KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

rischen Gewalttaten, durch den Schornstein in die friedlichen menschlichen Behausungen. Ein deutscher Holzschnitt aus dem Jahre 1870 zeigt dagegen den Willen des Karikaturisten, auf dem skelettierten Schädel Napoleons des III. porträtartige Ähnlichkeit der Gesichtszüge des Flüchtlings anzustreben. Das Skelettgesicht, wel­ches auf den alten Portraits neben dem lebens­treuen Bildnisse abgebildet wurde, ist inzwischen durch den Einfluss der weltanschaulich philoso­phischen Auffassung des XVIII. und XIX. Jahr­hunderts von der immanenten Todesbereitschaft und Allgegenwart der naturnotwendigen Neigung zur Vergänglichkeit und Nichtigkeit, mit dem Porträt selbst identifiziert worden. Aber auch in einer anderen Richtung wir­ken die althergebrachten Motive der Totentanz­kunst noch weiter. Die mittelalterliche Methode der Vergänglichkeitsdarstellung, die Gegenüber­stellung des lebenden und toten Körpers, d. h. der Gisant-Typ, sowie die realistisch dargestell­ten Verwesungsstadien des von Maden, Wür­mern und Insekten zerfressenen Leichnams, werden auch bis in die neuesten Zeiten immer in einer neueren Form wiederholt. Juan de Val­des Leal, 1 der berühmte Barockmaler, dessen leidenschaftlich erhaben gestimmte Kunst sich immer in einer erstaunlichen Wirkiichkeitsnähe bewegt, dessen beliebtester Gegenstand war, Allegorien auf Leben und Tod zu malen, lässt auf dem hier mitgeteilten Gemälde über zwei Leichen eines Bischofs und eines Vornehmen von einer himmlischen Hand eine Waage hal­ten, in deren beiden Schalen die Abzeichen der irdischen Macht und die Symbole der Vergäng­lichkeit in einem sehr labilen Gleichgewicht ste­hen. Und das entsetzlich ekelhafte Holzgemälde aus dem XVII. Jahrhundert, 2 welches diese Ma­nier noch weiter übertreibt, zeigt, dass man an einer derartig ungustiösen Ausmalung der Ver­wesung zu dieser Zeit ein ebenso grosses Ge­fallen fand, wie im Mittelalter selbst. Auf einem Bilde von Félicien Rops (1833—1898) wird der erotischen Manier dieses berühmten Litho­graphen entsprechend 3 eine tanzende Dirne gezeichnet, die von eleganten Männern einer Ballgesellschaft bestaunt wird, die aus Koket­terie ihr kurzes Röckchen allzusehr in die Höhe hebt, um ihre Reize vor den geilen Männern zur Schau zu tragen. Aber statt der Schönhei­ten des weiblichen Körpers erscheint unter dem transparent leichten Tanzkleidchen eine halb ske­Iettiert gezeichnete, von der Verwesung ekelhaft entstellte Leiche. — Es ist das nicht „der Tod". Es ist wahrlich der „Totentanz" der Unkeusch­heit, deren tragisches Los die Skelettgestalt an­deuten soll. So hat auch Paolo Vincenzo Bor­romini,* der dekorative Landschaftsmaler von Bergamo, auf seiner Totentanz-Bilderreihe in der Chiesa di S. Grata zu Bergamo das Liebes­1 geb. 1622 in Sevilla und gest. 1690 ebenda ; vgl. Tafel LV1. Fig. 2 und auch die übrigen Bilder der Tafel. 2 vgl. Tafel LVI. Fig. 3. 3 Tafel LVI. Fig. 1. * gest. 1839 im hohen Alter. paar nicht mit dem Tod auf einem Bilde ver einigt, 5 sondern er zeichnete die beiden Leben­den selbst in der Gestalt von Totenskeletten, um die immanente Gegenwart des Todes im lebendigen Körper selbst auf diese eigenartige Weise anzudeuten. Daneben wandelt ..der Tisch­ler" ebenfalls als ein Skelett gezeichnet. Die Todesgestalt wurde mit dem lebendigen Stan­desvertreter identisch und verschwand als eine selbständig handelnde Person vom Bilde gänz­lich. Die Sünde und das seelische und kör­perliche Verderben i m Leben selbst hal auch Hugo Freiherr von Habermann auf einer Toten­tanz-Kohlenzeichnung durch eine kokette Dirne vergegenwärtigt, die in dem nächtlichen Nebel der Grossstadt die Männer in das Netz des To­des lockt. Der von seinen elegant und leicht hingeworfenen Gouache- und Schwarz-Weiss­Kompositionen berühmte Illustrator der „Lusti­gen Blätter" und der „Jugend", Knut Hansend wiedergibt die Aschermittwoch-Stimmung' durch einen im Frack und Zilinder hochelegant er­scheinenden Dandy, der mit seiner Dirne in den Armen den Tanzsaal verlässt. Aber der vor­nehme Tänzer hat ein Skelettgesicht. Der ero­tisch gestimmte Gegensatz zwischen dem feder­leicht schönen Körper der Tänzerin und dem kalt unergründlichen Skelett-Tänzer ruft eigent­lich die Äschermittwoch-Stimmung hervor. Aber auch der Schüler von Legros, der phantasie­volle Erzähler in Bilderreihen, der Porträtist und Schöpfer von übersinnlich-mystischen Blättern über Leben und Tod, William Strang (1859— 1921), hat den Gedanken, dass sich das gesamte irdische Leben im Tode, im Reiche des Todes, im Machtbereich der Todesgestalt befindet, durch eine schön gezeichnete Aktgestalt eines herrli­chen Mädchenleibes und durch die Skelettgestalt einer verwelkten alten Frau charakterisiert. In seinem Totentanzzyklus (Der Krieg, Anarchie, Der Tod und Pflügers Weib usw.) ging er dem Gespenstischen sorgfältig aus dem Wege und trachtete eher, die Ällgegenwart des Todes i m Leben selbst anzudeuten. 8 Diese Motivvariation vereinigte sich dann mit einer anderen Bestrebung, welche beson­ders seit Lessing zur Mode wurde, welche aber zur Renaissance- und Barockzeit, dann weiter gegen die Jahrhundertwende des XIX. und XX. Jahrhunderts ebenso beliebt war : den Tod nicht als ein Skelett darzustellen, sondern als eine volle Gewandfigur, als einen Genius, einen trau­rigen Jüngling oder als eine schöne, aber furcht­bare Furie. 9 Nicht nur G. F. Watts stellt der üppig-jungen Gestalt des „Lebens" die düster­ernste Gewandfigur des Todes gegenüber, der dem Zuschauer den Rücken kehrt und dessen mystisch-weihevolle Bewegung den geheimnis­vollen Ernst der Todesstunde schildern will. Lord Leighton greift sogar nach einem Sujet 5 vgl. Tafel LVI. Fig. 5. geb. 1876 in Kopenhagen, meist in Berlin tätig, 7 vgl. Tafel LVI. Fig. 4. 8 Tafel LVI. Fig. 6, » vgl. die Bilder der Tafel LV11.

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