KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

4. Totentanzmotive auf der Bühne Die symbolische Standesreihe der sha­kespearischen Vergänglichkeitsbetrachtung in der Totengräberszene des Hamlet-Dramas wird auf der Bühne zu einer festen Totentanztradition. Die Todes- und Totenmotive auf der Büh­ne können einen gewissen Grad der Symbolik nie vollständig ablegen. Ja, sie erhalten ihre volle Berechtigung auf der Bühne erst gerade durch eine allgemeine Deutbarkeit. In zwei Rich­tungen zeigt sich die Auswirkung dieser Büh­nensymbolik. Entweder wird der Mensch dar­gestellt, wie er sich vom „Leben" verlocken lässt, aber nicht merkt, dass sich hinter diesem „Leben" eigentlich der „Tod" verbirgt, der dann plötzlich seine „Lebensmaske" ablegt und den Überraschten mit seinem Schreckensbilde ver­folgt, oder es erscheint der Tod wie ein Sprung ins Ungewisse, in die Finsternis, in eine uner­gründliche Tiefe. Beide Motivgruppen, so wie sie die zwei ungarischen Künstler der Gegen­wart, Kőrösfői Kriesch Aladár und Stephan Né­csey gelegentlich zum Ausdruck bringen, 1 sind eigentlich nur Varianten eines und desselben „Jedermann-Motivs," das auf der modernen, be­sonders auf der deutschen Bühne fast aus­schliesslich und alleinherrschend mit dem wun­dervollen Jedermann-Spiel Hugo von Hofmanns­thals in Verbindung gebracht wird 2 Und mit Recht erscheint uns das altertümliche Gepräge, eine höchst künstlerische Patina dieses erhabe­nen Stückes als ein Vorbild und Inbegriff aller Bühnenvariationen der Todesmolive. Seitdem das Stück auf der Freilichtbühne in Salzburg sein eigenartiges Leben begann und nunmehr fast auf der ganzen Welt als das Höchste an­erkannt wird, was man auf diesem Gebiete seit den mittelalterlichen Mysterienspielen auf der Bühne überhaupt geleistet hat, lässt sich über dieses Thema nichts sagen, bevor man dieses Stück und zugleich die Freilichtbühne in Salz­burg und das prachtvolle Milieu dieser herrli­chen Stadt nicht erwähnt hat. 3 Es ist ein merk­würdiges Problem, wie „der Tod" meist auf der Bühne, auch heute noch, personifiziert wird. Die mittelalterlichen Mysterienspieler hatten sich die Konturen des Skeletts auf das schwarze Kleid mit weisser Farbe malen oder mit weissem Stoff aufnähen lassen. Und auch die hier mitgeteilte Salzburger Jedermann-Szene, ein wahrhaftiger Höhepunkt Reinhardt'scher Regiekunst, zeigt uns nicht nur die Weise, wie am Gesichte des Todes das Skelettartige markiert wurde, sondern auch wie sich der Tod im Jedermann-Spiel „de­maskiert" und mit dem „Leben" im Gegensatze seines Amtes waltet. Neben diesem Salzburger „Bühnenpro­1 vgl. Taíel LXXX111. 5 vgl. Jedermann. Das Spiel vom Sterben des rei­chen Mannes. Erneuert von Hugo von Hotmannsthal. Ber­lin, Verl. S. Fischer 1926. 3 vgl. Taíel L.XXX1V. Fig. 3-4. blem" lasse ich auch andere Lösungen dersel­ben Aufgabe auf der Tafel LXXXIV und auch auf den nächsten Tafeln folgen. Die beiden Sze­nen aus dem „Höllischen Schauspiel" von Kra­zsinszky 4 und aus dem „ Welttheater" von Cal­deron B können uns überzeugen, dass sich in der höchst kunst- und wertvollen Regie des hochgelehrten Direktors des Budapester Natio­naltheaters, Dr. Anton Németh, die ungarische Theatertechnik an überraschenden Einfällen und künstlerisch wertvollen Lösungen des Problems der Bühnenmässigkeit derartiger Szenen der ausländischen Theaterkunst ebenbürtig erweist. Wie der Gegensatz des lieblichen Gesichtes der Schauspielerin zum abstossenden Bilde des Skelettes nicht nur dem nächtlich erscheinen­den Totengeist des „Mädchens" eine originelle Lebenswahrheit schenkt, sondern auch tief un­bewusst erotisch wirken kann, diese Tatsache kann dem aufrichtigen Beobachter nicht entge­hen. Dass sich dabei, wie einst bei Baidung, die traditionelle Gegenüberstellung des Todes­Skelettes mit dem „schönen Weibe" ohne wei­teres auch im Calderon-Stücke wiederholt, darf uns nicht wundernehmen. Für den Forscher der ungarischen Toten­tanz-Bühnentechnik ist es ein ganz lehrreicher Fall, wie sich unsere über das prachtvolle „Menschheitsdrama" von Madách verkündete Auffassung auch bühnentechnisch bewahrheitet. Auf der Tafel LXXXV veröffentliche ich Pho­tographien über einzelne Szenen der „Tragödie des Menschen", wie sie auf der Freilichtbühne in Szeged eingerichtet werden. Figur 4 stellt uns den Schluss der Miltiades-Szene dar, wo Luzifer in der allgemeinen Rolle des Everyman­Todes auch das mörderische Amt des Todes zum Abschluss einer „Nichtigkeitsvision" aus­übt. Miltiades legt sein Haupt auf den Holz­block, Luzifer erhebt sein Schwert, — das Volk windet sich am Boden vor Entsetzen. . und Lu­zifer ruft dem Todgeweihten zu : Nun mein Held, Erfasst dich nicht ein seltsam Frösten vom kal­ten Hauch der Todesfratze ? Und wenn in die­ser Szene auch gleich darnach der „klassische Todesgenius" erscheint, so ändert dies an der Tatsache wenig, dass eine jede Szene der „Menschheitstragödie" von Madách einen to­tentanzähnlichen Abschluss findet. Vom Stand­punkte der Geschichte der Totentanzmotive aus betrachtet ist auch jene Weise von sehr gros­ser Bedeutung, wie der „Totentanz" am Schluss der Londoner Szene theatertechnisch gelöst wird. Fast überall werden nämlich die Standesvertre­ter des Londoner Marktes von schwarz geklei­deten „Todesgeistern" vor das Tor des „Wel­tengrabes" geführt. Dieselbe Auffassung zeigen die Bilder dieser Szene aus Szeged. Diese „To­desgeister" oder „Todesgenien" halten eine bren­nende Fackel in der Hand, die sie, — nach­dem der betreffende Standesvertreter, dessen 4 Tatet LXXXIV. Fig. 1. 5 ebenda Fig. 2.

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