Korek József: Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend. (Inventaria Praehistorica Hungariae 3; Budapest, 1989)

József KOREK: Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend - 8. Innere Entwicklung, Fragen und Chronologie

8. INNERE ENTWICKLUNG, FRAGE DER CHRONOLOGIE Die Meinungen betreffs der Herkunft der Theiß­Kultur werden - wie wir sehen — oft modifiziert. Heute wird eindeutig angenommen, daß die Wurzeln zur Szakál­hát-Kultur führen bzw. daß die örtlichen Nuancen von der Nachlassenschaft der im Gebiet gelebten Kulturen ausgebildet wurden. 182 Ein grundlegend anderes Bild zeigt der Charakter der Theiß-Kultur im Süden und Süd­osten, wo auch die Tellsiedlungen charakteristisch sind. Es tritt eine solche Konzentration auf, daß die Teils als Gemeinschaftszentren fast die Schwelle der Zivilisation erreichen. Um diese liegen die kleineren Siedlungen, zeit­weiligen flachen Quartiere ohne Schichten bzw. einzelnen Meinungen nach die Zentren bedienenden Siedlun­gen. 183 Für die südlichen Gebiete ist auch typisch, daß die Szakálhát-Kultur eine solche Grundlage bildet, aus der sich durch eine innere Entwicklung die Theiß-Kultur ausgestaltet, ohne daß man mit einer Volksbewegung rechnen müßte. Eine andere Lage finden wir in Mittel-bzw. Nord­ungarn. Bis zur Linie von Tiszaszőlős, Tiszaigar und Tiszanaha können wir noch die Fundorte der Szakálhát­Kultur antreffen, nicht mehr so dicht wie in den südhch von den Körösflüssen liegenden Gebieten, nördlich da­von beherrschte die Szakálhát-Kultur nicht mehr das Land entlang der Theiß, es fehlen ihre selbständigen Siedlungen, doch ihr Einfluß kann in der materiellen und geistigen Kultur der das Gebiet in Besitz haltenden Szilmeg-Gruppe nachgewiesen werden. In der Gegend nördlich von Szolnok und der Schnellen Körös endet die mittelneolithische Entwicklung mit den späten Gruppen der Alföld-Linearkeramik, mit der Szilmeg-Gruppe. N. Kalicz und J. Makkay reihen auch die Szakálhát­Gruppe hierher, was chronologisch richtig ist, jedoch genetisch auch mehrere Zweifel erweckt. 184 Wegen den wenigen bearbeiteten Fundorten sind auch in der Beur­teüung der Szilmeg-Gruppe noch viele offene Fragen. Die Funde des namengebenden Fundortes sind unver­öffentlicht, 185 das wenige einheimische und slowakische erschlossene Quellenmaterial zur Mikroanalyse nicht ge­eignet. 186 In dieses Zeitalter gehört die bemalte Kera­mik von Esztár, 187 gleichzeitig bietet das von M. Máté eingeholte Material wichtige Daten zur Erkennung der Esztár-Gruppe. 188 Nach Makkay betont auch die trans­silvanische Keramik von Typ Lumea Noa einen engen Zusammenhang mit der Esztár-Gruppe. 189 Das späte Neoüthikum bildet in diesem Gebiet das Quellenmaterial der Theiß-, Herpály- und Csőszhalom­Kultur, im nördlichen Teü des Donau-Theiß-Zwischen­stromgebietes ist sogar in der Hochebene von Gödöllő auch die Lengyel-Kultur vertreten. 190 Untersuchen wir die im mittleren und nordöstlichen Teil des Stammge­bietes der Theiß-Kultur bekannten Fundorte, so sehen wir, daß ihre Zahl verhältnismäßig gering ist, und sie knüpfen sich eng an die Theißlinie bzw. an die Mün­dungsgebiete der Nebenflüsse an, dies läßt sich nur zum Teü auf das Fehlen der Forschung zurückführen. Nördlich von der Körös-Mündung beginnt die klassische Form der selbständigen Siedlungen der Kultur, die von Szolnok-Tűzköves, Kisköre, Poroszló-Ráboly­puszta, Tisza örvény, Paszab, Bodrogkeresztúr-Kutyasor, Szerencs-Taktaföldvár, Tiszaluc-Vályogos, Mád, Kenézlő­Fazekaszug und Zemplén vertreten sind. Ähnliche sind in einer viel geringeren Menge auch auf dem Hortobágy und in anderen Gegenden im nördlichen Teü jenseits der Theiß anzutreffen (Nádudvar-Farkaslóré, Zsáka). An­fangs waren sie selbständige Fundorte der Theiß-Kultur hier, dann wurde das erwähnte Gebiet von der Herpály­Kultur (mit der Csőszhalom-Gruppe gemeinsam) besetzt und hier kann schon die von anderen Gegenden stam­mende Theiß-Keramik als Importware gewertet wer­den. 191 Während für die Gruppe von Herpály-Csőszhalom die teilartige Siedlung charakteristisch ist, mit ihrer sehr großen territorialen Konzentration, sind die Siedlungen der Theiß-Kultur in der Nördlichen Theißgegend aus­schließlich emschichtig. Hier weicht die Form und Technik der Häuser in bedeutendem Maße von denen der südlichen Gebiete ab. Viel stärker kommen die Einwir­kungen der Alföld-Linearkeramik im Fall der Wohn­gruben zur Geltung. Die Häuser mit Pfostenkonstruk­tion bewahren allgemeine mittel- und südosteuropäische Eigenartigkeiten. Der Unterschied in der Siedlungsform ergibt sich auch aus dem Wirtschaftscharakter, da ja der Ackerbau in diesem Gebiet - den bisherigen Daten nach — eine etwas untergeordnetere Rolle spielt, 192 hingegen kann infolge der statistisch nicht auswertbaren geringen Menge des Quellenmaterials nur vorausgesetzt werden, daß der Haltung von Kleinsäugetieren den Bodenverhältnissen entsprechend eine viel größere Rolle zugefallen haben dürfte. Infolge der verhältnismäßig wenigen Erschließungen blieben vor allem in bezug auf die innere Entwicklung, das Erscheinen der Kultur im Norden viele Fragen offen. Daraus folgt, daß ihre Paralle­lisierung mit den südlichen Siedlungen nur ein Versuch sein kann. In diesem Gebiet gibt zum Nachweis der Chrono­logie ausschließhch die Keramik einen gewissen Anhalts­punkt. Hier treten die Formtraditionen der Linearkera­mik besser hervor. Hier genügt nur, wenn wir auf die halbkugeligen mit Ausguß versehenen Gefäße hinweisen (Paszab, Kenézlő), deren unmittelbare Vorläufer wir in den Gefäßen der Linearkeramik mit Ausgußrohr er-

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