Korek József: Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend. (Inventaria Praehistorica Hungariae 3; Budapest, 1989)
József KOREK: Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend - 8. Innere Entwicklung, Fragen und Chronologie
Gruppe der Tiszapolgár-Kultur mit einigen Gruben bzw. mit dem bereits abgenutzten Gehniveau bedeckt war. Übrigens ist das Fundmaterial von Kis rét part-Typ — unserer Meinung nach — in diesem Gebiet nicht später entstanden als das Material des Gräberfeldes von Polgár Basa-tanya. Die Kohlenprobe aus der Aufschüttungserde der in der Gemarkung von Dévaványa erschlossenen Gräber bzw. Gruben bestimmte das Berliner Laboratorium mit 3950 + 50 Jahren v.u.Z. 218 Dies isi aber ein früher Zeitpunkt für die Tiszapolgár-Kultur. Auf der Siedlung von Kisköre wurden die Theiß-Objekte zuweilen von den kupferzeitlichen, sarmatischen bzw. arpadenzeitlichen Siedlungen durchschnitten. Die Siedlung von Kisköre beginnt im frühen klassischen Horizont, jedoch erlebte ihre Blütezeit im mittleren Horizont. Die Keramikformen sind in sämtlichen Teilen der Siedlung einheitlich, zeigen charakteristische Eigenartigkeiten. Solche sind die zwei-dreireihigen buckelverzierten Gefäße (Taf. 1:8; 6:3; 12: 10—11). Charakteristisch ist unter den mäanderverzierten Gefäßen die Blumentopfform mit ausladendem Rand (Taf. 1: 2) bzw. am unteren Teil des Blumentopfes der in einem Trennungsfeld untergebrachte winzige Buckel (Taf. 10:15). Die örtliche Werkstattpraxis dürfte an der Blumentopfform die den Rand verzierenden Buckel (Taf. 5:3) ausgebildet haben. Es erscheint auch eine entschiedene Szümeg- und Szakálllát-Ornamentik mit einer eckig eingebogenen, eingedrückten, plastischen Verzierung (Taf. 8:15), mit senkrechten Rippen (Taf. 9:6-9) und Punktverzierungen (Taf. 7:5). Auf der Keramik gibt es viele Bemalungen. Von diesen hebt sich eine vorausgesetzte Menschendarstellung hervor (Taf. 15:9), die mit dem aus der unteren Schicht von Szegvár zum Vorschein gekommenen Exemplar übereinstimmt. Am häufigsten kommt die schwarze Bemalung mit breitem Streifen vor (Taf. 5:9, 8:6—7). Wichtig zu sein scheint ein Wandfragment, auf welchem aus einem breit bemalten Kreis gestreifte Strahlen ausgehen (Taf. 14: 18). Ein Motiv von ähnlicher Lösung kam auch aus der unteren Schicht von Szegvár ans Tageslicht. Aus den Bemalungen kann man darauf schließen, daß in diesem zusammenhängenden Gebiet der Siedlung von Kisköre das Objekt der Fläche 51 ganz bestimmt in die frühe Periode zu datieren ist, wo zwei Gruben ineinandergeschnitten waren. Aufgrund der Funde ist die Grube B die ältere. Ob dies eine Nachgrabung oder Erweiterung ist, kann nicht entschieden werden, jedoch ist das letztere am wahrscheinlichsten. Jedenfalls kann der Zeitunterschied zwischen den Objekten A und B nicht bedeutend sein. Ähnlich ist die Lage mit dem in der Fläche 55 gefundenen sog. Webhaus, das wir ebenfalls in die frühe Periode datieren. Auch in der Fläche 17 waren zwei Wohngruben ineinander geschnitten, die aus einer Erweiterung stammen und in die frühe Periode der Siedlung gehören. Dieses Gebiet wurde schon aufgelassen, als man die Gräber 7 und 8 eingegraben hat. Es kann für sicher angenommen werden, daß die übrigen