Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)

4. Das Fundmaterial - 4.3. Steinfunde

Klinge hatte man eine doppelte Bohrspitze gebildet (Taf. 7.10). Die andere Gruppe wurde aus schmalen Kernrän­dern mit gebogenem oder mehrfach gerundetem Kör­per gefertigt (Taf. 7.9). Es gibt auch hier Beispiele für die Ausbildung von Doppelbohrspitzen (Taf. 8.5) und für Griffgestaltung (Taf. 8.6-7). Messer. Bei ihnen sind zwei Typengruppen festzu­stellen: Die eine wurde aus einer breiten, gebogenen, langen Klinge gefertigt. Interessant an ihr ist, daß in Richtung des distalen Endes, etwa beim ersten Drittel der Länge, eine asymmetrische Eintiefung zu sehen ist (Taf. 7.11). Im übrigen ist das distale Ende abgeschrägt oder mit winzigen Retuschen schräg abgestumpft. Die andere Typengruppe entstand aus kürzeren schmalen Klingen (Taf. 7.12-15). Ihr distales Ende ist ebenfalls abgeschrägt oder schräg gebogen abge­stumpft. Die Basis ist gleichfalls abgeschrägt oder mit Retuschierung griff artig schmaler gearbeitet. Das eine Exemplar erinnert an die paläolithischen Messer mit abgestumpftem Rücken (Taf. 7.12). Nur in dieser Typengruppe war die Ausbildung einer Pfriem­meißelschneide am distalen Ende (Taf. 7.15) zu beo­bachten. Säg en.Die technologische Grundform dieses Werkzeugtyps sind Klinge und klingenartiger Splitter. Eines der charakteristischsten Exemplare ist aus einer großen Klinge mit schrägem Ende gefertigt (Taf. 8.11). Auch auf kleineren Klingen bzw. klin­genartigen Splittern mit gekapptem Ende (Taf. 7.13) gibt es längere oder kürzere sägeartig gearbeitete Schneiden. Auch auf den Sägen kann es mittels Spaltung (Taf. 8.12) bzw. Nutung (Taf. 8.13) gestaltete Griffe geben. Obsidianwerkzeug Beim aus Obsidian hergestellten Werkzeug finden sich dieselben Typen: Kratzen, Schaber, Bohrer, Hobel, Sägen und Messer. Kratzer. Die meisten Exemplare wurden - wie beim Silex- und Hydroquarzitwerkzeug - ebenfalls aus Splittern gefertigt. Es finden sich halbrunde Split­terkratzer (Taf. 9.3), solche mit seitlicher Schneide (Taf. 9.1-2), fächerförmige und auch eckige Kratzer. Bei den Klingenkratzern kommen nur die am proxi­malen Ende schrägen, wahrscheinlich als Schneiden­einsatz verwendeten vor. Es wurden auch Kratzer aus Kerntabletten gefertigt. 137 Da bei der kupferzeitlichen Werkzeugherstellung grund­sätzlich die technologischen und formalen Traditionen der früheren Perioden zur Geltung kommen, wird in den Kreis des Erbes der Hunyadi halom-Kultur nur das Stein­Schaber. Sie kommen auf Splittern (Taf. 9.7-8) bzw. Kernauffrischungssplittern (Taf. 9.4) und Kern­rändern (Taf. 9.5) vor. Bohrer. Ihre technologische Basis sind Splitter, klingenartiger Splitter, Klinge und Kernrand (Taf. 9.14). Hobel. Wie die früher behandelten Hobel aus an­derem Material wurden auch die aus Obsidian auf der Grundform von Kernstück bzw. Kemrest verfertigt (Taf. 9.15). Sägen. Ihre Grundformen sind Klinge und klingen­förmiger Splitter (Taf. 9.11-13). Messer. Ihre technologische Grundform ist die Khnge (Taf. 9.10). Wie die Silexmesser kommt auch hier die am distalen Ende geschaffene Pfriem­meißelschneide vor (Taf. 9.6). Bei den Obsidianen gibt es noch Mikroklingen, unbearbeitete klingenartige Splitter, Absplisse und als Schneideneinsatz verwendete Klingenfragmente. Die Oberfläche der Mikroklingen ist teilweise rindig, ihre Schneide gezackt, und auf der Rückseite haben sie Sichelglanz (Taf. 9.16-18). Das häufige Vorkommen des letzteren weist darauf hin, daß die Funktion des Obsidianwerkzeugs eine andere war als die der aus Silex und Hydroquarzit, vielleicht wurde es bei Tätigkeiten in der Pflanzenproduktion eingesetzt. 4.3.2. Geschliffenes Steinwerkzeug (Hargita Oravecz) Im Fundmaterial der kupferzeitlichen Siedlung 137 befinden sich insgesamt 46 (22 intakte und 24 frag­mentarische) St. geschliffenen Werkzeugs. Unter Berücksichtigung mehrerer Faktoren - z. B. der Aus­dehnung der Siedlung und ihrer vollständigen Freilegung oder der relativen Nähe der Rohmateri­alvorkommen bzw. des Reichtums an sonstigem Werkzeug und Gegenstandsmaterial, sei es des gespal­tenen Steinwerkzeugs oder auch der Keramik - muß man sagen, daß ihre Zahl außerordentlich gering ist. Der Hauptgrund dafür kann sein, daß die späteren ­noch Steinwerkzeug benutzenden - kupfer- bzw. bronzezeitlichen Bewohner (praktischerweise) das hochkupferzeitliche Werkzeug gesammelt und wie­derverwendet haben. Es läßt sich auch nicht ausschließen, daß das in dieser Periode in größeren Mengen auftauchende Kupferwerkzeug (Meißel, Beil, Messer, Pfriem) die traditionell scheinenden ("aus der Mode gekommenen") und weniger wirk­werkzeug einbezogen, von dem es entweder entsprechende Analogien gibt oder das aus authentischer hochkupfer­zeitlicher Fundumgebung stammt und sich also nicht mit Werkzeug früherer oder späterer Zeiten verwechseln läßt.

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