KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
Anhang I
déngnome" und bläst dem Verzweiflungsvollen Mordlust ein. Der Mensch ist doch Herr seines Schicksals, das durch Duldsamkeit nicht zu ermüden ist 1 Dorand erschiesst sich und stirbt den „Heldentod der Toren". 1 — Die Illustration zum nächsten Stück ..Toiletten-Besuch" (S. 21) veröffentliche ich nicht. Fräulein Rosamunde schlief nach einem tollen Ball, wo sie sich durch einen jungen Lord erobern Hess, lange bis in die Mittagsstunde. Welk und bleich stellte sie sich vor den Spiegel. Als sie im Spiegel aber mit Harm ihre Schönheit zerstört erblickte, gab sie dem Lieblingshund, Joly, einen Tritt und auch die Zofe, welche kam, um sie anzukleiden, musste von ihr viel .Scheltworte einstecken. Nachdem aber ihre Haare in Ordnung waren und sie ein feines Negligé anzog, war sie ruhiger und wartete gelangweiligt auf den Besuch des jungen Lords zum Pulztisch, wie er es versprach. Um drei Uhr hielt ein Wagen vor dem Hause an, aber der Besuch kam zur Mama. Um vier Uhr regt sich etwas an der Tür. Voll Liebesglück harrt das Fräulein des Eintretenden . . . aber als die Tür aufgeht, tritt das Furchtgeripp, „Lord Klapperbein" herein. Umsonst fährt die Dirne mit lautem Schrei empor, er stellt sich ihr kalt vor. Er sei nun zur schönen Braut gekommen, die er gestern als ihr Tänzer schlau betört hat. Er bietet ihr die dürre Hand und als ihr das Leben schwindet und sie im letzten Kampfe röchelnd daliegt, lächelt der Tod ob des guten Schwankes. — Eine .moderne technische Erfindung", d'r A'étostat, wird in der nächsten Szene das erstemal zum Geg-nstande der Totentanzbelrachtung („Der Aerostat" S. 28). Nach einer längeren Prosa-Betrachtung über den Gegenstand, wie der Mensch die Natur bezwingt und wie sich die Natur so sel'en dem Menschen dankbar erweist, wie wenig sie die Forschungslust der Menschen mit ihren Geschenken belohnt, folgen Reminiszenzen aus dem Holbein-Totmitanz. Schon als der Mensch sich Schiffe baute, um das Wasserelement zu erobern, schwamm der Tod dem Schiffe nach. Dessenungeachtet erstickte die Habsucht die Stimme der abmahnenden Natur und nun trachtet der "neue Dädalus", dem die „dienstfertigen Sylphen das freudige Spiel der Winde" beschützten (wiesie es mit den Versuchen „vom rühmlichen Kreuzzuge des Pariser Widders durch die Atmosphäre . . . bis auf den brittischen Triumph des Schwebers Kunardi . , ." taten), auf einem Aerostat, auf einem Wunderball die noch u ibetretene Sternenbahn zu wandeln. Nach einer schönen, in Versen abgefasst n Beschreibung der Abfahrt und der grossen, gaffend umstehenden Menge, in deren Reihen auch die Frau des Luftschiffers mit bangem Herzen des Ausganges harrt, folgt ein Prosateil, in welchem der Odem de3 Todes im Tale zu lauschen beginnt. Der Tod will seine Erstlingsfrüchte aus dem Reiche der Wolken selbst pflücken. Ohne Passport schleicht sich der Tod in das schwebende Koloss als ein ungebetener Gast ein und rö stet sich im inneren Räume, im Kerne des Fahrzeuges, am warmen Herde, dem das Phlogiston entquillt. Er hüllt sich in Dampf und Nebel. Aber er pflegt die dienstbeflissene Hand nie zur Erhaltung des von Menschen Geschaffenen hülfreich auszustrecken. Ein schneller Brand entsteht. Und der Pilot, Freund Schwindelgeist, wagt lieber einen Sprung über Kopf ins Freie. — Dieses Totenlanzbild steht sichrrlich mit jenen ersten Versuchen in Verbindung, welche kurz vor der Veröffentlichung des Schellenberg'schen To tentanzes die öffentliche Meinung Europas in ständiger Aufregung hielten: es sind das die Aufstiegversuche mit dem Warmluftballon der Brüder Jacques-Etienne und Joseph-Michel Montgolfier i.'J. 1783 erst zu Annonay und dann zu Paris, weiter mit dem ersten Gasballon Charliére's und Minckelaers noch in demselben Jahre. — Lieblich und idyllich ist die Szene „Schulvisitation" (S. 37). Den „glücklichen Despot" des kleinen Staates, der Schule, umringen im Kreise die Schulkinder. Aber umsonst gebietet der Lehrer „Silentium", es entsteht unter den Kindern ein unerklärbarer Aufruhr Der Kustos flüchtet sich hinter die geöffnete Tür, alídere Kinder wieder suchen beim Lehrer Schulz. Und diesem fällt die Fibel, das ABC-Buch, aus der Hand, als er in der geöffneten Tür „Herrn Klapperzahn" erblickt, der ihn schauderlich anschnarrt: Meister! die Schule ist aus, das Stundenglas leer! Umsonst bittet der Lehrer um eine keine Frist. — Die Illustration zur