Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)

4. Das Fundmaterial - 4.3. Steinfunde

weise im schneidennahen Abschnitt zu sehen ist, genau an der Stelle, wo die Fassung endete. Aus ihrer Tiefe ist zu schließen, daß sie von einem außerordent­lich starken und elastischen Bindematerial (Rute oder Sehne) stammt (Taf. 10.1-4). 142 Die bisher behandelten Spuren weisen jedoch ausschließlich auf die Verwendung der Fassung, nicht aber auf die ganze Schaffung hin. Ob also das Werkzeug vom plankonvexen Typ ursprünglich einen Schaft hatte oder nur in der Fassung, als einfaches Handwerkzeug benutzt wurden, kann vorerst - man­gels hölzerner Fassungsreste - nicht festgestellt wer­den. Aufgrund von ethnographischen und archäologi­schen Parallelen ist aber anzunehmen, daß im Kar­patenbecken im Laufe der Urzeit auch die kompli­zierteren Arten der Griffgestaltung bekannt waren. 143 Unter Berücksichtigung von Form, Gewicht und Größe des plankonvexen Werkzeugs bin ich der Mei­nung, daß eine Griffgestaltung nur bei Werkzeug größeren Maßes und Gewichtes vorstellbar ist, wo­gegen bei den kleineren oder durchschnittlich schwe­ren/großen Exemplaren nur die Fassung in Frage kom­men kann. Es gibt aber auch Beispiele dafür, daß man gelegentlich mit plankonvexem Werkzeug auch ohne Fassung gearbeitet hat, denn der Nacken mehrerer Exemplare zeugt von der Verwendung als Schlag­werkzeug (Meißelschlägel) (Taf. 10.3b). 144 Eine andere große Gruppe von Gebrauchsspuren weist auf die Funktion des kupferzeitlichen Werk­zeugs hin. Solche Spuren finden sich an der Mehrheit der untersuchten Stücke, und zwar auf der Schneide und der Unterseite und nur seltener in der Umgebung der Schneide oder am Nacken, als Beweis dessen, daß das meiste Werkzeug alltägliches Arbeitsgerät war. In ihrer Alltagsqualität sind mindestens drei ver­schiedene Funktionen - Meißeln, Schneiden, Hobeln - anzunehmen. 145 Auf Meißelarbeiten weisen am häufigsten die schartigen, abgebrochenen Schneiden (Taf. 10.1, 7) sowie die strichspurähnlichen Abnutzungen, also dichten, linienförmigen, 1-2 mm dicken und ca. 2-3 cm langen Eintiefungen (Taf. 10.2a, 7c) hin. 146 Letztere weisen eindeutig die quer zur Schneide (pa­rallel zur Achse) verlaufende Bewegung nach, also das Meißeln. Spuren vom Meißeln sind an den meis­ten dünnen, geschärften Werkzeugschneiden und -Un­terseiten von Tiszalúc nachzuweisen. 147 Aufgrund der Gebrauchs spuren ist mit Recht auch die Verwendung des plankonvexen Werkzeugs zum Schneiden vorauszusetzen. Vor allem bei der sich ver­breiternden Variante mit konvexer Schneide ist die halbseitig (schräg) abgewetzte Arbeitsschneide zu erkennen (Taf. 10.5), 148 die mit Sicherheit durch das halbseitige Halten des Werkzeugs und seine Be­wegung parallel mit der Schneide (hin und zurück), also bei der Schneidetätigkeit entstanden sein wird. Wie ich meine, kann das plankonvexe Werkzeug nicht nur zum Meißeln, sondern auch zum Hobeln geeignet gewesen sein. Auf Hobelarbeit verweisende Gebrauchs spuren konnten zwar nicht separiert wer­den, aber aus den breiten Schneiden ist zu schließen, daß sowohl die Exemplare mit gerader als auch mit gebogener Schneide zur Schaffung von geschliffenen und gehobelten (ebenen) Flächen gedient haben kön­nen. (Das Hobeln verlangt eine recht ähnliche Werkzeughaltung und Bewegung wie das Meißeln, deshalb entstanden wahrscheinlich bei beiden Ar­beitsvorgängen ähnliche oder identische Gebrauchs­spuren.) Einige Forscher sprechen dem einseitig geschärf­ten, plankonvex gestalteten Werkzeug auch die Funk­tion von Axt und Keil zu. 149 Ich halte diese Feststel­lung jedoch nicht für zutreffend, da sie sich weder durch die Werkzeugform noch die Schneidengestal­tung, aber auch nicht durch Gebrauchsspuren 150 belegen läßt. Dechsel. Der Typ ist eine besondere Variante der Schaftlochäxte. Man kann sie auch als Hohlaxt oder hackenförmiges Beil bezeichnen. Von ihr wurde nur ein Exemplar in der Siedlung gefunden. 151 Es hat fast regelmäßige Ziegelform, an der eine quer zum Stiel stehende Schneide geschaffen wurde. Die obere (äußere) Seite ist leicht konvex, die untere (innere) leicht konkav, und sie enden in einer beidseitig geschärften, gebogenen Schneide. Der Nacken ist re­lativ schmal, konvex und ziegeiförmig. Die Dechsel 142 143 144 Inv.-Nr. 80.3.221, 86.11.216, 89.2.768, 89.4.323 usw. ANTONI 1990, 50-51, 77-78, 123, 200 Inv.-Nr. 86.11.216, 86.12.497, 89.2.768, 96.1.44 145 Antoni spricht mit Bemfung auf ethnographische und sons­tige archäologische Beobachtungen dem plankonvexen Werkzeug ebenfalls mehrere Funktionen zu. - ANTONI 1990, 81-83,200-227 146 Derartige Spuren konnten auch am plankonvexen Werk­zeug anderer Fundorte nachgewiesen werden.-ANTONI 1990, 203; S TARNINI 1996, Fig. 120.2. ORAVECZ 2001, 8; Abb. 11,13 147 148 149 150 151 Siehe noch Inv.-Nr. 96.1.44, 89.4.323, 80.3.341, 83.35.537, 86.11.216, 86.12.497, 87.5.536, 88.7.1011, 89.2.768, 89.4.513, 96.1.44 Siehe noch Inv.-Nr. 80.3.221, 89. 323, 89.513 ANTONI 1990,123-125, Abb. 19-21; HORVÁTH T. 2001,98 Zu dieser Folgerung brachte mich die Untersuchung von mehreren hundert Exemplaren. Inv.-Nr. 87.5.252

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