Kovács Tibor (szerk.): Neuere Daten zur Siedlungsgeschichte und Chronologie der Kupferzeit des Karpatenbeckens (Inventaria Praehistorica Hungariae 7; Budapest, 1995)
Nándor Kalicz: Die Balaton-Lasinja-Kultur in der Kupferzeit Südost- und Mitteleuropas
gibt es solche nicht. Dagegen sind die noch in der Lengyel Illb allgemeinen und bestimmenden kleinen halbkugelförmigen Knubben in der Balaton-LasinjaKultur unbekannt. Die wichtigste Eigentümlichkeit der Balaton-Lasinja-Keramik liegt in der Verzierung. Die bereits erwähnte Kannelur und Riefelung gelten als Hauptmerkmale, etwas seltener ist die Graphitierung, 47 und das alles ist der unmittelbar vorausgegangenen Lengyel-Keramik fremd. Die quantitative und qualitative Analyse der Keramik zeigt weitere bedeutsame Unterschiede. Es scheint, daß zur Zeit der spätesten Lengyel-Phase der Oxydationsbrand allgemein angewendet wurde (rötliche außenseitige Gefäßoberflächen kommen am häufigsten vor), während für die BalatonLasima-Keramik (hauptsächlich für die Feinkeramik) der Reduktionsbrand mit allgemein dunkler Farbe kennzeichnend ist. Auch die Zusammensetzung der Keramik ist weitgehend verschieden. In der sog. Grobkeramik von Lengyel Illb ist grobkörnige Magerung allgemein. Für die Balaton-Lasinja ist dies nicht typisch. Einen schwerwiegenden Unterschied bedeutet auch die Tatsache, daß die Herstellung der im Leben der Lengyel-Kultur von den Anfängen bis zum Ende verwendeten typischen Kultgegenstände zur Zeit der Balaton-Lasinja-Kultur überhaupt nicht fortgesetzt wurde. Obwohl der früher angenommene Hiatus zwischen den beiden Kulturen aufgehoben werden konnte, und zahlreiche Charakteristika der Keramik schon zur Zeit der Lengyel-Kultur auftraten, also sich das auch bereits früher anerkannte, aber für bescheiden gehaltene keramische Weiterleben als viel stärker erwies, wurde auf dem Gebiet der Balaton-Lasinja-Kultur das Problem des Ursprungs doch nicht gelöst. Wenn man auch den auf Migrationen unbekannter Natur und unbekannten Ausmaßes zurückgeführten Kulturwechsel auf einfachere Diffusion allgemeinen Inhalts modifiziert, die Rolle der lokalen Faktoren bedeutend erhöht, ist das Problem im Wesentlichen doch nicht gelöst, weil die Erklärung mit einfacher Übergangsentwicklung nicht ausreichend ist. Der Vorgang war viel komplizierter. Manche Kollegen leugnen hinsichtlich der auf die Lengyel-Kultur folgenden einschneidenden Veränderungen die von mir aufgeworfenen Migrationsgedanken, 48 auf denen ich selbst auch nicht bestehe, wenn man sie mit entsprechenden Argumenten widerlegen oder ersetzen kann. So leugnet z. B. E. Ruttkay den durch fremde Faktoren verursachten Kulturwechsel, indem sie den Einfluß des von ihr SälcutaKreis genannten großen Komplexes anerkennt, dem aber im Vergleich zum Faktor der lokalen Übergangsentwicklung nur untergeordnete Bedeutung beimißt. ' Kalic/ ( 19751 Taf. 9. 2. Taf. 10. 1 -7 usw. 18 Markovic (1985) 27-34: Parzinger (1984) 30-39; Kuttkay (1991) 175-170. 19 Kuttkay (1991) 159-161. Boguar-Kutzian (1973) 300-316; Vulpe (1975) Abb. 1; Todorova (1981b) Tal'. 37: Patay (1984) Taf. 69. M Komain 1971) 129-132: Todorova (1981a) 203-216. ' 2 Roman (1983) 115-120; Todorova (1981a) 212; Todorova (1986) 221-235 1 ( iai asanin-Sinioska ( 1976) 29-31 M Kalicz (1991a) 361: Kalicz (1992) 331: Garasamn-Sunoska (1976) lai. 1 1-3. Tal'. 