Szene „Böse spende" (S. 42), in welcher sich der ungerechte Jurist bestechen lässt, aber vom unerwartet erscheinenden „Freund Blekzahn" zu seinem eigenen Leichenschmaus eingeladen wird, musste als eine allzu flacheDarstellungweggelassen werden. — Umso merkwürdiger, wie sich Altes und Neues in der Szene „Getäuschte Et Wartung" (S- 49) paart, wo der Tod in weiblicher Gestalt als eine Parze erscheint. Der Junker, des Königs Kämmerling, lebt still in einem ländlichen Hause einer blühenden Au. Kein Fräulein gewann sein freies Herz, obwohl er bei den Damen viel Siege errungen hatte. Als ihn einst die Langweile quälte, gedachte er, ein Mädchen zu freien. Es gelang ihm aber nicht, sich in den schlaflosen Nächten für dieses oder jenes Fräulein zu entschliessen. Sein Lebenslenz entflieht, mancher Frühling kehrt wieder und als er wieder einmal im Park lustwandelt, erblickt er auf der Promenade eine hübsche Dame. Er sieht sie erst nur von rückwärts, eilt aber hin, sie zu begrüssen. Als das Fräulein des Kommenden Gang vernimmt, dreht es sich im schnellen Nu um und bietet ihm freundlich die Arme dar. Aber diese Braut ist ein Totengespenst 1 Der Junker verbrachte seine Jugend mit unnützen Grübeleien und nun muss er „das Fräulein Atropos", die Parze selbst wählen, die im modernen Gewand statt der Spindel den Fächer in der Hand hält. 2 — Freund Hein zeigt aber auch der armen Mutter eine „Unwillkommne Dienstbeflissenheit" (S. 54) Schon den Kindern gab die Natur frühen Instinkt, um die späteren Pflichten im Spielen zu erlernen : dem Knaben, sein hölzernes Ross zu satteln, die Trommel ertönen zu lassen, dem Mädchen, die Puppe zu schaukeln. Nur so ist es denkbar, dass der Mensch den Beruf ohne Widerwillen tragen kann. Die Frau eines emsigen Kaufmanns, der den grössten Teil seines Lebens über Meer verbringt, findet all' ihre Freude in ihrem Säugling. Eines Morgens rufen sie die Wirtschaftssorgen von der Hut des schlummernden Knaben ab. Sie horcht zwar mehrmals, ob das Kind nicht schon erwacht sei, traut sich aber nicht, in das Zimmer zu treten, um es nicht zu stören. Endlich hört die Mutter die weinende Stimme des Erwachenden. Sie tritt in das Zimmerchen, schaudert aber zurück und ringt in unaussprechbarem Schmerz die Hände. Da sitzt das Todesskelett Freund Heins und gibt dem in seinem Schosse liegenden Säugling das Gift der Verwesung für gesunde Nahrung ein. „Aus Schäkerey" schiebt er dann der lauernden Katze den Überrest hin. — Nach der sentimentalen Klosterszene mit der „ Aufhebung des Klosters" (S. 60) folgt weiter eine idyllische Schilderung des Verscheidens im hohen Alter: „Freundes Geleit" (S. 65). Der Dichter bietet uns hier ein kleines Faustdrama in Totentanzform. Der Türhüter an der Pforte der Ewigkeit. der Engel des Lichts, lässt den Tod rufen und beschwert sich, dass die Seelen der.Verstorbenen so trübsinnig und voll Kümmernis zum Äther heraufschwanken. Er möchte wünschen, dass der Geruch der Erde dem Erbteile der Unsterblichkeit nicht anklebe. Der Tod erklärt dies für natürlich, da er doch, den Lebensstamm aus der Wurzel reissend, überall nur Zerstörung verursache und die Sorge für die Waisen dem Geschäftigen bis in den Schoss der ewigen Ruhe nachfolge. Da schickt der Lichtengel den Tod auf die Welt, um jemanden zu finden, der ihn willkommen heisst. Der Würgengel bedeckt sich mit dem Mantel der Nacht und befragt im Traume viele, viele Menschen, ob sie ihn gerne aufnehmen würden. Der Bote des Schicksals geht zu den Edlen und Mächtigen, zu den Weisen und Volksherren, zu den Günstlingen des Glückes, zu den Greisen und Jünglingen, aber alle ergreift Furcht und Grausen und ein jeder reisst sich aus seinen Armen los und findet irgendeine Ausrede, warum er nicht sterben möchte. Aber tief in der Einöde des Gebirges lebt in einer friedlichen Hütte Palämon, der alte Hirte. Ein Ziegenpaar, ebensovieljährige Lämmer, ein Lager von Moos, eine Kürbisflasche und ein knotiger Hirtenstab sind seine ganze irdische Habe. Der Alte ist noch rüstig und lebt in friedlicher Zuversicht. Der Tod naht sich ihm in der mitternächtlichen Stunde. Als der Greis ihn befragt, wer er sei, erklärt er, dass er von ihm seine Seele fordere, denn die Stunde seines Verscheidens sei gekommen ! Aber der alte Hirt erschrickt nicht, er begrüsst den Verkünder dieser guten Botschaft. Der Tod führt ihn zu jener Ställe, 1 vgl. Tafel XXV. Fig. 1-3. 2 vgl. Tafel XXVI. Fig. 6 und ff.