KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

sich um ein grosses „Weitengrab" gesammelt. Im Hintergrunde ein Tempel, um das Grab in einiger Entfernung ein Geländer. Diesseits und jenseits des Geländers erheben sich vereinzelt Grabeshügel mit halb verfallenen Kirchhofs­kreuzen. Links im Vordergrunde steht die blut­dürstig-dämonische und beflügelte Gestalt des Todes, aber nicht in der Form eines Skelettes, sondern in einer Gestalt, welche eher an den Luzifer der „Tragödie des Menschen" von Ma­dách erinnert. Es steht also fest, dass Zichy, als er zur Totentanzszene der Madách-Tragödie eine Illustration geplant hat, in der Gestalt Lu­zifers die übliche Gestalt des „Genius der Zer­störung", — wie sie in den Totentänzen vom Skelett-Tod verkörperlicht wird, — aufzufinden glaubte. Und dieser Todes-Dämon unserer Zichy­Skizze erhebt mit einer suggestiven Geste seine linke Hand und scheint auch durch seinen teuf­lischen Blick die am Rande des Weltengrabes versammelten Standesvertreter in ihr baldiges Verderben stürzen zu wollen. Der vor ihm am Boden liegende Totenschädel deutet aber mit Sicherheit auf sein wahres Wesen hin, denn er ist der Tod, dessen Zauberkraft einmal mit un­widerstehlicher Gewalt einen jeden Menschen in den Bann dieses letzten, zauberischen To­destanzes zwingt. Zu seinen Füssen liegt eine entseelte Leiche und eine menschliche Gestalt, die schon mit dem Tode ringt. Weiter rechts tanzen zwei nackte Körper in die Tiefe und zwei greisenhafte Gestalten rutschen langsam immer weiter am Abhang hinab. Von der ent­gegengesetzten Seite her fällt soeben ein von Schlangen bedeckter Mann rücklings in den Abgrund. Und auch am Grabesrand erscheinen die verschiedensten Standesvertreter. Einige tan­zen, wie von der Wut einer wilden Tanzorgie ergriffen, ganz geblendet in die Tiefe, andere treiben noch im Anblick ihres baldigen Endes ihr kleinliches Wesen. Eine halbnackte Dirne tanzt mit zwei betrunkenen Männern immer näher und näher. Aber dem Grabe nähert sich rechts auch ein träumerischer Jüngling mit sen­timentaler Handbewegung. Von den tanzenden links eine Mutter mit ihrem Kinde, ein dicker Geistlicher mit Weinflasche, vor ihm ein stau­nendes Kind und ein kniender Bettler. Ganz links ein eleganter Stutzer, kalt und verständ­nislos. Rechts im Vordergrunde hält „die Phi­losophie" mit den verschiedenen „Künsten" vereint gelehrte Vorträge über den „Tod" und sein „Werk". Wie es aus der Komposition von Zichy ersichtlich ist, umfasst diese „Totentanzart der Menschheitstragödie" eine ungleichartige Mi­schung von sehr heterogenen Motivelementen. Dies darf aber diesen Darstellungen nicht als Fehler angerechnet werden. Ja, diese Totentanz­art verlangt sogar keinen harmonischen Aus­gleich der Einzelheiten ihres Inhalts, denn ihr Wesen ist in gewisser Hinsicht mit der Dishar­monie verwandt. Nicht nur in den Szenen selbst, die, — obwohl sie zeitlich voneinander getrennt sind, — in einem bunten Nebeneinander das Tragische mit dem Ironischen, Komischen, das Pompöse mit dem Lieblichen, Zärtlichen ver­mengen, sondern auch in den dargestellten Ge­stalten der Standesvertreter zeigt sich die An­dersgeartetheit. Auch auf dem Weltengrab-Bilde von Zichy ist der Philosoph eine altertümliche Sokrates-Gestalt, die Künstler gehören der Ro­kokozeit an und ihnen gegenüber steht der mo­dern und elegant gezeichnete Stutzer in der Kleidung der Gegenwart. Aber gerade dies ist für die Totentanzdichtungsart des einheitlich symbolisierenden Bildes bezeichnend, dass sich in ihr die entlegensten Zeiten, die verschieden­sten Schicksale, die abweichendsten Lebensbe­trachtungen, philosophischer Ernst und frivoler Leichtsinn, Vergangenheit, Gegenwart und Zu­kunft in einem Aspekt, in der allgemein menschlich deutbaren Nichtigkeitsbetrachtung des modernen Totentanzes vereinigen. Nur wenn wir diese Eigenart der moder­nen Totentanzkunst für berechtigt finden, lässt sich einer sehr interessanten Todesdarstellung der „Menschheitstragödie", welche vom bekann­ten, aber nicht allzu hoch geschätzen ungari­schen „Salonmaler" Tihamér Margitay 1 her­rührt. der ihr ziemende Platz in der Reihe der modernen Totentanzerzeugnissen zuweisen. Margitay, der Anhänger des Münchener Realis­mus, ein Maler von Anekdoten und novellistischen Einfällen, hat nämlich auf einem einzigen grossen Gemälde, das den Titel „Virradat", „Morgendäm­merung" führt und von ihm i. J. 1903 ausgeführt wurde, ein motivgeschichtlich sehr wertvolles Stück der modernen „Totentanzart der Mensch­heitstragödie" geschaffen. Das mächtige Ölgemäl­de befand sich noch im vergangenen Jahre unter Nr. 183 staatlich deponiert am I. Stock des Kul­turpalastes in Szeged, vor dem Eingang der So­mogyi-Bibliothek. Eine Beschreibung des Bildes befindet sich im Budapester Museum der Schö­nen Künste unter der Signatur L.J.K. 99/1910. Margitay stellt uns den Lebensweg der Menschheit dar, also wahrhaftig eine „Mensch­heitstragödie". Im Hintergrunde, in blauer Ferne, erhebt sich ein Berg mit einer Zitadelle. Ich glaube in ihm die Konturen des Budapester St. Gerhardsberges wiedererkennen zu dürfen. Rechts, mit blendend feurigem Hof die aufge­hende Sonne, der ein furchtbar mächtiger Zug entgegenschreitet. Eine unabsehbare Menge ist vor einen altertümlichen Triumphwagen ge­spannt. Den Wagen ziehen dicht aneinander gedrängt Arbeiter, armes Volk, Pöbel, Männer und Frauen aus den verschiedensten Zeitaltern und Jahrhunderten der Geschichte, durch zeit­genössische Trachten gekennzeichnet. Die Köpfe und die nackten Rücken der Tausenden und Abertausenden dieser wagenziehenden Sklaven verlieren sich im tröstend und vielverheissend erhabenen und goldenen Schein der Sonne, in 1 geb. 1859 in Jenk und gest. 1922 in Budapest; vgl. Tat. LXXII.

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