KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
Anhang I
„Tod" sie sind, gesprochen hat, — nach unten kehren und auslöschen. Im Jahre 1939 machte der hochbegabte Direktor des Budapester Nationaltheaters, Dr. Anton Németh, den interessanten Versuch, die „Menschheitstragödie" von Madách für die Kleinbühne des Budapester Kammertheaters aufführbar zu machen. Bühnentechnisch war dieser Versuch eine ganz eigenartige Leistung des grossen ungarischen Regisseurs Denn er liess sämtliche Szenen in derselben Rahmeneinfassung erscheinen 1 und trachtete, den ursprünglichen Charakter des Madách-Dramas als eines Buchdramas zu belassen und zu bewahren. Durch die sehr kunstvollen Bühnenbilder im Hintergrunde wirken die einzelnen Szenen wie die Blätter einer alten, mittelalterlichen Handschrift und das Totentanzartige der einzelnen Szenen wurde dadurch hervorgehoben, dass auf diesen „Bühnen-Miniaturbildern" manche Reminiszenzen aus den mittelalterlichen Totentanzfresken zur Geltung kamen. So z. B. die mit der Sense schwungvoll herfliegende Todesfurie von Pisa, 2 welche gerade am Schluss der römischen Szene, vor der Leiche der an der Pest eines unvorbereiteten Todes gestorbenenHyppia, zu einer ganz hervorragenden Bedeutung gelangte Und die Rolle Luzifers als einer „Everyman-Todesgestalt" wurde nicht nur in der französischen Revolutionsszene hervorgehoben, 3 sondern auch in der „Totentanzfolge" am Schluss der Londoner Szene blieben die „schwarzen Todesgeister" weg und die geisterhaft suggestive Kraft des Sterbevorganges geht vollständig auf die Gestalt Luzifers über. 4 Durch Evas Triumph über Tod und Verwesung, wie er auch in den Petrarca-Triumphen in der Gestalt Lauras gezeichnet wird, fühlt sich hier Luzifer betroffen, 1 vgl. die fünf Bilder auf Tafel LXXXVI. 2 vgl. Tafel LXXXVI. Fig. 1. 3 vgl. ebenda Fig. 4. 4 vgl. ebenda Fig. 3—5. da ihm hier, als der personifizierten „Verwesung," seine Vernichtungspläne durchkreuzt werden. Direktor A. Németh hat in dieser seiner bühnentechnischen Schöpfung ohne Zweifel eine ganz alleinstehende Problemlösung geleistet. Es bleibt mir noch übrig, darauf hinzuweisen, wie interessant in Szeged der nächtliche Tanz der Toten in dem schon besprochenen kunstvollen Mysterienspiele von A. K. Berezeli, „Fekete Mária", „Schwarze Maria", von der talentvollen Tanzgruppe Millos choreographisch gelöst wurde. 6 Die „Toten", halbnackte Männerfiguren, umringen den Lebenden und es entwickelt sich aus den merkwürdigen, modernen Tanzfiguren eine Apotheose der Seele. Die Volkssage von den nächtlich erscheinenden Toten erhielt auch durch die allgemein menschliche Deutbarkeit der Tanzfiguren einen universellen, symbolischen Sinn, der zwar im Stücke selbst nicht auf diese Weise angedeutet wurde, aber zu einer „Jedermann-Wirkung" dieses sehr wertvollen Mysterienspieles wesentlich beigetragen hat. * * * „Wenn am besten steht das Spiel, Ist aufhören das rechte Ziel..." — sagt das Sprichwort. Und nachdem ich die Geschichte der Todes- und Totenmotive bis herauf zu unserer Gegenwart verfolgt hatte und gezeigt habe, wie sich gerade heute auf der Bühne, in der Literatur und Kunst, der „Todestanz" mit dem „Lebenstanz" vermengt, wie „Spiel" und „Leben" gleichwertige Begriffe worden sind, — höre ich „im besten Spiel" mit der Forschung auch der jüngsten Vergangenheit auf, mit erwartungsvoll gespannten Gefühlen, was aus diesem, von der Bühne ins Leben der Gegenwart versetzten „Lebens* und Sterbens-Tanz" in unserer allernächsten Zukunft werden soll . . . 5 vgl. Tafel LXXXVII.