Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)

4. Das Fundmaterial - 4.3. Steinfunde

samen geschliffenen Erzeugnisse des Steingewerbes etwas verdrängt hat 138 Bei der archäologischen Analyse wird das Werkzeug vor allem nach seinen morphologischen Charakteris­tiken klassifiziert, was aus chronologischer wie auch funktionaler Sicht als wesentlich gelten muß. Danach werden die einzelnen Typen aufgrund der Schneidengestaltung, der Größe und des Gewichtes, des Rohmaterials und der Gebrauchsspuren (z. B. Brüche, Abnutzung, Glanzstellen) bewertet. Die Hauptzielsetzung war die Rekonstruierung des Ge­brauchs der einzelnen Typen und die Festlegung von objektiven Benennungen, die die Werkzeugfunktion widerspiegeln. Leider kann trotz der detaillierten Analyse kein genaues Bild des geschliffenen Werkzeugs dieser Siedlung der Hunyadi halom-Kultur gegeben werden. Ein Grund dafür liegt darin, daß die Werkzeugunter­suchungen ähnlicher Methode ungenügend sind (sie sind im allgemeinen traditionell), der andere ist der Mangel an kupferzeitlichem Siedlungsmaterial. Un­sere Kenntnisse stammen vor allem von Werkzeug aus Bestattungen, das aber weder von seiner Funktion (es handelt sich um Prestigesymbole) noch von seiner Ho­mogenität her für einen Vergleich mit dem Siedlungsmaterial geeignet ist. 139 * Das kupferzeitliche Werkzeug wurde zuerst nach seinen morphologischen Charakteristiken gruppiert, und zwar in fünf Grundtypen. Der eine von ihnen, der plankonvexer Formenkreis genannt wird, besteht aus einer besonders großen Zahl von Exemplaren, aus 24 untersuchbaren Stücken (s. Anhang 1). Plankonvexe Gruppe Die wichtigsten Formcharakteristiken des Werk­zeugs der plankonvexen Gruppe sind die konvexe Ober- und flache Unterseitenausbildung sowie die einseitige Schärfung von der Unterseite her. Die Exemplare variieren im wesentlichen gemäß der Schneidenausbildung - nach Breite, Bogen und Dicke. Aufgrund der Schneidenbreite können sie breiter (Taf. 10.1) und schmaler (Taf. 10.2) werdend, nach der Schneidendicke dünn, geschärft (Taf. 10.3) oder dick, konvex (Taf. 10.4, Taf. 11.1) und nach dem Schneidenbogen konvex (Taf. 10.5) und gerade (Taf. 10.2) sein. Aufgmnd der Schneidengestaltung ist also mit mindestens sechs Varianten zu rechnen. Bei den Werkzeuguntersuchungen der letzten lah­re haben viele Forscher festgestellt, daß die fest­gestellte Verschiedenheit der urzeitlichen Schneiden keine zufällige Erscheinung ist, sondern das Ergebnis bewußter Gestaltung, die mit den variablen Funk­tionen zusammenhängt. Besonders in Kenntnis der Schneiden des heutigen Werkzeugs ist festzustellen, daß mit den verschiedenen Klingen unterschiedliche Arbeiten zu verrichten sind, z. B. mit breiten, dünner werdenden Werkzeugschneiden Spanabheben, Hobeln oder Schneiden, dagegen mit den schmalen und sich verengenden Klingen das Tiefstemmen, Aus­höhlen. 140 Dasselbe ist auch für das ähnlich gestaltete Stein Werkzeug vorauszusetzen. Das plankonvexe Werkzeug kommt nicht nur mit unterschiedlicher Schneide, sondern auch mit ver­schiedenen Größen und Gewicht vor (s. Anhang 1). Das schwerste Exemplar wog (noch im fragmentari­schen Zustand) über 340 g und das leichteste nur 41g. Die größte Länge betrug 160 mm (Taf. 10.6), die kleinste 40-50 mm (Taf. 10.5). Das plankonvexe Werkzeug mit erheblichen Unterschieden in Gewicht und Größe hatte gewiß unterschiedliche Funktion, war es doch ganz unterschiedlich wirksam, aber es ist auch anzunehmen, daß es zur Bearbeitung unterschiedlich harter Materialien diente. Die - auf morphologischer Grundlage - vermuteten Funktionen des plankonvexen Werkzeugs werden auch durch die Spuren des Gebrauchs bestätigt. 141 Auf den meisten kann man allein schon aufgrund von Ort und Charakter (Typ) der Spur auf die Funktion und die Art der Benutzung schließen. Eine Gruppe von Gebrauchsspuren weist auf die Anwendungsweise hin. An der Oberfläche vieler Steinwerkzeuge ist die Verwendung einer Fassung festzustellen, dessen Spuren sich vor allem am oberen Abschnitt, aber besonders um den Nacken konzent­rieren. Zugleich ist aus diesen Spuren auch auf das Material der Fassung zu schließen. Eine aus hartem Material (Holz, Bein oder Geweih) rieb allgemein auch die Werkzeugoberfläche ab (Taf. 10.1, 3), während eine aus weichem Material (Leder, Textil) sie eher zum Glänzen brachte. Die Existenz einer Fassung unterstreicht auch eine ca. 2-3 mm breite und ebenso tiefe Nut, die üblicher­Der zahlenmäßige Rückgang des geschliffenen Stein­werkzeugs zeigt sich auch in den hochkupferzeitlichen Bestattungen. - B.-KUTZIAN 1972, 329; PATAY 1975,12 Eine weitere Schwierigkeit ist die fotografische (einseitige) Mitteilungsform, die keine typologische Genauigkeit er­möglicht. DOBOSI-HOMOLA 1989, 37-53; ANTONI 1990, 200­226 Die diesbezüglichen Untersuchungen wurden mit bloßem Auge und einer Lupe vorgenommen.

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