Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)

2. Die Siedlung - 2.5. Herde

nur das Volk der Hunyadi halom-Kultur niedergelas­sen hatte, stammten nicht alle Gruben aus der Hoch­kupferzeit. So fanden sich 22 frühbronzezeitliche Gruben (20 ergaben Funde der Makó- und zwei der Nyírség-Kultur), 90 in Grube 295/A und 297/A fand sich Alföld-Linienbandkeramik 91 und in Grube 466/A scheibengedrehte skythische. Und der große Gruben­komplex 381/D schließlich ist aufgrund seiner Funde wahrscheinlich spätkupferzeitlich. Dies allerdings macht nur einen unwesentlichen Anteil aller freigelegten Gruben aus. Die meisten der hochkupferzeitlichen Gruben ha­ben 0,8-2,5 m Durchmesser, also eine Ausdehnung von 0,5-5 m 2 und eine runde (oder ungefähr runde) Öffnung. Es gibt aber auch unregelmäßige, 10-30 und selten sogar bis 40-50 m 2 große und ausnahmsweise noch größere Grubenkomplexe. 92 Die Tiefe der runden Gruben betrug von der heu­tigen Oberfläche 40-150 cm, zumeist 75-100 cm, eine reicht aber auch bis 200 cm hinab (Grube 355/B). Andere wiederum erreichten nicht einmal die heutige Oberfläche des Untergrundes (z. B. in Segment 129 und 140; nur eine Muschelschalenschicht in ca. 30 cm Tiefe deutet ihre einstige Existenz an). Einige Gruben waren bienenkorbförmig gestaltet, an der Sohle also größer als an der Öffnung (z. B. Gmbe 189/A, 231/C, 320/A, 466/A). Ihre Sohle war eben oder leicht mul­denförmig, die größeren waren aber oft ungleichmäßig. Die Grubenkomplexe entstanden entweder durch unsystematische Erweiterung einer Grube oder durch Verbindung mehrerer, zu verschiedenen Zeiten, aber nahe beieinander angelegter einfacher Gruben. Demzufolge waren die Öffnungen unregelmäßig, und ihre Sohle gliederte sich noch in mehrere unter­schiedlich tiefe Mulden oder Bänke. Mit wenigen Ausnahmen reichten ihre tiefsten Teile bis unter 125 cm, einer bis 210 cm (369/A) und einer bis 230 cm (274/A). Die großen Grubenkomplexe dienten mit Sicher­heit der Lehmgewinnung für die Gebäudewände. Wir hatten errechnet, daß für den Bau eines normalen Hauses ca. 15-20-25 m 3 gebraucht wurden (s. S. 48), je nachdem, für wie groß das Haus geschätzt wurde, wie dick die Wände waren und ob sie aus massivem Lehm oder lehmbeworfenem Flechtwerk bestanden. 93 Diese Menge konnte sogar aus einem einzigen Kom­plex gewonnen werden, selbst wenn man den hu­mushaltigen Obergrund nicht verwendete. 94 Natürlich konnten auch kleinere Gruben der Lehmgewinnung gedient haben, eventuell auch zu anderen Zwecken, z. B. zur Keramikherstellung. Die kleineren Gruben konnten auch Vörratsgruben gewesen sein, obwohl es dazu keine konkreten Anga­ben gibt (in keiner Grube fanden sich Getreidekörner). Wie in anderen Siedlungen wurden auch hier die Gruben schließlich mit Abfällen gefüllt, und zwar ganz bewußt, wie die Eintragungen in 45 Fällen im Grabungstagebuch beweisen, wonach in ihnen "viele", "sehr viele", "massenweise" Muschelschalen (Unio s.) lagen, regelmäßig in Schichten bis zu 8-10 cm Dicke (z. B. Grube 303/A, 305/A usw.). 95 Natürlich bildeten Gefäßfragmente und Tierknochen bzw. deren Bruchstücke die Masse des Abfalls. Es gab auch kupferzeitliche Gruben außerhalb der Umzäunung (z. B. 427/A, 428/A, 469/A), darunter auch größere Komplexe (305/A, 328/A), ja manche wurden sogar vom Umzäunungsgraben durchschnitten (303/A = 394/A, 459/A). Das beweist, daß das Volk der Hunyadi halom-Kultur sich bereits vor Er­richtung der Umzäunung am Fundort niedergelassen hatte. Einige durchbrannte Lehmklumpen, wahrschein­lich Bruchstücke entsorgter Herdplatten, wurden gleichfalls gefunden, in Gruben mit Funden der Hu­nyadi halom-Kultur (9/D, 37/A, 165/B, 462/A), aber diese waren vermutlich als Abfall hineingelangt. Am Boden der nur 85 cm tiefen Grube 286/A befand sich eine zuhammenhängende gebrannte Schicht, die keine gestampfte Herdplatte war. Um sie herum lagen ver­brannte Menschenknochen. 2.5. HERDE In der Mitte der Siedlung, im Segment 168, d. h. in der 22 m 2 großen Grube 168/A mit unebener Sohle SZATHMÁRI 1999,67 ORAVECZ 1997 Beipielsweise Grubenkomplex 238/A 69 m 2 , 313/A 67 m 2 Siehe Kap. Gebäude (S. 46) Zum Beweis dessen errechneten wir den Rauminhalt an Lehm einiger Grubenkomplexe, wobei wir den durch­schnittlich 50 cm dicken Obergrund von der gemessenen Tiefe abzogen: Komplex 159/A ca. 9 m 2 Fläche ca. 5,5 m 3 Raum 93/A ca. 12 m 2 Fläche ca. 9,5 m 2 Raum 124/A ca. 21 m 2 Fläche ca. 11 m 3 Raum 102/A ca. 22 m 2 Fläche ca. 13 m 3 Raum 283/A ca. 22 m 2 Fläche ca. 19 m 3 Raum 224/A ca. 22 m 2 Fläche ca. 22 m 3 Raum 264/A ca. 30 m 2 Fläche ca. 22 m 3 Raum Eine Muschelschicht fand sich auch in der frühbronze­zeitlichen Grube 299/A. Möglicherweise stammen also manche, reichlich Muscheln und sonst nichts enthaltende Gruben aus der frühen Bronzezeit.

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