Kovács Tibor (szerk.): Neuere Daten zur Siedlungsgeschichte und Chronologie der Kupferzeit des Karpatenbeckens (Inventaria Praehistorica Hungariae 7; Budapest, 1995)
Nándor Kalicz: Die Balaton-Lasinja-Kultur in der Kupferzeit Südost- und Mitteleuropas
(Abb. 3. 1-2, 6-7, 9, 13, 15). 34 Der heutige Zustand der Keramikoberflächen ist jeweils durch die Lagerungsbedingungen im Boden bestimmt. Durch dessen ungünstige Einwirkung ist die ursprüngliche Oberfläche in den meisten Fällen zerfressen und nur selten, unter günstigen Umständen, bleibt die ursprüngliche Oberfläche erhalten. Manche Formen, Verzierungstechniken und -muster der Balaton-Lasinja-Keramik sind so fremd, daß man den Ursprung dieser Keramik aufgrund der auffallenden Parallelen im Kreis der Kulturen Vinca, Krivodol, Säleuta und Bubanj-Hum la suchen kann, wo sie vorherrschend sind und eine tief in das Neolithikum zurückreichende Tradition haben. 35 Es hatte den Anschein, daß sich der deutliche Unterschied zwischen der Lengyel- und der Balaton-LasinjaKultur allein aus den Gegebenheiten einer lokalen Entwicklung nicht erklären lassen. Das zeigte sich nicht nur in der Verschiedenheit der materiellen Kultur, sondern auch in verschiedenen Abweichungen des Siedlungswesens. 36 Auch deshalb habe ich an Migrationen gedacht, deren Ausgangspunkte auf dem Gebiete der erwähnten Kulturen hätten liegen müssen, so daß diese Kulturen erloschen oder eine radikale Veränderung mitmachten, während Elemente ihrer materiellen Kultur in der Balaton-Lasinja-Kultur weiterlebten. 37 Das war mein früherer, vermeintlich fester Standpunkt, der durch die neuen Ergebnisse der südwesttransdanubischen Forschung der Lengyel-Kultur eine gewisse Abänderung und eine Akzentverschiebung erfuhr. Etwas eingehender sind die Vorstellungen zu behandeln, die sich aus der Untersuchung der spätesten Phase der Lengyel-Kultur ergeben. Unserem Wissen um die Balaton-Lasinja-Kultur war die Entdeckung der den vermuteten chronologischen Hiatus zum Teil ausfüllenden III. Phase der Lengyel-Kultur vorausgegangen. 38 Ohne die Berechtigung dieser Auffassung zu bestreiten und sie akzeptierend, blieb aber immer noch eine als unausgefüllt empfundene Zeitspanne zwischen der III. Phase der Lengyel-Kultur und der Balaton-Lasinja-Kultur 39 Darum hat sich meine Meinung in Bezug auf die Herkunft auch weiterhin nicht geändert. In den letzten Jahren erhielten wir nacheinander Informationen über die neuesten Ausgrabungs34 Kalicz (1973) Abb. 1. 5, Abb. 2. 1-9. Abb. 4. 1-5, Abb. 5. 1-3. 5. 7: Kalicz ( 1975) Taf. 9. 2. Taf. 10. 1 -3. 6-12. Taf. 11. 1-2.4. 6-7. 9-10; Kahcz (199 la) Abb. 3. l-5.7.Abb. 4. 2-14.Abb. 5. 1-12. Abb. 6. 4. 33 Kalicz (1980) 250-256; Kalicz (1982a) 5-6. 16-17; Kalicz (198788) 13. 15; Kalicz (1991a) Anm. 5. mit ausführlicher Literatur. 34 Kahcz (1973) 133-134; Kahcz (1980) 249-251; Kahcz (1982a) 5. 16; Kalicz (1987-88) 11-14; Kahcz (1991a) 356, Anm. 7-8. 37 Kahcz (1987-88) 1 1-14; Kahcz (1991) 361; Kahcz (1992) 318-319; Roman (1971 ) 128-133: Roman (1983) 115-120. erklärt die großen Veränderungen mit dem Erscheinen oder der Entstehung der Cemavoda I-Kultur; Todorova (1981a) 203-216. erklärt die radikale Veränderung mit der sog. "Steppeninvasion". 38 Raczky (1974) 185-210 39 Kahcz (1982a) 11. Anm. 55. 40 Horváth (1984) 7-25; Simon (1987) 7-46; Bánffy (1992) 308-312; Károlyi (1992). 41 Kahcz (1991a) 350-355, Abb. 2. 42 Kahcz (1991a) Abb. 2. 12. 14-15. 21 ; Károlyi (1992) Taf 11. 8-10, Taf. 25. 5. Taf. 26. 12-14. 43 Späte Lengyel: Kahcz (1991a) Abb. 2. 3; Károlyi (1992) Taf 14. 2-6. Tai: 16. 1, Taf. 25. 