KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

einer unbekannten Ferne, während rechts ein Soldat in römischer Tracht mit seinen Gesellen die aus der Menge ihm zunächst Stehenden mit Riemenpeitsche, . einer knotigen Geissei, an­treibt und bedroht. Uber der Menge schweben zwei weisse Engel, die personifizierten Gestal­ten des Friedens und der Hoffnung, mit Pal­menzweigen in den Händen. Auch sie fliegen, zwar ohne Flügel, aber mit flatternden Gewän­dern, der Morgendämmerung entgegen. Auf dem mächtigen, altrömischen Triumphwagen, den die Menge zieht, sitzt eine königliche Caesarengestalt. Man würde an einen Attila denken. Goldge­stickte Gewänder, Purpur und ein wundervoller Hermelinmantel verhüllen seine ruhig, in gebie­terischer Haltung dahingestreckte Figur, die Per­sonifikation der „Macht". In der Rechten einen königlichen Zepter haltend und regungslos rich­tet dieser leicht bärtige Mann seinen halb mit Schrecken, halb mit unsicherer Ahnung erfüllten Blick auf die aufgehende Sonne. Vor dem gül­denen Thron, auf welchem er sitzt, brennt im Opferfeuer feines und wohlriechendes Räucher­werk. Ein leichtbläulicher Rauch steigt empor und es scheint, als sollten der Friede und die Hoffnung, die beiden voranfliegenden En­gel, diesem blauen Dunst des Opferfeuers der „Macht" entspringen. Aber aus der mystischen Nebelwolke der Räucherung am Triumphwa­gen steigt auch die blut- und feuerrote Ge­stalt des Todes empor, der mit seinem durch ein rotes Tuch verdeckten, aber gut ausnehm­bar skelettierten Schädelgesicht der Morgen­dämmerung entgegengrinst. Mit seinen mäch­tigen, stark muskulösen Armen und Händen hält er ein grosses Schwert emporgereckt vor sich, das Symbol der Macht des Krieges, der Zerstörung, des Sieges über die Hoffnungsstrah­len der „Freiheit" und in gleicher Weise aber auch über „Sklaverei". Die übrigen Begleiter des Triumphwagens bilden eine sehr seltsame Gesellschaft. Besonders diesem Teil der Kom­position wird Planlosigkeit vorgeworfen, denn es bleibt, wie man angibt, rätselhaft, wo die einzelnen Gestalten stehen, nachdem sie ihrer Positur gemäss eigentlich in der Luft schweben sollten . . . Ich habe es aber schon im Zusam­menhange mit der Weltengrabdarstellung Zi­chy's festzustellen gewagt, dass gerade diese scheinbare „Planlosigkeit" der Komposition ein wesentlicher Zug der allgemein menschlich symbolisierenden Totentanzdichtungsart und -Kunstform ist. Die Begleiter des Triumphwa­gens sind scheinbar Vertreter und „Helfershelfer der Macht" aus den verschiedensten Zeitaltern der Weltgeschichte zusammengetragen. Im Vor­dergrunde schreiten Gestalten der Vertreter der zartesten Menschheitsgefühle : der Kunst, Poe­sie, Musik, des Familienglücks, der weiblichen Würde und Reinheit. In der Nähe des vorderen Rades schreitet ein altrömischer Sänger mit lor­beerbekränztem Haupte und mit einer Lyra in der Hand. Es ist die symbolische Gestalt der Dichtkunst. Diese Mannesfigur, wie auch das neben ihm stehende halbnackte Liebespaar, ein Weib mit Malerpinsel die Malerei verkörperli­chend und ein Jüngling mit Panflöte die Musik personifizierend, schauen mit überirdischer Se­ligkeit in das Lichtmeer der Wundererscheinung der Zukunftssonne. In der Nähe des hinteren Rades des Triumphwagens schreitet ein zartes Ehepaar in der Tracht des vorigen Jahrhunderts, ein Marquis, seine Frau und sein Töchterchen. Sie stellen das häusliche Glück des Menschen dar. Der Mann führt das kleine Töchterchen an der Hand, welches einen Lilienstengel in der Linken hält, auf welchen es mit keusch gesenkten Augen kindlich still herabblickt. Mit der Rechten führt der Marquis seine Frau bei der Hand. Das hübsche Weib sieht sorgenlos dem Zuschauer ins Gesicht. Hinter dem Ehepaar folgt ein Mädchen in der Tracht der Jahrhundert­wende und hinter dieser Gestalt stehen noch zwei Nonnen. Alle drei mit Lilienstengeln zum Zeichen ihrer Unschuld. Das Ewig Weibliche, das uns heranzieht, findet in diesen Figuren seine Vertreter. Hinter dem Tode schreiten die Vertreter kriegerischer Macht unter flatternden Kriegsfahnen und Siegesflaggen : altbekannte Gestalten, Heerführer aus altklassischer Zeit, einem Alexander ähnlich, eine hoch über die Menge ragende Reiterfigur eines ungarischen Olygarchen mit Barett, die Personifizierte Ge­stalt „des ungarischen Heerführers", an einen Bocskai erinnernd, weiter eine Napoleongestalt, dahinter ein Pascha oder eher ein türkischer Sultan, aber auch moderne Politiker- und Diplo­matenköpfe. Hinter dem Königsthron stehen ein Mönch mit einem Kreuze, ein Kardinal, der in einem Buche liest und ein Fürst, der sich mit einem vornehmen Stolz auf sein Schwert stützt. Sie sind auch Diener und Stützen der Macht : die Kirche, die Wissenschaft und das Schwertrecht, „das Vorrecht des Stärkeren" symbolisierend. Wenn man das Werk von Margitay mit einer so grossen Genauigkeit betrachtet hat, so muss man rückhaltlos zugeben, dass es sich hier zwar nicht um eine Darstellung handelt, in welcher etwa ein altes Totentanzmotiv ver­arbeitet wäre, doch steht es in die Reihe der all­gemein menschlich symbolisierenden „Mensch­heitsdramen" aufgenommen unter den schön­sten Produkten dieser Art. Die Todesgestalt Margitay's ist eigentlich mit der Personifikation der „Krieges" identisch und daher ist es zweckmässig, bevor wir die neuesten Totentänze der Gegenwart eingehender untersuchen, etwas auch aus den „Totentänzen des Krieges" und aus den Todes- und Toten­darstellungen, die mit der Idee des Krieges zu­sammenhängen, ins Auge zu fassan. 3. Krieg und Totentanz „So furchtbar auch der Krieg ist, so be­kundet er doch die geistige Grösse des Men­schen, der seinem mächtigen Erbfeind, dem Tode,

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