Objekte dieses Siedlungsteües in das zweite Horizont der Theiß-Kultur gehören. Aus der spätesten Zeit stammen die in der Fläche 56 und 57 der Siedlung befindlichen zwei Gruben, wo wir eine schwarze Bemalung nicht mehr antreffen, die eingeritzte Mäanderverzierung ist allgemein, die frühe Nachlassenschaft der Buckelreihenzierde und die Keramik bereits verblaßt. In dem zwischen den zwei Gebieten liegenden Teil mit Arbeitsgruben konnte nur eine Sondierung durchgeführt werden (x-Fläche). Die auch hier zum Vorschein gekommene Grube gehört schon zur späten Periode. Es hat den Anschein, daß das Volk der Theiß-Kultur im N-Teil des Hügels die Siedlung begonnen hat und allmählich nach S vorgedrungen ist, wo sich auch schon das Volk der Alföld-Linearkeramik niedergelassen hat. Die Grube der Alföld-Linearkeramik wurde in der Fläche 56 von der Grube der Theiß-Kultur durchgeschnitten, aus der der Gußklumpen aus Kupfer zum Vorschein kam. Schade, daß dieser unvollständige Fundort nicht früher erschlossen wurde, da es vor 1962 noch möglich gewesen wäre, in dem schmalen Streifen vom Gebiet einen ganzen Querschnitt zu gewinnen, der zumindest in der Relation der horizontalen Stratigraphie die Verbreitungsrichtung der Siedlung eindeutig beweisen hätte können. Insoweit sich aus der Keramik der Zeitunterschied abzeichnet, was noch nicht eine Unterbrechung der Siedlung bedeuten konnte, kann in solchem Maße in den Bestattungen die Kontinuierliclikeit nicht nachgewiesen werden. In meiner nicht erschienenen Dissertation habe ich entschieden behauptet, daß die 4 Hockergräber der Bestattung (10-12, 22) mit den übrigen gestreckten Bestattungen nicht gleichaltrig sind. Diese Gräber schrieb ich dem Volk der Alföld-Linearkeramik zu, jedoch besteht die Wahrscheinlichkeit, daß wir in ihnen die ersten Bewohner der frühen Siedlung vermuten können, schon wegen ihrem geschlossenen Anlegen innerhalb des Gräberfeldes. Die spätere Laboruntersuchung von I. Lengyel bekräftigte, daß die oben erwähnten Gräber nicht zu den übrigen Gräbern des Gräberfeldes gehören, sondern älter sind. Die Tatsache, daß er die Bestattungsweise und meine Voraussetzung nicht gekannt hat, macht meine frühere Feststellung eindeutig. Die gestreckten Bestattungen sind hingegen gleichaltrig, zeigen einen gleichen Beigabentyp und ein sehr reiches Schmuckm ate rial, was auch zahlreiche Daten zur Tracht der Theiß-Kultur liefert. Auch in diesem gibt es eine Verbindung mit den südlichen Gebieten, da der Schmuck auch dort im zweiten Horizont erscheint u. zw. in der Form des Kalksteines, der Muschelperle und des Armringes, selbst die Kupferperle ist vorhanden, die in Kisköre nicht angetroffen wurde. Wir sehen die gleiche Haartracht, die die durchbohrten Knochenstäbchen anzeigen (Grab 37). Mehrere Exemplare kamen in Szegvár 219 zum Vorschein, deren Gebrauch J. Csalog enträtselte. Die hochgradige Übereinstimmung in den Beigaben weist darauf hin, daß das Gräberfeld nicht lange Zeit belegt worden sein dürfte, höchstens 3 Generationen in sich birgt, wie ich dies in meiner Dissertation erwähnt habe, also keine längere Zeitspanne als 100 Jahre beträgt. Es ist möglich, daß in dieser Frage I. Lengyel der Wirklichkeit näher gekommen ist, der das