KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

zu trotzen vermag" — sagt Heinrich Heine in seinen „Reisebildern" (1826—1830). Und auch die Tatsache, dass zur Zeit grosser Kriege das Todesmotiv ein beliebtes Thema ist, beweist, dass der menschliche Geist diesem seinem Trotz, mit dem er sich gegen die Macht des Todes wendet, auch im Rahmen der Kunst Ausdruck verleiht. Die Kunst der Kriegszeiten verherrlicht in der Gestalt des Todes vor allem die alles ver­heerende Gewalt des Krieges, aber auch die Ursache und die Folgen der Kriege werden sehr häufig in der Skelettgestalt verkörperlicht. Der Tod personifiziert auch die Lebensgefahr im Kriege, ja mit der Waffe selbst wird er identi­fiziert. Bald erscheint er in der Gestalt des Fein­des, bald ist er die Spionage selber. Der Kriegssymbolismus hat schon im gan­zen XIX. Jahrhundert, aber im höchsten Masse zur Zeit des Weltkrieges die Totentanz-Literatur und -Kunst bereichert. Schon im „Todestanz" von Thomas Row­landson 1 erscheint die triumphierende Todes­gestalt, wie ein zähnefletschender Vampir, der königlich gekrönt, mit einem mächtigen Pfeil bewaffnet und mit den Merkmalen der Gitarre und Schalmei charakterisiert gebieterisch auf einem grossen Erdglobus sitzt. Und derselbe furchtbare Dämon reitet, an die Apokalypsen erinnern, auf einem schwarzen Rosse mit ent­setzlicher Ruhe auch auf dem berühmten Bilde von Franz Stuck 2 über ein mit Leichen bedeck­tes Schlachtfeld. Auf einer Lithographie von Jean Rambert 3 tritt der Tod, eine geharnischte Kriegs­gestalt, das „Gesetz" mit den Füssen, Armut und Unglück sind seine Begleitschaft. Georg Cruikshanc, 4 der talentvolle Autodidakt, der sich in seinen meisten Karikaturen mit Wut gegen Napoleon äussert, lässt auf dem obersten Spitz einer Todestriumphsäule die personifizierte Ge­stalt „Frankreichs" durch Napoleon selbst geis­sein. Napoleons Gewalt und Macht steht auf diesem Bild 5 auf der Grundlage der Macht des Todes, dessen Merkmal hier eine Guillotine ist. Dass ein skelettierter Todesdämon die Ursache eines Krieges sei, dies bringt der bolognesische Maler, Vittorio Petrella 6 so zum Ausdruck, dass er uns das Todesskelett in übermächtiger Grösse auf dem Erdball im Moment erscheinen lässt, wie er mit einem imposanten Schwerte die Erd­kugel bei Europa durchsticht. 7 Herrscher und Völker, die dem Genius des Krieges ihre blutigen Opfer darbringen, sind nach den Vorstellungen eingentlich ein Spiel­ball des „Dämons der Zerstörung". Auf einem Blatte von Heinrich Kleg 8 weist der Tod mit 1 vgl. Tafel LXX11I. Fig. 1 und weiter auch die üb­rigen Bilder dieser Tafel. 2 vgl. Tafel LXX1I1. Fig. 2. 3 1819—1869. 4 1792-1878 in London. 6 Tafel LXX111. Fig. 4. 6 geb. 1886. 7 ebenda Fig. 6. 8 geb. 1863 in Karlsruhe. einem Kantschu einer napoleonischen Gestalt auf eine kleine Holzfigur hin, die eine kaiserliche Gestalt darstellt und an einer Stelle einer Land­karte von ihm soeben aufgestellt wurde. Der Tod gibt den Herrschern und Feldherren die kriege­rischen Absichten ein. 9 Der berühmte Graphiker, Bernard Naudin, 1 0 macht auf einem Blatte die Schlacht selber zu einem „Totentanz" und die Kanonen zu „Todesgeigen" und der Tod wird zum teuflisch grinsenden Herrn der Soldaten, die er mit einem hinterrücks verborgen gehal­tenen Lasso zum Angriff anzutreiben gedenkt. Derselbe Gedanke, dass der Tod unter den kämpfenden Soldaten wandle und selbst die Kanonen in eigener Person abfeuere, hat auch Th. Rowlandson in seinem „Totentanz" zum Ausdruck gebracht 1 1 Aber der Tod wird bei Albert Hahn und Honoré Daumier nicht nur der grösste Erfinder der schrecklichsten Mord­gewehre, sondern er zieht sogar als ein Soldat verkleidet in die Schlacht selbst aus, um die modernste Waffe zu handhaben, das Maschi­nengewehr. Bei Braakensiek taucht der Ge­danke auf, dass selbst die Sieges- und Trauer­nachrichten von den Kriegsunternehmungen das Werk des Todesdämons seien, und lässt statt Chamberlain die Skelettgestalt über die Zahl der Gefallenen im Burenkriege der Königin Vik­toria den ersten Trauerbericht erstatten. Noch eigenartiger gestaltet sich das Kriegs­motiv im modernen Totentanz, wenn der Tod zur Waffe selbst wird. 1 2 Eduard Fuchs hat in seinem sehr populären Werke über die Ge­schichte der Karikatur sehr wertvolle Beiträge zur Geschichte dieses Motivs veröffentlicht 1 8 und das Interessanteste davon bringen wir auf un­serer Tafel LXXV., damit uns aus der Kontinui­tät der Motivgeschichte kein Kettenglied fehlt. Merkwürdig ist der Gedanke der Lustigen Blät­ter aus dem Jahre 1914, wo sich selbst der Tod, der „ehrliche Waffenfabrikant", über jene auf­gebracht zeigt, die das schreckliche Dum-Dum­Geschoss erfunden haben. Ganz genial wirkt die überraschende Wendung, dass sich bei Al­bert Hahn die Mine in einen Schädel verwan­delt, bzw. dass der Tod selbst in der Gestalt einer Mine auf dem Meere schwimmt. Und auch der Vergleich eines Zeppelin-Luftschiffes mit einem Totenkopfschmetterling bei Braaken­siek ist ein ganz kurioser Einfall. Eine eigenartige Umwandlung der Dar­stellungsform zeigt sich auf den Totentänzen der Weltkriegszeit. Dem gepressten, gequälten Le­benszustand entsprechend werden auch die Bilder eckig, verzerrt. Kubistisch, aus geometri­schen Formen konstruiert werden diese Toten­tanzbilder zum expressionistischen Ausdruck 9 vgl. Tefel LXXIV. Fig. 1 und die weiteren Bilder dieser Tafel. 1 0 geb. 1876 in Chäteauroux. 1 1 Tafel LXXIV. Fig. 2-3. 1 2 vgl. Tafel LXXV. Fig. 1-6. 1 3 Der Weltkrieg in der Karikatur. Bd. I. München 1916.

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