3. 1 1-13. Tai: 4. 14-16. Tat'. 8. 29. Sie akzeptiert aber noch die mit dem Metallhandel zusammenhängende indirekte Wirkung. 49 Allerdings nimmt die Forschung für die Entstehung und Verbreitung der für die Zeit unserer Kultur bezeichnenden kreuzschneidigen Kupferäxte vom Typ Jäszladäny nicht den Balkan an, sondern betrachtet als Zentrum der Entstehung und Verbreitung die östliche Hälfte des Karpatenbeckens, von wo sie unter anderem auch auf den Balkan gelangt sind. M) Dadurch wird also das Erscheinen der Keramik von balkanischem Typ in der Balaton-Lasinja-Kultur nicht erklärt. Zur Zeit der mehrmals zitierten Entstehung der Cernavoda I-Kultur in der Umgebung des Donaudeltas 51 sind auf weiten Gebieten Bulgariens neue Kulturen entstanden, die in ihrem Milieu fremd zu sein scheinen. 52 In Mazedonien kann die Suplevec-Bakarno Gumno-Kultur überwiegend der Cernavoda I-Kultur parallel gesetzt werden, 53 daher indirekt auch der Balaton-Lasinja-Kultur, mit der sie trotz der großen Entfernung viele typologische Parallelen verbinden. 54 Wie in der Bubanj-Hum Ia-Kultur sind auch in der Keramik der Suplevec-Bakarno Gumno-Kultur Merkmale der Krivodol-Sälcuta-Kerarmk erhalten, z. B. in geringem Maße auch die Graphitmalerei. 55 Ähnliche Beobachtungen machte man auch in Ostserbien. >G Wesentliche Frage ist, was sich nach der KnvodolSälcuta III-Kultur, zur Zeit der Kulturen BalatonLasinja, Bodrogkeresztúr A, Ludanice, Jordansmühl (Jordanöw), Münchshöfen, Cernavoda I usw., in den großen Gebieten des Nord- und Mittelbalkans ereignet hat bzw. welche Kulturen und Gruppen sich mit dieser Phase parallel setzen lassen. Vorläufig ist die Beantwortung dieser Frage noch ziemlich schwierig. Vielleicht entspricht das Fundmaterial ohne Graphitmalerei der ostserbischen Krivodol-Sälcuta-Kultur, und eine eventuell weiterlebende Stufe Bubanj-Hum Ia der Phase zwischen Krivodol-Sälcuta III und der scheibenhenkelbestimmten Stufe Säleuta IV, ist also Bodrogkeresztúr A- und Balaton-Lasinja-Kultur parallel. 57 Als indirekt parallel können die ältere Etappe der Rachmani-Kultur (Pevkakia I), Mandalo Ib-II, Maliq IIa gelten. 58 Nebenbei bemerke ich, daß Sitagroi III auf die dem Gegenstand dieses Beitrags, also der Balaton-Lasinja-Kultur vorangegangene Periode datiert werden kann, parallel zu Lengyel III, mit der sie auch durch (entfernte) typologische Parallelen verknüpft ist. 59 Nach dem Zeugnis der Metallurgie können die erwähnten kreuzschneidigen Kupferäxte vom Typ Jäszladäny und die Hammeräxte vom Typ Székely in die behandelte Periode datiert werden. 60 Von den übrigen Metallfunden dürfte das kürzlich in Zalavár gefundene • " Garasaniu-Simoska ( 1976) 29 Vl Tasic (1981) 18-20. " Bognár-Kutzián (1972) 194-209. 279-281; Bognár-Kutzián (1969) 31-60; Bognár-Kutzián (1973) 306-314; Kalicz (1979-80) 43-62; Tasic(1981) 16-20: Roman (1971) 60-63. 82. 117-119; Todorova (1981a) 213. chronologische Tabelle. n Parzinger (1991 ) 359-388: Parzinger (1993) 76-77.164-166; Raczkv (1991) 329-346: Kalicz (1991a) 361; Sherratt (1986) Abb. 13. 3a. chronologische Tabelle. W Evans (1986) 393-428; Sherratt (1986) Abb. 13. 3a. chronologische Tabelle. 60 Bognár-Kutzián (1973) 306-314; Vulpe (1975) Abb. 1; Todorova (1981b) Taf. 37; Patay (1984) Taf. 69.