichen Keramikfunden von der Ungarischen Tiefe­bene finden. Wir erörtern hier einige davon. Die eingeritzten Zeichen auf den Keramikfunden der Alföld-Gruppe kommen sowohl auf handgemach­ten wie auch auf scheibengedrehten Gefäßen vor. Die Formen der meisten Zeichen weichen auf diesen zwei Keramiktypen voneinander ab. Auf den handgemachten Gefäßen findet man unter den eingravierten, eingeritzten Zeichen u.a. Haken­kreuzzeichen (Hatvan-Boldog: Taf. 21,9; Tápiószele: Taf 82, 7, Taf 83, 14), keil-, rhombusförmige Zeichen (Tiszalök - Vásárhalom: Taf.99, 1, Gyula - Sand­grube: Taf. 18, 11), Zeichen in Form des Buchstaben „A " (Tiszavasvári - Dózsa-telep. Taf. Ill, 19), sowie senkrechte und Querlinien (Szabadszállás - Józan: Taf. 62, 3). Ein aus mehreren Linien bestehendes Zeichen ist auf einer Tasse zu sehen (Nyíregyháza ­Közvágóhíd: Taf. 50, 5), während auf einem Krug mit einfachen Linien dargestellte Reiterfiguren zu beo­bachten sind (Tiszaeszlár - Szellőhalom: Taf. 98, 15). Ein Teil der Zeichen auf scheibengedrehter Keramik ist mit den der handgemachten Gefäßen iden­tisch. Das sind die Folgenden: Hakenkreuz (Tápió­szele: Taf. 83, 17, Taf. 85, 7, Tiszavasvári - Csárda­part: Taf. 124, 23), die Form ,,A" (Tiszavasvári ­Csárdapart: Taf. 114. 5, Taf. 116. 6, Taf. 117. 21), Keilform (Tiszalök - Vásárhalom: Taf. 99, 14, Tisza­vasvári-Csárdapart: Taf. 117, 16). Zeichen auf scheibengedrehten Gefäßen: u.a. die „W"-Zeichen (Szabadszállás - Józan: Taf. 62, 4, Tá­878 LENGYEL 1968, 105. 880 HARMATTA 1992, 7-16. 879 MARTON 1977,28. 881 LENGYEL 1968, 107. Abb. 2.

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