Lovag Zsuzsa: Mittelalterliche Bronzgegenstände des Ungarischen Nationalmuseum, (Catalogi Musei Nationalis Hungarici. Seria Archeologica 3; Budapest, 1999)
Katalog - Vortragekreuze und Korpusse
Die waagerechten Balken des Kreuzes verbreitern sich, der untere Balken ist gerade, der obere fehlt. Auf beiden Seiten ringsum laufender, angenagelter, schmaler Rand, vom dem ein großer Teil fehlt. Die Stelle des einstigen Korpus ist durch die Nagellöcher und durch die fehlende Vergoldung gekeimzeichnet. Auf der Rückseite eine eingeritzte Figur, deren Zeichnung - wie die Reste der Feuervergoldung in der Vertiefung anzeigen noch vor der Vergoldung angefertigt wurde. Gerade gehaltener Kopf mit lockigem, kurzem Haar, ohne Schnurrbart und ohne Bart, mit offenen Augen. Die etwas nach oben gerichteten Arme smd mit senkrechten Strichen verziert, die linke Hand reicht bis zum Nagelloch der Handfläche des auf der anderen Seite gewesenen Korpus. Die kurze Tunika ist dinch senkrechte Striche und durch schräge Querstriche gegliedert. Die Beine sind vom oberen Teil des Schenkels an frei, die Füße nach außen gedreht. Über der rechten Hand ist ein gerilltes Rechteck eingeritzt. Neben dem Kopf auf beiden Seiten nachträglich gebohrte Löcher-die vielleicht einer Reparatur dienten-, eine Ecke des unteren Kreuzbalkens ist abgebrochen. Hier sind zwei unter einander liegende Nagelstcllen Spuren der Befestigung m den Stiefel. Unter dem aufgenagelten Rand fehlt die Vergoldung. Die primitive Zeichnung der eingeritzten Figur gemahnt an die gravierten Figuren der Reliquiar-Pektoralkreuze aus dem Heiligen Land. Durch das Museum von einem Kunsthändler erstanden; der Fundort ist angeblich Nagyvárad (Oradea, Rumänien). GEREVICH 1938, 199, Taf. CCXXXI. 3. 52. VORTRAGEKREUZ Abb. 52 a-b Ungarisch, Mitte des 12. Jh. Bronze, gegossen, graviert, vergoldet, mit Schmuckstemverzierung.H: 19,3 cm, B: 14,8 cm Inv. Nr. 1897.71.3. Blechkreuz, vorn ringsum angelöteter erhabener Bandrand mit breitem Schaftdorn. Die Balkenenden laden bogig aus und enden in Kreisschnittform. An der Kreuzung der Balken vier kleine, glatte Steineinfassungen, in drei von ihnen fragmentarisch, in der vierten grünlich-gelber Glasstein. An den Balkenenden je eine größere, ovale Steineinfassung, unvollständig, in kemer von ihnen befindet sich ein Stein. In der Mitte des erhabenen Bandrahmens eine gravierte Lime. Auf dem auf der Rückseite ringsumlaufenden doppelten, gravierten Linienrahmen befinden sich in regelmäßigen Abständen Abbindungen, an den Balkenenden symmetrische Verzierung aus gerippten Ranken und Akanthusblättera. In der Mitte der Rückenplatte zentral aufgebaute, vierblättrige Rosette mit geschlungenem Bandrahmen. Der Korpus fehlt. Die nahverwandte Analogie des Kreuzes ist in Balatonfüred aus einem in der aus dem 12. Jh. stammenden Kirche freigelegten Grabe zum Vorschein gekommen und wurde vom Veröffentlicher auf das 11. Jh. datiert. Die Pflanzendekoration auf der Rückseite begründet aber die Datierung auf die Mitte des 12. Jh Durch das Museum von einem Kunsthändler erstanden, Herkunft unbekannt. ARCH. ÉRT 19. (1899) 146, 340. (nur Abb.); VALTER 1972,225-226, T. XXIIL, 1-2; T. XXVI., 2-3. 53. VORTRAGEKREUZ Abb. 53 a-b Schwäbisch, Mitte des 12. Jh. Bronze, gegossen, graviert, einstige Steineinlage. H: 19,8 cm, B: 24,2 cm Inv. Nr. 57.26.B. Gegossenes Krückenkreuz, das untere und das obere Balkenende sind abgebrochen. An die vier Ecken der Balkenenden, am Schnittpunkt der Balken und an den beiden Seiten des unteren Balkens befinden sich am Rand des Kreuzes ovale und runde Bleche, auf deren grobe, unbearbeitete Oberfläche man einstmals Steine geklebt haben dürfte. In der Mitte der Tafeln an den Balkenenden sind ovale Löcher, in denen sich Bergkristalleinlagen befunden haben dürften. Auf der Vorderseite eine schmale Bandumrandung mit Punkt-KreisVerzicrung. Am Rande der glatten Rückseite ebenfalls eine Punkt-Kreis-Reihe, in der Mitte eine gravierte, mit Zickzacklinien ausgefüllte, sechsarmige Rosette. Der Korpus ist leicht in SFonn gekrümmt, der Kopf fällt auf die rechte Schulter. Die Augen sind geschlossen, das Haar ist in der Mitte gescheitelt und hinters Ohr gekämmt, einige Strähne fallen auf die Brust. Der Korpus trägt einen Schnurrbart und einen in Schnecken angeordneten Bart. Die Arme sind im Ellbogen etwas geknickt, die Finger gestreckt, die Daumen schmiegen sich in die von Nägeln durchbohrten Handteller. Die Brustmuskeln sind plastisch geformt, die Rippen durch geschweifte, gravierte Striche angedeutet. Gürtel und unterer Saum des Lendenschurzes ist gerippt, ober dem Knie ein Band von Ornamenten. In der Mitte ein hochgezogener Knoten, auf den Hüften eine zurückgeschlagene Falte, dichte, herunterhängende Raffung, auf den Schenkeln und unter