9; Balaton-Lasinja-Kultur: Kahcz (1973) Abb. ergebnisse, die unsere Kenntnisse über die späteste Phase der Lengyel-Kultur wesentlich korrigierten. Es konnte ein Fundmaterial abgesondert werden, das den noch angenommenen Hiatus vollkommen ausfüllte. 40 Aufgrund der ersten Angaben datierte ich die früher als Lengyel III bekannte Phase in die Unterphase lila, die neuerdings bekannt gewordenen spätesten Funde in die Unterphase Illb. 41 Dadurch veränderte sich das Verhältnis der spätesten Stufe der Lengyel-Kultur zur Balaton-Lasinja-Kultur grundlegend. Die Frage ist, ob wir auch weiterhin darauf bestehen können, daß zwischen den beiden Kulturen ein fundamentaler Unterschied besteht, wo doch ein chronologischer Berührungspunkt zwischen ihnen Zustandekommen ist. Darum wollen wir - hier und jetzt nur kurz ihre ähnlichen und abweichenden Züge untersuchen. In erster Linie kann man sich auf die Keramik stützen. In der Phase Lengyel Illb sind die verschiedenen doppelkonischen Schüsseln häufig geworden, 42 die in abweichenden Formen auch die Leittypen der BalatonLasinja-Kultur bilden. Die Unterschiede sind so bedeutend, daß nur die Schüsselform der Phase Lengyel Illb als Vorläufer in Betracht kommen könnte. In beiden Zeitspannen ist bei dem vorstehend erwähnten Schüsseltypus das unter dem Rand befindliche Ausgußtülle heimisch. 43 Es ist dies vielleicht die stärkste Ähnlichkeit, fast Identität zwischen der Keramik der beiden Kulturen. Auffallend ist aber, daß es in der lokalen klassischen Lengyel-Keramik keinen Vorläufer von ihnen gibt. Ihr Ursprung ist südlich des Gebietes der Lengyel-Kultur zu suchen und zu finden. Auf dem riesigen Balkangebiet kommen solche Formen in der Zeit vor der Balaton-Lasinja-Kultur vor. 44 Einige Einzelheiten der Keramik, wie z.B. die Schnabelhenkel und die Tonlöffel, die auch in der Balaton-LasinjaKultur ziemlich häufig sind, können als Lengyel-Tradition aufgefaßt werden. 45 Amphoren und faßförmige Gefäße waren in der Zeit vor der Balaton-Lasinja-Kultur im Karpatenbecken und auf dem Balkan in mehreren Kulturen allgemein verbreitet. Die Vorgeschichte ihrer Herstellung läßt sich weder einem Gebiet, noch einer bestimmten Kultur zuweisen. Die Amphoren mit Knopfhenkeln sind eine balkanische Eigentümlichkeit, die bis Bulgarien verfolgbar ist 46 In der Lengyel-Kultur I. 3. 5; Kalicz (1991a) Abb. 5. 7. Abb. 8. 1-11; Lengyel oder Balaton-Lasinja: J. Korosec (1960) Taf. 13. 10. Taf. 16. 2. Taf. 17. 2. 5: P. Korosec (1975) Taf. 5. 4. Taf. 6. 8; Panic (1973) Taf 6. 2. Reihe; Pahic (1983) Taf. 11. 1.3-4. Bik(mische Schüsseln, manchmal mit Ausguß. Amphoren mit Knopfhenkeln: Kahcz (1991a) 355. Anm. 5: Fiala et al. (1895-98) Bd. 1. Abb. 20-21. Abb. 34. Taf. 4. 10. 12; Bd. II. Abb. 26; Vasic (1936) Bd. IV. Abb. 18; Milojaé (1949) Taf. 31. 10. Taf. 32. 3-4. Taf. 3.3. 8: Berciu (1961 ) Abb. 85. 15. Abb. 86. 8. Abb. 90. 4. Abb 91. 3. Abb. 96. 1-7. Abb. 98. 1. Abb. 106. 2. Abb. 107. 10. Abb. 108. 1.9. Abb. 110. I.Abb. 113. 1.4; Roman ( 1 971 ) Abb. 2. 1-2. Abb. 6. mit den meisten Keramiken, Abb. 7. 1. 3; Nikolov (1984) Abb. 54: Coehadziev (1984) Abb. 16. 1, 5; Renfrew et al. (1986) Abb. 12.2. 1-4. Abb. 12.5. 5, 12.13,4-5; Benac ( 1961 ) Taf. 8. 7. Tai". II. 4, Tal". 13. 4; Covic (1961) Abb. 12. Taf. 12. 2; Lazarovici (1979) Tai: 27B; Detev (1954) Abb. 41. Abb. 52. Kahcz(1973) 161. Kahcz (1975) Taf. 14. 1-4; Kahcz (1991a) Abb. 9. 1-3. 6-9; Vasic (1936) Bd. IV, Abb. 76. 155; Berciu (1961) Abb. 98. 1; Bmkuei (1968) Taf. 5. 7; Coehadziev (1984) Abb. 19. 18; Mikov (1948) Abb. 19. Reihe 4-6. Abb. 35; Nikolov (1984) Abb. 32, rechts 61; Dumitrescu (1980) Taf. 42. 8; Detev (1948) Abb. 52