Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)

Beilagen - 3. Pfostenspuren der Hausgrundrisse

In Anbetracht der bisherigen Ausführungen kann die Zahl der gleichzeitig in der Siedlung existierenden Gebäude nicht höher als 26 gewesen sein. 78 Was die Funktion der Gebäude betrifft, sind die zweiräumigen als Häuser, als Wohnung der kleineren Gemeinschaften - Familien - in der Siedlung zu be­trachten. Ihr zweiteiliger Charakter ist aus dem Grun­driß nicht zu erklären, doch läßt sich zweifelsfrei fest­stellen, daß die Häuser konsequent und bewußt in zwei verschieden große Räume geteilt wurden, die demgemäß unterschiedlicher Bestimmung waren. Aufgrund von ethnographischen Beispielen könnte daran gedacht werden, daß der eine der Wohnraum der Familie war und im anderen die Haustiere gehalten wurden, selbst wenn das Haus nur einen Eingang hatte. Wenn allerdings unsere Meinung zutrifft, daß der Eingang nur eine relativ schmale, höchstens 80-100 cm breite Tür war, ist es nicht wahrscheinlich, daß im einen Raum der Gebäude Rinder untergebracht waren, sondern höchstens Schafe, Ziegen und Schwei­ne. Nach Zeugnis der Tierknochenfunde bildete aber gerade die Rinderhaltung das Rückgrat der Tierhal­tung. Andererseits gab es in der Siedlung keinen von Häusern freien, abgesonderten Bereich, der der Auf­nahme von Rindern gedient haben könnte. Eventuell könnte man das zu seiner Zeit 79 recht einsam ste­hende, systemwidrig orientierte Haus 24 für einen Stall halten, besonders wenn es wirklich aus einem Raum bestand. Aus demselben Grund kann aber auch daran gedacht werden, daß dieses Gebäude das für die Sied­lungen primitiver Völker charakteristische Gemein­schaftshaus gewesen sein kann. (Falls es allerdings in zwei Räume geteilt war - wovon keine Spuren gefun­den wurden -, dann war auch dieses ein Wohnhaus.) Für die Funktion des quer zu den Häusern orientier­ten Hauses 19 und des Gebäudes L sowie der quadra­tischen Gebäude 31 und J lieferte die Grabung keine Angaben. Vielleicht waren sie Wirtschaftsgebäude oder Lager, wie sicher auch die Hütte 3a. Nicht nur die Umzäunung, sondern auch der Haus­bau verlangte große Mengen von Holz. Legen wir die Angaben über Haus 1 zugrunde: Die Längswände ent­hielten 30-32 Pfosten, deren Minimallänge auf 2,50 m geschätzt werden kann, wovon durchschnittlich 0,70 m in den Boden eingetieft wurden (s. S. 44) und 1,80 m in der oberirdischen Wand standen. Ihre durchschnittliche Dicke betrug - aufgrund der Spuren - 0,21 m. Demnach machte ein Pfosten 0,087 Festme­ter und 30 machten ca. 2,600 Festmeter aus. Das Dachwerk enthielt ebenso viele Sparren mit einer Länge bei ca. 35° Dachneigung von schätzungsweise 4 m und einem durchschnittlichen Minimaldurch­messer von 12 cm. Ein Sparren entspricht also 0,045, 30 Sparren entsprechen ca. 1,350 Festmetern Holz. In den Querwänden und der Trennwand standen weitere sechs Stück 3,25 m-, sechs Stück 4,50 m- und drei Stück 5,25 m-Pfosten, die zusammen ca. 57 laufende Meter ausmachten und durchschnittlich 26 cm Durchmesser hatten, was grob 3,5 Festmetern ent­spricht. Das waren insgesamt 7,450 Festmeter Holz. Berücksichtigt man noch die Stützpfosten und even­tuellen Pfetten sowie das Holz für die Tür, so wurden beim Bau des Hauses mit Sicherheit ca. 7,5 Festmeter Holz verwendet. Oben wurde mit 75 Pfosten bzw. Dachsparren gerechnet. Wahrscheinlich mußten dafür nicht ebenso viele Bäume gefallt werden, weil es Bäume gab, die zu zwei 2,50 m-Pfosten oder zu einem solchen Pfosten und einem 4 m-Sparren geschnitten werden konnten. Es gab aber auch Häuser, in deren Längswänden nur 12-13 Pfosten standen, so daß nur 63-67 Pfosten bzw. Sparren eingebaut wurden. Aber selbst wenn zum Bau eines Hauses nur 50 Bäume gefällt werden mußten und nur mit dem Bau von etwa nur 20 und nicht 26 Häusern zu einer Zeit gerechnet wird, bedeutet auch dies das Fällen von 1000 Bäumen. Natürlich konnte für die Renovierungen und den Neubau von Häusern statt der alten das Fällen bis zu 1000 weiterer Bäume erforderlich werden. Wie schon gesagt, mußten die Wände der Häuser aus Lehm bestehen. Den grub man in der Siedlung selbst, was die zahllosen einstigen Gruben beweisen. In diesem Fall sei von einem durchschnittlich großen, 11,5 m langen und 5,8 m breiten Haus ausgegangen. Die Länge der Wände (einschließlich der Trennwand) beträgt 40,4 m. Auch hier eine Höhe von 1,80 m zugrunde gelegt - wie bei den Pfosten - sind das 72 m*. Aber die Querwände reichten sicher in Form des 5,8 x 2,25 m großen Dreieckes bis an den Dach­first hinauf, was weitere 13 m 2 ausmacht. Selbst bei der Annahme, daß die Wände nicht dicker als 25 cm waren, waren zum Aufbau dieses Hauese 21 m 3 Erde (Lehm) erforderlich, bei anderen Hausgrößen selbstverständlich entsprechend andere Mengen, die zwischen 15 und 25 m 3 variieren konnten. In den Vorberichten wurde die Maximalzahl der Gebäude nur mit 20-22 angegeben. Das beruhte allerdings nur auf Schätzungen und nicht auf der detaillierten Auswertung der Grabungskarte. Haus 24 konnte nicht in der gesamten Zeit der Siedlung gestanden haben, da sein Fundament das recht lückenhafte des Gebäudes E schneidet.

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