Korek József: Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend. (Inventaria Praehistorica Hungariae 3; Budapest, 1989)

József KOREK: Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend - 8. Innere Entwicklung, Fragen und Chronologie

auswertbare Skelettmaterial auf die Zeitspanne einer einzigen Generation setzt. Dies löst das Problem der Gleichheit der Beigaben, hingegen weist die Tatsache, daß die Hälfte der Spondylus-Muscheln mit Durch­bohrung befestigt wurde auf einen längeren Gebrauch hin und dies zeigt die Vererbung innerhalb der Famüie an. Von den übrigen Fundorten kann Kenézlő-Szérűs­kert gewertet werden, obwohl es zum Auseinander­halten der Fundkomplexe nicht gekommen ist. Das von I. Kiss mitgeteilte Material kann in die mittlere Phase der Theiß-Kultur eingereiht werden und zeigt die meisten Verbindungen mit den südlichen Gebieten. In den Keramikformen steht es der zweiten Phase der Siedlung von Kökény domb am nächsten. Die Forschung der Theiß-Kultur in Gang setzenden Funde von Bodrogkeresztur-Kutyasor können nicht gewertet werden. Wie gesehen, beobachtete F. Tompa 1927 zwei Schichten, wo die Theiß-Kultur von der Kupferzeit bedeckt war. Von den wenigen eingeholten Funden ist das publizierte Material ziemlich atypisch. P. Patay fand anläßlich seiner Kontrollausgrabung bloß Funde von Theiß-Charakter vor, die mit dem zweiten Horizont von Kisköre gleich sind, die zwei erschlossenen gestreckten Bestattungen bekräftigen sogar ihre Einremung in ein und dasselbe Horizont. Die übrigen Fundorte können nicht gewertet werden, denn z.B. ist Mád mit zwei Scherben vertreten, dem Fund von Munkács ähnlich, oder Tokaj mit einem einzigen Gefäß, das wir nur bedingterweise zu den Theiß-Fundorten reihen können. Ein größeres Fundmaterial kam in Zemplén (Zemplin) zum Vorschein, wo sich eine ähnliche Lage ergab, wie in Kisköre. Ein Teil dieses Materials ist früh­zeitig, der größere Teü gehört in die klassische Phase. Die problematischste Frage war das selbständige Vorhandensein der Kultur im Theiß-Ab schnitt von Csongrád-Szolnok. Das Problem wurde von der stets zunehmenden Bedeutung der Szakálhát-Kultur noch mehr kompliziert, mit der sich Gy. Goldman mit der Mitteilung des Fundortes von Battonya-Gödrösök eingehend befaßte. 220 Es wurde auch bisher nie in Frage gestellt, daß die Wurzeln der Theiß-Kultur in der Szakálhát-Kultur zu suchen sind und die Entstehung der Theiß-Kultur das Ergebnis eines inneren Prozesses ist, der von verschiedenen Impulsen ausgebildet wurde. Diese Frage klärte die Ausgrabung von Öcsöd. 221 Das Erscheinen der Theiß-Kultur in der Oberen Theißgegend brachte F. Tompa mit der sog. dritten Stufe der Bükk-Kultur in Zusammenhang. Die hiesigen Denkmäler repräsentieren - wie wir bereits wissen ­nicht das Ende der Bükk-Kultur, sondern das Fund­material der den Beginn der Bükk-Kultur gebenden Tiszadob-Gruppe. 222 J. Csalog, der die Ableitung der Theiß-Kultur aus der Bükk-Kultur nicht akzeptierte, verkündete das Nebeneinanderleben der beiden Kul­turen und bewies ihre Gleichaltrigkeit. Heute ist uns schon bekannt, daß das von J. Csalog für die Denk­mäler der Theiß-Kultur vermutete Fundmaterial mit den Denkmälern der Szakáihát -Kultur gleich ist. J. Csalog befaßte sich wiederholt mit der Ursprungsfrage der Theiß-Kultur und bezeichnete die Mittlere Theiß­gegend, als Entstehungswiege der Theiß-Kultur, von wo sie dann nach Süden vorgedrungen ist. 223 Diese Auf­fassung wurde von den ungarischen Fachmännern nicht angenommen und sie suchen das Stammgebiet der Ent­stehung der Kultur in den südlich von den Körösflüssen liegenden Gebieten. Die neueren Daten beweisen dies eindeutig. In Kenntnis all dieser müßte man den Weg der in die Mittlere und Nördliche Theißgegend gelan­genden Theiß-Kultur mit der Theiß-Linie angeben. Im Gegensatz hierzu — wie wir gesehen haben — er­scheinen vom nördlichen Teil des Tiszazug (Mündungs­gebiet zwischen der Theiß und des Körösflusses) bis Kisköre im wesentlichen nur die Fundorte der Szakál­hát-Kultur mit Ausnahme von Szolnok, wo in der obersten Schicht die völlig entwickelte Theiß-Kultur bereits zugegen ist. Es kann nicht bezweifelt werden, daß die Kultur sich nach der Mittleren und Nordöstlichen Theißgegend von Süden her verbreitet hat. Die Verbreitung dürfte in zwei Linien vor sich gegangen sein. Entweder der Theiß entlang, in diesem Fall kann es mit der mangelhaften Forschung erklärt werden, daß wir im Abschnitt von Szolnok und Kisköre kein klassisches Theiß-Material gefunden haben. Der andere Weg führte an der Berettyó, durch den die Theiß-Kultur nach der Oberen Theiß­gegend gelangte. Hierzu kam es — wie wir es bereits gesehen haben — schon in der Frühphase der Theiß­Kultur, da ja die entwickelte Keramik der Siedlung von Szerencs-Taktaföldvár bzw. die Keramik von Tisza­luc-Vályogos im engsten Zusammenhang mit der unteren Schicht von Szegvár bzw. mit der Schicht IV von Öcsöd A steht.

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