Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)

2. Die Siedlung - 2.4. Gruben

Bekanntlich dienten Häuser mit Pfostenskelett-, Lehm- oder Lehmflechtwänden seit dem Neolithikum fast kontinuierlich als Wohnung. Dennoch wissen wir über die unmittelbaren Vorläufer und die Analogien der Häuser von Tiszalúc im Karpatenbecken wenig. Die kurzen Berichte über die übrigen Siedlungsfund­orte der Hunyadi halom-Kultur erwähnen keine Ge­bäude, einzig in Baranda-Trnovaca greda im Banat "bestanden an der Oberfläche angelegte Wohnob­jekte" - wie Brukner schreibt, ohne aber ihren Charak­ter anzugeben. 80 Von der Bodrogkeresztúr-Kultur ken­nen wir kaum einige Siedlungsfundorte, an denen aber keine ein größeres Gebiet umfassende Ausgrabungen erfolgten, bei denen Häuser erkennbar geworden wären. Einzig von der Tiszapolgár-Kultur gibt es An­gaben über Häuser. Im Kurzbericht über die Ausgrabung von 1974 in der teilartigen Siedlung Mágori domb von Vésztő er­wähnt der Ausgräber: "In der 80 cm dicken kupfer­zeitlichen Siedlungsschicht wurde ein Eckendetail eines Heckenwandhauses mit Stampflehm-Fußboden freigelegt, mit zwei Herdflecken auf dem Fuß­boden." 81 Ebenfalls Spuren von Häusern mit viereckigem Grundriß wurden in Crna Bara im Banat, im Teil Prkos gefunden, aber die Spuren waren ungeeignet, den Charakter der Gebäude genauer ken­nenzulernen. Dabei wird aber erwähnt, daß ihre Wände "Fundamentgräbchen" hatten. 82 Außer den Teil-Siedlungen - die folglich auch in der frühen Kupferzeit in der Tiefebene noch existier­ten - gibt es Angaben über einstige Gebäude aus den Einschichtsiedlungen der Tiszapolgár-Kultur. Das Fundament eines Pfostenskeletthauses zeichnete sich im ostslowakischen Tibava ab, im Bereich des dort freigelegten Gräberfeldes. 83 Mit seinem annähernd rechteckigen Grundriß ähnelt es etwas denen von Tiszalúc. Ein wesentlicher Unterschied ist aber, daß das Tibavaer Haus nur aus einem Raum besteht, wenn nicht die Pfostenspur im nördlichen Drittel der Längs­achse die Stelle einer Trennwand angibt. Seine Länge (11 m) entspricht dem Maß der Tiszalúcer Häuser, aber es ist wesentlich schmaler (4,5 m) als sie. (Es gibt auch in Tiszacúc schmalere als 5 m, aber deren Länge erreicht ebenfalls nicht 10 m - Haus 22, 28 und Ge­bäude K). Auch der Pfostenabstand ist größer (ca. 1,4 m) als in Tiszalúc, und in der N-Querwand standen nur fünf Pfosten, 84 was in Tiszalúc nur bei drei Häusern vorkommt (s. S. 44). Doch auch in Tibava verwendete man 20-45 cm große Pfosten, für die man nicht größere Gruben aushob (wie z. B. in der neolithischen Siedlung von Zengővárkony 85 ), sondern die wie in Tiszalúc in den Boden getrieben wurden. Im übrigen weist die Querwand mit fünf Pfosten ebenfalls auf eine Satteldachkonstruktion hin. In Tibava entdeckte man genau am O-Rand der freigelegten Gebietes ebenso Spuren von fünf 20-30 cm großen Pfosten. 86 Sehr wahrscheinlich sind sie die Reste der S-Querwand eines zweiten, ca. 5,5 m breiten Hauses. Den Grundriß eines kleinen Pfostenskeletthauses von 5,10-5,35 x 4-4,25 m legte Zsolt Csalog in Ken­deres-Kulis frei. 87 Die Pfostenspuren waren aufgrund der Grabungskarte recht groß, bis zu 50 cm. Eine an­nähernd gleiche Größe konnte in Tiszalúc auch bei richtiger Interpretation der lückenhaften Pfos­tenspuren nur einmal realisiert werden (Gebäude J). Außerdem sind auf der Karte weitere vier voneinander weiter entfernt (ca. 2,30, 1,80 und 1,20 m), aber in einer Reihe stehende Pfostenspuren zu sehen, die Kutzián als zu einem anderen, größeren (über 5,7 m) Haus gehörig bezeichnet. 88 Die ebenfalls von Zsolt Csalog in Kenderes-Telek­halom auf einem ca. 5 x 10 m großen freigelegten Ge­biet gefundenen Pfostenspuren bezeichnete Kutzián als zum einen Ende eines NO-SW orientierten Hauses gehörig. 89 Die hiesige Pfostenentfernung (zwischen 1,80 und 2,60 m) unterscheidet sich sehr von den Ge­bäuden in Tiszalúc. Wenn auch die Zahl der Angaben gering ist, läßt sich aus ihnen feststellen, daß Häuser mit Pfostenske­lett-, Lehm- oder Lehmflechtwänden im Laufe der Kupferzeit eine Tradition in der Tiefebene hatten, aber die in Tiszalúc beobachteten Zweiraumhäuser mit fast normiertem Grundriß von anderswo bisher nicht bekannt sind. 2.4. GRUBEN Unzählbar waren die im Siedlungsgebiet überall be­findlichen einstigen Gruben, die bis in den Untergrund eingetieft waren. Da sich aber an dem Fundort nicht BRUKNER 1982,91 HEGEDŰS 1975, 32-33 GARASANIN-GARASANIN 1957, 201, 217 SISKA 1964, 294, Abb. 1 "C Objekt" Aufgrund der Grabungskarte hat die Linie der S-Querwand auch fünf Pfostenspuren bei gleicher Länge wie die nördliche, aber die Linie der die O-Längswand bedeutenden Pfostenspuren stößt erst auf Nr. 4 (von W aus gerechnet). Aufgrund dessen sind die Längswände nicht parallel; der Grundriß wird nach S schmaler, und Pfosten 5 der S-Wand hegt außerhalb des Hauses. DOMBAY 1960, Abb. 17 SISKA 1964, 294, Abb. 1 "A Objekt" B.-KUTZIAN 1972, 165, Abb. 31 Ebd. B.-KUTZIÄN 1972, 166, Abb. 32

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