KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

Itiit der Hand zu erreichen sterbt, merkt es nicht, auf einen welch unsicheren Pfad er vom Glück verleitet wurde. Und währenddessen er der Unerreichbaren mit rasender Geschwindigkeit nachfliegt, sich ganz dem Besitze der wunder­schön gusgemalten und in phantastischen Vi­sionen erträumten Zukunft hingibt, verlässt er sein bisheriges Ideal, die Gegenwart, ein trau­riges, aber ebenfalls schönes Mädchen, und rei­tet unbekümmert über ihre entseelte Leiche da­hin. Und schon erscheint knapp neben ihm, auf einem schwarzen Rosse reitend, in ein geister­haft flatterndes Gewand gehüllt, der Skelett-Tod. Wer sich dem Glücke am nächsten glaubt, ist in Wirklichkeit schon ein auserlesenes Opfer des Todes ! Die schmale Brücke wird übrigens auch zu einem leicht allgemein deutbaren Zug. Denn schon seit dem klassischen Altertum herrscht in der Kunst das Bild des irdischen Lebens als einer sehr schmalen und in schwind­licher Höhe über einen reissenden Strom führen­den Brücke. Mittelalterliche Legenden wissen von einer „Schwertbrücke", über welche die Seele eines jeden Verstorbenen schreiten muss. Ist die Seele rein, so gelangt sie ohne Schwie­rigkeit hinüber, auf die Gefilde der Seligen. Ist sie aber von Sünden belastet, so fällt sie un­rettbar in den tiefen Schlund der Hölle. Wenn uns also Henneberg den Ritt über eine schmale Bretterbrücke als das Symbol des gesamten ir­dischen Lebens der Menschheit vorstellt, so ist das ein uraltes Motiv der europäischen Kunst und Literatur, und somit wird diese wundervoll geschilderte „Jagd nach dem Glück" gleichzei­tig zu einem einheitlich symbolisierenden Bilde des Erdenlebens. Die Elemente der älteren Kunst werden auch bei Arnold Böcklin 1 zu einem Symbol des Irdischen. Die Fahrt über den Unterwelts­fluss im Kahne Charons 2 ist ja schon seit dem Altertum, seitdem überhaupt die Menschheit, und besonders die europäische Kultur, in den Moti­ven des klassischen Altertums ihre wichtigsten Anregungen zu einer Weiterentwicklung sucht, immer als ein Symbol des Todes betrachtet worden. 3 Und auch die „Toteninsel", 4 beson­ders auf dieser hier mitgeteilten dritten Fassung des träumerisch innerlichen Meisterwerkes von Böcklin, schildert uns den Eingang zur Unter­welt auf eine so reale Weise, dass man direkt gerne fragen möchte, ob es einen solchen Ein­gang nicht wirklich irgendwo existiere ? Und er existiert auch wirklich ! Denn das gesamte ir­dische Leben, das Leben eines jeden Einzelnen Menschen ist ein .solcher Eingang in die Unter­welt oder in die Überwelt. Und dieses allge­1 geb. 1827 in Basel und gest. 1901 in S. Dome­nico bei Feisole ; Vgl. Taíel L1X. Fig. 1—6. 2 vgl. ..Arnold Böcklin" von Fritz v. Ostini. 4. Aufl. Künstler-Monographien Nr. 70 ; Bielefeld und Leipzig. Verl. Velhagen & Klasing 1907; S. 58. Abb. 52; im Jahre 1877 entstanden. 3 vgl. Tafel LIX. Fig. 1. 4 vgl. Tafel LIX. Fig. 2. mein menschlich symbolisierende, einheitliche Lebensbild einer „Toteninsel" wirkt deswegen so real, weil sie aus persönlichen Erlebnissen des Meisters hervorquillt. Denn man glaubt in dieser einsamen Insel ein wunderwolles Spiegelbild der wildmalerischen Ponzainseln wiederzufinden. Das gesamte Leben wollte Böck­lin aber auch auf seinem Gemälde „Der Ritt des Todes" symbolisieren. Dieses Werk 5 ist i. J. 1871 entstanden. Im grossen Kriegsjahre 1 Böcklin soll von fernher die Kanonen donnern gehört haben, als er daran malte. Der Sturm beugt die Bäume, ein geller Blitz durchzuckt den Himmel Das wilde Ross des unheimli­chen Reiter-Todes bäumt sich vor Scheu. Das zerfallene Haus im Hintergrund ist auch eine Andeutung der Kriegszeit. Diese wild-finstere Landschaft, durch welche der Tod reitet, und in welcher nur Kampf und Krieg herrschen, bedeutet das gesamte irdische Leben der Menschheit. Ein ebenso einheitlich symbolisie­rendes Bild wollte Böcklin auch in der unvoll­endet gebliebenen zweiten Fassung seines Ge­mäldes „Der Krieg" schaffen. 6 Die vier apoka­lyptischen Reiter fliegen in einem furchtbar grausigen Aufzuge über eine Stadt. Ihre ner­venerschütternde Erscheinung ist seit den Apo­kalypsen immer ein beliebtes Motiv der Dar­stellungskunst der Vergänglichkeit gewesen. Ein ebenfalls unvollendetes Werk Böcklins, „Die Pest", 1898 begonnen, aber unvollendet gelas­sen, ist noch phantastischer,' als das vorher­gehende. Der Tod, eine halb skelettierte Ge­stalt, reitet auf einem drachenartigen Untier, das seine Fledermausflügeln über die Gassen einer Stadt ausbreitet. Auf den Gassen lie­gen am Boden die an der Pest verstorbenen Menschen, — ein hässliches, schon fast eben deswegen unwahrscheinliches Bild, weil es all­zu lebenswahr sein will. Aber der auf einem märchenhaften Riesentier reitende Unhold ist noch immer ein Rest der apokalyptischen Rei­ter. Sowie dieser neutestamentliche Zug zu ei­nem Symbol des irdischen Lebens wurde, so hat schon der berühmte Maler, Radierer, Dich­ter und Musiker, Salvator Rosa, 8 der in seinem Phantasiereichtum eine Freude am Unheimli­chen, Grausigen, Verödeten und Einsamen fand, in der Erscheinung des Geistes Samuels vor Saul die ganze Tragik des menschlichen Le­bens fühlbar machen können. Und das Geheimnis dieser Vergänglich­keitsdarstellung liegt gerade in diesem Zug : den tragischen Zufall, der irgendeiner über­sinnlichen Macht zugeschrieben wird, als die Ursache alles irdischen Übels hinzustellen. Da­her ist es bei den modernen Meistern eine sehr übliche Form der allgemein menschlichen Sym­bolistik, die Eisenbahnunfälle zu Trägern der 3 Tafel LIX. Fig. 5. e Vgl. Tafel LIX. Fig. 6. 7 Tafel LIX. Fig. 4. 8 geb. 1615 in Arenella bei Neapel und gest. 1673 in Rom; vgl. Tafel LX. Fig 1.

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