KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

-245­gemein menschlichen Charakteristik des Irdi­schen Motive der Volkssagen verwendet haben. Den Wanderer-Tod lässt auch Hellmut Eich rodt, wie Kacziáriy, auf einem schwarzen Rosse über die Saatfelder und Wiesen reiten und auf dem Bilde von Hans Lippisch wird der Tod mit einem wilden Wassergeist identisch, der die Toten, welche im Wasser ihr Ende fanden, auf einem endlos langen Flosse „zum Meere" hin­abführt, die Lebenswanderung der Menschheit auf dem Lebensflusse nach dem Meere der Ewigkeit symbolisierend. Angelo Jank und Lud­wig Raders, sowie auch Adolf Münzer lassen wieder die Sage vom toten Bräutigam, vom Geigenspieler-Tod und vom „Wilden Jäger" auf die irdische Allgemeinheit übertragen. In der Szene vom Toren und vom Tod wird sogar eine Jedermann-Szene in den Kreis dieser „Toten­tanz-Darstellungen " herbeigezogen . Durch die Anwendung der Motive von verschiedensten Volkssagen, deren Einzelzüge irgendwie mit dem „Totentanz-Vorgang" in ei­nen engeren Zusammenhang gebracht werden können, entsteht langsam aus dem allgemein menschlich symbolisierenden Totentanz-Einzel­bild ein „Menschheitsdrama". Das herrlichste Bild in diesem Genre ist das wundervoll-liebliche Gemälde von Gustav Spangenberg 4 Er überträgt die Sage vom Rat­tenfänger zu Hameln auf die Gestalt des Every­man-Todes und auf die Figuren der im altertümli­chen „Totentanz-Zuge" dem Tode folgenden Stan­desreihe. Die vermummte Mönchsgestalt des To­des geht mit einer verlockend klingenden Glocke dem Zuge voran. Neben ihm die herzig gezeichne­ten Dorfkinder, der letzte Rest aus der erwähnten Rattenfänger-Sage. Der Zug, welcher dem Tode folgt, besteht aus den Vertretern der verschie­densten Stände und aus Menschen, die nicht nur den verschiedensten Lebensaltern angehö­ren, sondern auch die voneinander weit entle­genen Jahrhunderte in ihrer geschichtlichen Klei­dung vertreten. Der Zug zieht an einer Marterl­tafel vorüber, wo sich ein junger Landsknecht von der schluchzenden Dirne verabschiedet. Links fleht eine alte, kranke Frau händeringend, um ebenfalls mit dem Tode ziehen zu dürfen. Sehr selten gibt es Totentanzdarstellungen, die eine solche poetische Tiefe und eine so feine Inner­lichkeit des ideellen Gehaltes verraten. Die Umgestaltung des Totentanzbegriffes in ein „Menschheitsdrama" hängt in der unga­rischen Literatur und Kunst mit den Ideen der „Tragödie des Menschen" von Madách zusam­men. Die auf der Tafel LXX mitgeteilten Illu­strationen dieses herrlichsten Totentanzes der modernen Totentanzliteratur, welche vom be­rühmten ungarischen Maler Graf Michael Zichy geschaffen wurden, sind nur ein Teil jener Bil­derreihe, welche Zichy zum „Menschheitsdrama" von Madách verfertigte. Aber auch diese schon 1 geb. 1828 in Hamburg und gest. 1891 in Berlin ; vgl. Tafel LXVIII. vielmals veröffentlichten Bilder, denen ich in meiner „Totentanzsammlung" deswegen einen sehr vornehmen Platz sicherte, weil sie mit den übrigen hier mitgeteilten „Totentanzwerken" ver­glichen einen weiteren sehr wichtigen Beweis für den „Totentanzcharakter" der „Tragödie des Menschen" liefern, können uns von den auf­fälligen Zusammenhängen dieser Bilder mit den übrigen Totentanz-Darstellungen überzeugen. Auf einer jeden dieser Szenen liegt im Vorder­grunde irgendein Gisant-Typ-Toter : auf dem ägyptischen Bilde die eigene Mumie des Pha­rao, in der römischen Szene der Pestkranke und auf dem Bilde der französischen Revolution die Leiche der Marquise. Auf einem jeden Bilde ist es Luzifer, der die Rolle des Todes der Toten­tänze spielt : dem Pharao weist er auf die Ve­gänglichkeit des Ruhms und auf den Sieg der Zeit über die höchsten Pyramiden hin, in Rom begrüsst er hohnlächelnd den Toten und ver­ursacht durch ein Schelmenstück den Tod der Hyppia, und zur Zeit der französischen Revolu­tion steht er als Scharfrichter an der Guillotine und betrachtet mit Gier die Opfer seiner mör­derischen Lust. Es wurde von mir schon der Totentanzcharakter der Szenen bei Madách ge­zeigt. Nun weise ich darauf hin, das Zichy die­sen Charakter noch vertieft hat. Überhaupt stand die Kunst dieses origi­nellen ungarischen Illustrators der allgemein menschlich symbolisierenden Totentanz-Dich­tungsart sehr nahe. Nicht umsonst widmete Zichy den beiden Totentanz-Balladen von Arany zwei so wundervoll dramatisch bewegte Blätter. 2 Auf dem Bilde von der „Brückenweihe" gelang es dem Meister den gespensterhaften Wirbel der von der neuen Margarethen-Brücke in Bu­dapest in der ersten Nacht nach der Weihe in das Wasser hinabstürzenden Geister so zu schildern, dass sich daraus das tragische Schick­sal des links oben am Brückenkronleuchter ste­henden Jünglings von selbst ergibt. Den un­glücklichen Selbstmordkandidaten zieht der Zau­bertanz der Gespenster mit sich ins Wasser hinab. Aber das Bild wird zu einem Symbol des unglücklichen Menschen überhaupt, den sein Schicksal unaufhaltsam und unerbittlich ins Ver­derben stürzt. Und dieselbe allgemein mensch­liche Bedeutung erhält durch Zichy's meister­hafte Darstellung das Bild von den „Feiertags­schändern", denen der teuflische Dudelsack­pfeifer den Weg in den tiefen Höllenschlund weist. Zichy hat zwar in seinem schon erwähn­ten Zyklus zur „Tragödie des Menschen" von Madách die „Totentanz-Szene" am Schluss der Londoner Szene nicht illustriert, doch machte er den Versuch, auch diese Szene als ein „ein­heitlich symbolisierendes Totentanz-Einzelbild" zu gestalten. Die Skizze zu einer etwaigen Illu­stration dieser Szene veröffentliche ich auf der Tafel LXXI. Die verschiedensten Stände haben 2 vgl. Tafel LX1X.

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