Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)

Beilagen - 3. Pfostenspuren der Hausgrundrisse

gleichen Prinzipien errichtet wurden. Sie waren oberirdische Gebäude. Da aber das Gebiet des Fund­ortes seit weit über 100 Jahren Ackerfeld war, 75 ließ sich von vornherein ausschließen, daß das einstige Gehniveau, der Fußboden der Häuser, gefunden wer­den konnte. Die wand verstärkenden Pfosten zeugen davon, daß die Wände senkrecht standen. Ihre Höhe kann nur geschätzt werden: Die Längswände reichten mit Sicherheit bis 180 cm über der Oberfläche. Die Pfostenzwischenräume waren vermutlich mit ein­fachen Lehmwänden ausgefüllt (Spuren von Lehmflechtwänden wurden nicht gefunden 76 ). Das Material dafür wurde vor Ort erzeugt (s. 50). Den Grundrissen nach hatten die Gebäude ein ein­faches Zeltdach (selbst die quadratischen Gebäude 31 und J). Die das Dach tragenden Dachsparren lagen sicher auf je einem Holzpfosten auf. Ihre Länge kann bei einem ca. 35° geneigten Dach um 4 m betragen ha­ben. Um ihr Umkippen zu verhindern, waren sie sicher mit schräggestellten Pfetten verbunden. Vielleicht hatte die Dachkonstruktion auch eine Firstpfette. Für die Dachdeckung verwendete man vermutlich Schilf, das nicht nur im Sarkad-Bach ne­ben der Siedlung, sondern auch im nur 650 m entfern­ten Überschwemmungsgebiet der Theiß reichlich wachsen mochte. Wie gesagt, war der Durchmesser der Pfos­tenspuren der Querwände größer als die der Längs­wände. Sie stammten also von stärkeren Pfosten, die bis zur Dachdeckung hinaufreichten und das Dreieck unter den äußersten Sparren ausfüllten. Das wird auch dadurch belegt, daß die Pfostenzahl der Querwände immer ungerade war (sieben, selten fünf bzw. neun); der mittlere stützte die Firstpfette. In vielen Fällen findet sich neben den Pfos­tenspuren der Längswände, diese berührend (z. B. Haus 18) oder in unterschiedlichem Abstand (10-40 cm) eine weitere Pfostenspur, mehrfach auch neben den Eckpfosten (Haus 1 W-Wand, Haus 11 drei Ecken, Haus 22 W-Wand). Diese konnten von Ver­stärkungs- oder Stützpfosten stammen. Aber wir ha­ben keine Angaben darüber, ob sie schon beim Bau des Hauses oder erst später eingesetzt wurden, als die Wände schon unter der Zeit gelitten hatten, anläßlich einer Renovierung. Die Tatsache, daß sie sich in vielen Fällen symmetrisch bei beiden Längswänden finden, macht eher den ersteren Fall wahrscheinlich. 77 Der Grundriß der meisten Gebäude ist ein re­gelmäßiges Parallelogramm, d. h., die Wände sind gerade und die gegenüberliegenden parallel. Eine Ausnahme bildet Haus 25, dessen Längs wände nach O leicht auseinanderstreben. Die Läng s wände von Haus 11, 12 und 25 verengen sich im Bereich des O­Raumes bogig. Anscheinend hatte Haus 3 an der NO­Ecke einen Traufenanbau, denn dort springt es im Grundriß 2,2 - 0,8 m vor. Im kleineren O-Raum von Haus 10, 20 und 27 fanden sich etwas nördlich von der Mittellinie 3-^4 schwächere Pfostenspuren. Falls sie zum Haus gehörten, trennten sie einen 2-2,5 m breiten Teil vom Raum ab. Zwar fehlt selbst bei den vollständigsten Grundris­sen (Haus 1, 20) je eine Pfostenspur in der Reihe, doch halten wir es nicht für wahrscheinlich, daß sich an die­sen Stellen die Tür des Hauses befand. Die Lücken be­finden sich nämlich nicht konsequent zwischen etwa denselben Pfosten der Wand. Unwahrscheinlich ist auch, daß sich das Tor des Hauses gerade in der N­Wand befunden haben soll (Haus 1). Läßt man diese Lücken unberücksichtigt, so können die Häuser keine weiten Tore gehabt haben, sondern nur relativ enge Türen. Sie werden sicher schmal gewesen sein, denn die Pfostenabstände erreichen selten 100 cm. Am wahrscheinlichsten ist, daß sich die Tür in der O­Wand befand, denn diese lag in Richtung des an der NO-Seite der Siedlung befindlichen - leider aber wegen der abgetragenen Oberfläche nicht mehr erkennbaren - Haupteinganges. Die Grundrisse einiger Häuser zeugen von kleine­ren oder größeren Reparaturen und Erneuerungen. Am offensichtlichsten trifft dies auf Haus 5 zu, dessen W­Wand durch eine neue ersetzt wurde. Dort zeichneten sich nämlich ausgehend vom SW-Eckpfosten zwei leicht divergierende Pfostenspurreihen ab, von denen - aufgrund des Farbunterschiedes der Füllerde - die äußere die erneuerte ist. Vermutlich wurde die N­Wand (oder nur ihr W-Ende) ebenfalls umgebaut, denn die erneuerte N-Wand war 20 cm länger als die für ursprünglich gehaltene. In der S-Wand fanden sich keine Spuren von Reparaturen. Vermutlich wurde auch Haus 29 einer größeren Umgestaltung unterzo­gen. In seinem Inneren gibt es nämlich Spuren zweier Trennwände im Abstand von 80-110 cm (von einer Pfostenmitte zur anderen). Auffallend ist auch die große Zahl der Stützpfosten. Bei Haus 22 wurde die Nach Aussagen Ansässiger wurde es vor dem Zweiten Weltkrieg sogar mit dem Dampfpflug - also bis zu 30 cm tief - bearbeitet. Die in einigen Fällen gefundenen durchgebrannten Stroh­lehmklumpen können von Häusern anderer Perioden des Fundortes oder auch von Öfen stammen. Beispielsweise Haus 1 bei Längswandpfosten 1 und 4, Haus 7 bei Pfosten 4, Haus 18 bei Pfosten 4, Haus 22 bei Pfosten 1 (also Eckpfosten), Haus 29 bei Pfosten 4, 5 und 9.

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