RÉVHELYI ELEMÉR: A TATAI MAJOLIKA TÖRTÉNETE / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 8. (Budapest, 1941)

Tartalomjegyzék - INHALTSVERZEICHNIS - VI. Die Gründung der Steingutfabrik Fischers (1824)

-123­denen Pachtzinse, die in die Kasse der Herr­schaft einbezahlt wurden, zeigt am besten den steigenden Umsatz der Fabrik. Die Erfolge der 1830-er Jahre spornten auch Fischers am Orte wohnenden Vetter, Mo­ritz Fischer, den Eigentümer der späteren He­render Fabrik, zu ähnlichen Unternehmungen an, und dieser erwarb in der anderen Zentrale der Esterházyschen Herrschaften, in Pápa, die Pacht der dortigen Steingutfabrik. Die Pacht durfte er aber nur kurze Zeit behalten, denn er war auf gewalttätigem und ungesetzlichem Wege zu ihr gekommen, indem er die Eigen­tümerin der Fabrik, Witwe Matthias Winter, ge­borene Edle Klara von Könczöl, an den Bettel­stab brachte. Moritz Fischer hat, wie die An­klage besagt „in Pápa auf grässliche, haarsträu­bend betrügerische Art und Weise durch seine heimtückischen Handlungen, die er schon ganz gewerbmässig betrieb, den Eigentümer um sein Eigentum gebracht." Aus der Angelegenheit ent­stand ein schwerer Prozess, dei auch vor die königliche Kanzlei kam und dessen schwere Anklagen, dann der Tod der unter seelischen Erregungen niedergebrochenen Wittwe und die Entscheidung des Waisenstuhls Moritz Fischer an seiner Absicht, die Fabrik in Pápa auch in Besitz zu nehmen, verhinderten. 8 Werkmeister des im Jahre 1802 gegründeten Pápaer Betriebs war zu dieser Zeit eben der von Tata hierher­gelangte Stingl. Stingl geriet jetzt mit einem Ver­wandten seines alten Gegners zusammen, der als Pächter ihn zwang, Pápa zu verlassen. Stingl wurde sonderbar vom Schicksal verfolgt ; wo immer er auch erschien, und sich an die Ar­beit machte, geriet er mit irgendeinem Mitglied der Familie Fischer in Streit Die Familie Fi­scher hatte nämlich die grosse Zukunft der ke­ramischen Industrie erkannt und nun suchte sie mit regem geschäftlichen Sinn jene Orte Trans­danubiens für ihre Anlagen aus, wo die Ver­suche von anderen Erfolg versprachen, oder wo sie schon eine gewisse Grundlage vorfand. Der Zufall des Schicksals wollte es, dass sie gerade die Erwerbung jener Betriebe planten und ins Auge fassten, wo Stingl mit seinem technischen Können ein neues Brennverfahren eingeführt hatte. Auch nach seinem neueren Be­tätigungsfeld, nach Herend, reichte Moritz Fi­schers Hand und es gelang ihm, den Herender Porzellan-Betrieb die Gründung Stingls und 8 Aus der künftiger Arbeit des Verfassers. (Die Ge­schichte der Steingutfabrik in Pápa.) Mayers, nachdem er ein Übereinkommen mit den Besitzern der dortigen Kaolinfelder getrof­fen hatte, im Jahre 1839 käuflich zu erwerben. 9 Stingl hat nach alledem, wie es scheint, den Kampf aufgegeben, denn vom weiteren Schicksal seines an Enttäuschungen und Bit­terkeit reichen Lebens haben wir keine Nach­richten. Sein Nachfolger Windschügel führte mit grösserem Glück die Tataer Steingutfabrik, deren Besitzer bis 1867 Moses Aron Fischer war. Die Entwicklung der Fabrik zeigt am be­sten ihre Ausbreitung. 1827 kaufte Fischer ein Haus neben dem Betrieb, und 1831 erwarb er von der Herrschaft die Pacht der Lehmgrube in Agostyán. 1846 kaufte er behufs Erweiterung der Fabrik ein neues Grundstück. 1 0 1851 eröff­nete er am Tataer Marktplatz ein Geschäft zum Verkauf seiner Ware, und kaufte die soge­nannte Kavicsmühle, die er mit einer Schmelz­Brechmaschinerie versah. 1857 nahm er auch das Lehmlager der Csákvárer Töpfer in Pacht, 11 wodurch er das dort blühende alte Töpferge­werbe völlig zugrunde richtete. Aber ein ähn­liches Schicksal ereilte auch das berühmte Ta­taer Töpfergewerbe, denn Fischer stellte neben der Steingutfabrikation auch einfaches zinn­glasiertes Töpfergeschirr mit Blumenmuster her und zwar in sehr grossen Mengen. Der fabriks­mässig hergestellte Massenartikel erschwerte durch seinen niedrigen Preis die Existenz der Töpfer. Die Konkurrenz legte Arbeit und Ge­werbe dieser fleissigen Meister lahm, ihre Brenn­öfen erloschen allmählich und die belebte Töp­fergasse bewahrt heute nur mehr in ihrem Na­men die Erinnerung an das althergebrachte un­garische Handwerk. Heute halten im ganzen nur drei Töpfermeister hier ihre Werkstatt offen, aber ihre Erzeugnisse sind den alten Volksüber­lieferungen ganz und gar untreu geworden. Wie vor 20 Jahren die Majolikafabrik, so wurde jetzt das berühmte Töpfer- und Tuchmachergewerbe des Ortes im Zeichen der Machtgewinnung des grossindustriellen Kapitals aufgerieben. 1 2 Moses Aron Fischer änderte auch — wie sein Verwandter, der Herender Fabrikbesitzer, seinen Vornamen in den 1850-er Jahren auf „Maurus" und leitete gemeinsam mit seinem Sohne Karl die Fabrik. Zur selben Zeit be­9 Ruzicska J.: A herendi porcellán. S. 7., 8. 1 0 Gr. Esterházysches Arch. Contract. (Inv. Nr. 794.) 1 1 Gr. Esterházysches Arch. Regal Büchel. (Inv. Nr. 764.) 1 2 Kring M.: a. a. 0. S. 34.

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